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Gemüsenot : Der Spinat verfault auf den Feldern

  • -Aktualisiert am

Sieht schön aus – hat aber Tücken: Andauernde Gewitter schaden der Ernte. Bild: dpa

Der verregnete Frühsommer bringt Gemüsebauern in Not. Und die Stühle der Straßencafés bleiben leer. Zum Glück gibt es reichlich Getreide, Hallenbäder und Innenräume.

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          Die anhaltenden Niederschläge machen Landwirten und Gastronomen Sorgen. Weil in Teilen Deutschlands die Böden extrem feucht sind und Äcker unter Wasser stehe, befürchten Gemüsebauern Ertragseinbußen. In Nordrhein-Westfalen stünden etwa ein Fünftel der Spinatanbauflächen derart unter Wasser, dass die Ernte schon verfault sei, sagte der Geschäftsführer des Gemüsebauverbandes BOGK der F.A.Z. Über Einbußen für die Gemüsebauern insgesamt und die Obstbauern ließe sich derzeit aber nur spekulieren. Der europäische Verband der gemüseverarbeitenden Wirtschaft (Profel) meldete, er sei „sehr besorgt“ wegen Ernteausfällen von Frühjahrs- und Sommergemüse in den wichtigsten europäischen Verarbeiterländern. Alles wegen heftigen Regens in Nord- und Westeuropa, neben Teilen Deutschlands auch in Frankreich, Belgien und Holland.

          Gemüsebauern in Belgien hätten schon ein Drittel ihrer Spinat- und Blumenkohlernte verloren. Die Verbindung von kühlen Temperaturen und Feuchte der Böden führten zur Ausbreitung von Pilzkrankheiten der Pflanzen. Nach nassem und kaltem März, wechselhaftem April und verregnetem Mai und ersten Juniwochen sind die Pflanzen noch nicht so weit wie zumeist in dieser Jahreszeit, meldete der Deutsche Wetterdienst. Auf die Getreideernten dürfte all das keine gravierenden Auswirkungen haben. Getreide fault nicht so schnell wie das flach wachsende Gemüse. Hier wirkten sich die Folgen langer Dürren, wie im Vorjahr, stärker negativ aus.

          Wie der Deutsche Raiffeisenverband am Donnerstag meldete, haben die Getreide- und Rapspflanzen Unwetter und Starkregen in Teilen Deutschlands gut überstanden. Die Getreideernte werde leicht über dem langjährigen Durchschnitt liegen. Dort, wo beispielsweise weniger Raps geerntet werden könne, lag es nicht am Starkregen und Überschwemmungen – sondern an fehlenden Niederschlägen, so im Nordosten Deutschlands. Mit Ausnahme des Nordostens allerdings sind die Böden in allen Teilen Deutschlands, insbesondere dem Südwesten, sehr feucht bis extrem nass. Das zeigt die Bodenfeuchtigkeitskarte des Wetterdienstes.

          Gastronomie klagt über Wetterschauer

          Dass das Getreide jedoch vor Pilz- und Fäulnisschäden verschont bleiben wird, muss nicht sein. Das hängt davon ab, wie lange es feucht bleibt. Auf einzelnen Rüben- oder Maisfeldern fließe das Wasser nicht mehr ab oder sickere nicht mehr in die Erde ein, ist zu hören. So ging in Franken in dieser Woche eine große landwirtschaftliche Freilandmesse, die Feldtage der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), in einem Meer aus Schlamm über die Bühne, das an die Woodstock-Festivals vergangener Zeiten erinnerte. Ein Besuch ohne Gummistiefel war kaum möglich, Wege und Felder wurden zu Schlamm. „Insgesamt Zufriedenheit bei Ausstellern und Besuchern trotz widrigster Witterungsbedingungen“, resümierte die DLG.

          Die Gastronomie ist wenig glücklich darüber, dass häufige Regenschauer die Biergärten und Außenflächen der Lokale gerade in den Tagen der Fußball-Europameisterschaft relativ frei von Kunden halten. Das war zu Zeiten vergangener Fußballturniere aus Sicht der Gastronomen erfreulicher. Doch Zahlen dazu, wie viel Umsatz den Restaurants entgeht, gibt es nicht. „Das wäre schlichtweg Märchenerzählen“, sagte ein Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes. Wenn die Leute nicht draußen äßen, dann wichen sie eben oft nach drinnen aus und äßen vielleicht auch etwas Deftiges, was mehr Umsatz bringe. Oder sie gingen in Wellness-Hotels. „Da gibt es komplexe Ausweicheffekte“, sagte der Sprecher. In summa, zeigten neueste Daten des Statistischen Bundesamtes am Freitag, ging es der Gastronomie jedenfalls bis zum Frühling prächtig. Von Januar bis April lagen die Umsätze um 4,3 Prozent oder inflationsbereinigt um 1,8 höher als im Vorjahres-Frühjahr. „Erfreulich“ nannte das der Verband.

          Verluste im Einzelhandel

          In anderen auf einen sommerlichen Sommer angewiesenen Branchen klang teilweise größere Trübsal durch. Sommermode finde noch kaum Anklang, ließ der Handel verlauten. Grillartikel wie Grillzangen, Kohle oder mariniertes Fleisch verkauften sich ferner schlecht, ebenso Gartenpflanzen und Gartenartikel. Das allerdings betrifft die vergangenen Wochen. „Das Frühjahr brachte uns sehr gute Umsätze“, sagte Niels Andreas, Inhaber der kleinen Frankfurter Pflanzenhandlung „Samen Andreas“, der F.A.Z.

          Der Einzelhandel leide unter dem schlechten Wetter in diesem Sommer, sagt Bernd Ohlmann, Sprecher des Bayerischen Handelsverbands. Aber es gibt auch Gewinner, meldete die Deutsche Presse-Agentur: Der Dauerregen ziehe die Menschen ins Kino, auf die Bowlingbahn oder zum Klettern in die Halle oder in die Hallen- und Spaßbäder. Wer von einem der nicht enden wollenden Regenschauer durchweicht wurde, kauft sich möglicherweise an der nächsten Ecke einen neuen Schirm. Die Regenschirmindustrie ist erfreut. „Ausschläge von 30 bis 35 Prozent rauf und runter sind ganz normal“, sagte Willi Neuking vom Regenschirmhersteller Dr. Neuser in Regensburg. Für die Lobby der Kinobetreiber äußerte sich Ingrid Breul. „Wenn es regnet, ist das etwas, worüber wir uns durchaus freuen – nicht privat, aber beruflich“, sagte Ingrid Breul, Pressesprecherin von Cinemaxx. Konkrete Zahlen könne sie aber nicht nennen.

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