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Massenhaltung : Langsame Schritte gegen Tierquälerei

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Ferkel-Kastrtion ist umstritten, das Fleisch von nichtkastrierten Ebern kann aber schlecht riechen. Bild: Nedden

Amputierte Ferkelschwänze, geschredderte Küken und Hennen mit beschnittenem Schnabel empören viele. Die Tierhaltung soll verbessert werden. Landwirte fürchten neue Komplikationen.

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          Fünf Jahre ist es her, als in Niedersachsen ein CDU-Politiker die Agrarwende vorbereitete. Gert Lindemann, damals Agrarminister in Hannover, ließ einen Tierschutzplan ausarbeiten. Er hatte zum Ziel, Fehlentwicklungen zu korrigieren: dass Amputationen nötig sind bei Tieren, um diese zu Tausenden in Mastställen halten zu können. Rinder werden enthornt, Schnäbel von Hennen gekürzt, Ferkelschwänze amputiert. Und Millionen „unnütze“ Küken werden vergast und geschreddert. Mittlerweile sitzt Lindemann, seit ihn der Grüne Christian Meyer aus dem Amt gedrängt hat, in Berlin und verfasst Tierschutzpläne im Bundesagrarministerium. Und langsam wird es Ernst: Ab kommendem Jahr soll, als Erstes, Schluss sein mit der betäubungslosen Ferkelkastration.

          Das ist nicht einfach und versetzt Bauern und den Handel in ziemliche Aufregung. Denn die Kastration hatte einen Grund: Das Fleisch von nicht kastrierten Ebern kann infolge der Ausschüttung eines Sexualhormons übel riechen und unverkäuflich werden. Aber seit Jahren laufen Probeversuche. Es gibt mehrere mögliche Auswege: Eber zu mästen und stinkende Tiere am Schlachtband auszusortieren. Oder die Ferkel unter Betäubung zu kastrieren. Oder, drittens: ihnen ein Medikament zu verabreichen.

          Darauf wird es wohl in den meisten Fällen hinauslaufen, was aus Berlin zu hören wo Handel und Ministerium regelmäßig im Gespräch sind. Rewe nutzt die Chance, sich als mustergültig grünes Unternehmen zu präsentieren: Ab 2017, zwei Jahre bevor der Gesetzgeber es vorschreibt, will es nur noch Schweinefrischfleisch verkaufen, das von zumindest betäubt kastrierten oder unkastrierten Schweinen kommt. Doch die Bauern murren: Die Ferkel-Erzeuger fürchten, dass die Schweinemäster ihre Ferkel künftig einfach aus den Niederlanden, aus Belgien oder Polen beziehen. Denn je Kastration nach dann noch zulässiger Art werden mehrere Euro Kosten kalkuliert. Das ist eine Menge im engen finanziellen Korsett der Landwirte.

          Kommunikationsprobleme

          Die fürchten zudem schon das nächsten Kommunikationsproblem. Denn die chemische Kastration oder „Impfung“, die sich als wahrscheinlich praktikabelster Weg anbietet, könnte beim Verbraucher nicht gut ankommen. Improvac heißt das Mittel der Wahl. Noch hält der Pharmakonzern Zoetis das Patent, aber schon bald dürften Konzerne wie Bayer, Merck, Boehringer, Ceva oder Hipra Nachahmerprodukte (Generika) oder eigene Impfstoffe für Ferkel anbieten. Das funktioniert so: Ein Botenstoff, der die Geschlechtsreife beim Schwein herbeiführt, gelangt nicht mehr an die Rezeptoren, da die Impfung Antikörper gegen diesen körpereigenen Stoff enthält.

          Improvac sei der „goldene Weg“, sagte Ludger Breloh von der Handelskette Rewe kürzlich auf einer Fachveranstaltung auf dem Deutschen Bauerntag, „auch wenn sich Schweinebauern dagegen wehren“. Damit nun nicht alle Ferkel aus dem Ausland importiert würden, sprach sich der Rewe-Manager für eine umfassende Herkunfts-Kennzeichnung von Fleisch und auch Fleischprodukten aus. Gesetzlich bleibt die betäubungslose Kastration noch bis Anfang 2019 erlaubt. Auch Rewe wird das Fleisch von betäubt kastrierten Schweinen und Ebern akzeptieren. Beides wird praktiziert: für den Öko-Fleischproduzenten Herrmannsdörfer aus Glonn bei München etwa kastrierten die Tierärzte die Ferkel unter Betäubung. Und Tönnies, vor Vion und Danish Crown Deutschlands größter Schlachtkonzern, will auch Eber akzeptieren.

          Dann könnten Arbeiter am Band die Geruchsprobe machen. Nachteil: Stinkt ein Stück Fleisch einmal, so ist der Arbeiter für Stunden außer Gefecht, die Nase muss sich erholen. Der Geruch wird so beschrieben, wie eine Mischung der Düfte von Motte, Urin und Teer. Weiterer Nachteil der Ebermast: Auch wenn das Fleisch gut riecht und schmeckt, ist es fettiger und gilt deshalb als weniger gut geeignet, um es zu Wurstprodukten, etwa Rohsalami, zu verarbeiten.

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