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Landesbanken : Dem Teufelskreis entrinnen

Bild: F.A.Z.

Die Sparkassen-Finanzgruppe ist Marktführer in Deutschland. Nach Ansicht ihrer Konkurrenten verdankt sie ihren hohen Marktanteil der unbegrenzten Haftung des Staates für Verluste. Damit ist bald Schluß. Vom Sommer 2005 an werden Landesbanken insolvenzfähig.

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          Die Sparkassen-Finanzgruppe ist Marktführer in Deutschland. Nach Ansicht ihrer Konkurrenten verdankt sie ihren hohen Marktanteil der unbegrenzten Haftung des Staates für Verluste. Damit ist bald Schluß. Vom Sommer 2005 an werden Landesbanken insolvenzfähig. Die staatlichen Garantien Gewährträgerhaftung und Anstaltslast fallen weitgehend weg.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aus Sicht der Kapitalmärkte sinkt die Schuldnerqualität und entsprechend das Rating. Die Agenturen haben schon begonnen, einige Landesbanken herabzustufen. Der Wettbewerbsvorteil zu den schlechter bewerteten anderen Banken wird weiter abnehmen. Die Landesbanken sind gezwungen, ihr Geschäftsmodell und ihre Strategie zu erneuern. Das FAZ.NET-Spezial zeigt die verschiedenen eingeschlagenen Wege.

          Da Kreditgeber keine Ausfälle befürchten müssen, können sich die Landesbanken bislang zu verhältnismäßig günstigen Zinssätzen Geld am Kapitalmarkt leihen; dieses verleihen sie weiter an Kreditkunden. Wegen des günstigeren Einkaufs (Refinanzierung) ist ihre Zinsspanne zwischen Einlage und Auslage tendenziell höher als bei privaten Banken oder Genossenschaftsbanken, deren Emittentenrating oft schlechter ist. Zudem gehen die Landesbanken - den Staat als Bürgen im Rücken - sehr riskante, aber zugleich hochrentierliche Engagements ein; beispielsweise kaufen sie in großem Stil Kreditderivate und setzen oft ihre Bilanz für provisionsträchtige Investmentbanking-Geschäfte (Mergers & Acquisitions) im In- und Ausland ein. Die Gewährträgerhaftung stellt aus Sicht der Gläubiger sicher, daß die Bundesländer als Träger der Landesbanken unbeschränkt haften.

          Der Teufelskreise: Niedrigeres Rating, höhere Refinanzierungskosten

          Mit dem Wegfall der Gewährträgerhaftung geraten die Landesbanken in einen Teufelskreis. Ihr Rating wird wohl herabgestuft. Dies führt zu höheren Refinanzierungskosten, was die Erträge drückt und die Kapitalbasis angreifen könnte. Dieses höhere Risiko bringt dann eine noch schlechtere Schuldnernote mit sich. Um diesem Teufelskreis zu entrinnen, müssen die Landesbanken ihr Geschäftsmodell überdenken. Fast alle haben sich auf die Fahnen geschrieben, riskantes Auslandsgeschäft abzubauen. Die Rating-Herabstufungen müssen in Grenzen gehalten werden.

          Um bis zu vier Stufen könnte es abwärtsgehen. Die Beratungsgesellschaft A.T. Kearney hat errechnet, daß auf die Landesbanken in diesem schlechtesten Fall bei unveränderten Geschäftsmodellen insgesamt 2,4 Milliarden Euro zusätzliche Kosten zukämen; bestenfalls wären es 1,4 Milliarden. Dabei gilt: Je schlechter das Rating aus eigener Kraft (Finanzkraftrating), um so schlechter wird das für die Refinanzierung entscheidende (Emittenten-)Rating. Mindestziel aller Landesbanken ist ein A1-Rating.

          Bei der Entwicklung zukunftweisender Strategien sind die elf Landesbanken unterschiedlich weit. Es fällt auf, daß die Eigentümerstruktur eine Rolle spielt. Landesbanken, die nicht "unabhängig" sind, sondern als Eigentümer auch andere Landesbanken haben, kommen am schwersten voran. Das trifft zu auf die Landesbank Rheinland-Pfalz, die SaarLB und die Bremer Landesbank.

          Beteiligung der Länder gilt als Plus

          Ein Plus bei den Rating-Agenturen ist eine Beteiligung des Landes. Dieses haftet als Miteigentümer zwar künftig nur noch in Höhe seiner Kapitaleinlage. Die Rating-Agenturen haben aber signalisiert, eine Staatsbeteiligung werde zu einer um eine Stufe höheren Ratingnote führen. Deshalb wirbt die neben der SachsenLB einzige Landesbank, an der das Bundesland nicht direkt beteiligt ist, um eine abermalige Beteiligung von Rheinland-Pfalz. Die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) prüft zudem eine Fusion mit dem Spitzeninstitut der Sparkassen-Gruppe, der Deka-Bank.

          Auch die derzeit bei der Strategiefindung etwas hinderliche Eigentümerstruktur könnte sich noch als zukunftsträchtig erweisen. Böte sich doch eine Fusion mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) an, die bereits mit 12,5 Prozent beteiligt ist. Fusionen unter Landesbanken - nach dem Vorbild der HSH Nordbank - gelten auch im Norden (NordLB, Bankgesellschaft Berlin, Bremer Landesbank) und im Südwesten (LB Saar, LBBW, LRP) künftig für nicht ausgeschlossen.

          Verbund mit den Sparkassen

          Helaba und SachsenLB haben Geschäftsmodelle, die einen stärkeren Verbund mit den Sparkassen vorsehen. Der hohe Marktanteil der Sparkassen im risikoarmen Privatkundengeschäft sollte stabilisierend auf das Rating wirken. Im Verbandsgebiet Hessen-Thüringen zum Beispiel soll es zu einer planvolleren und systematischeren Zusammenarbeit zwischen Landesbank und Sparkassen kommen. Die Sparkassen verlieren einen Teil ihrer Selbständigkeit, um das Rating der Landesbank zu stabilisieren.

          Dies trifft nicht überall auf Zustimmung. Befürchtet wird, die S-Finanzgruppe könnte eine ihrer Stärken, die dezentrale Struktur und damit die Nähe der Sparkassen zum Kunden, verlieren. Begriffe wie Konzern, Verbund oder Netzwerk mögen da in der Realität wenig Unterschied in der Zusammenarbeit machen; sie sind jedoch hochpolitisch, weil sie mehr oder weniger stark diese Ängste befördern.

          Frisches Kapital stabilisiert

          Um das Rating zu stabilisieren, ist auch die Zuführung von frischem Kapital wichtig. Von der Helaba und der LRP ist bekannt, daß sie mit ihren Bundesländern um eine neue stille Einlage verhandeln. Angesichts klammer öffentlicher Kassen ist dies aber kaum ein zukunftsträchtiger Weg. Manche Politiker wollen daher - wie in Bayern schon umgesetzt - die Möglichkeit zur Bildung einer Holding schaffen, an der sich auch privates Kapital beteiligen könnte. Im Saarland gibt es Pläne, das Sparkassen-Gesetz entsprechend zu ändern. Die frisch entstandene HSH Nordbank hat gleich die Aktiengesellschaft als Rechtsform gewählt und strebt einen späteren Börsengang an, ebenso wie die WestLB.

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