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Geschäftszahlen : Heikler Rettungsplan für die Nord LB

Warnschild vor dem Gebäude der Nord LB in Hannover Bild: dpa

Niedersachsens Landesbank braucht Kapitalspritzen. Die Rettung belastet die an dem Institut mitbeteiligten Sparkassen schwer. Selbst wenn das Geld zusammenkommt, entscheidet am Ende Brüssel.

          2 Min.

          Während andere Landesbanken wie die LBBW und die Helaba ihre Vorsorge für faule Kredite deutlich erhöhen müssen, war die Risikolage in der Nord LB im ersten Halbjahr 2019 entspannt. Doch der daraus resultierende kleine Halbjahresgewinn von 149 (Vorjahreshalbjahr: 54) Millionen Euro nach Steuern ist aus mindestens zwei Gründen nur eine Momentaufnahme. Zum einen, weil die Nord LB in den vergangenen drei Jahren zwei Mal mit Milliardenverlusten abschloss. Und zum anderen, weil sie auch in diesem Jahr wieder trotz des Halbjahresgewinns mit einem Verlust plant.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das eine hängt mit dem anderen zusammen: Wegen des Verlusts von mehr als 2 Milliarden Euro im Jahr 2018, hervorgerufen durch viele notleidende Kredite vor allem zur Schiffsfinanzierung, erfüllt die Nord LB seit Ende 2018 nicht mehr die Mindestanforderungen der Bankenaufsicht an das Eigenkapital. Zum 30. Juni betrug die harte Kernkapitalquote, die das Verhältnis von zur Deckung weiterer Jahresverluste bereit stehenden Eigenkapital zu risikogewichteten Anlagen und Krediten ins Verhältnis rückt, unverändert 6,63 Prozent.

          Die Bankenaufsicht verlangt von der NordLB deutlich mehr Eigenkapital, nämlich eine Kernkapitalquote von 10,57 Prozent. Die Aufsicht drückt derzeit beide Augen zu, weil sich schon zu Jahresbeginn die Träger der Nord LB, die Bundesländer Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie die norddeutschen Sparkassen, auf eine Eigenkapitalspritze im Volumen von 3,6 Milliarden Euro bereit erklärt haben.

          Brüssel prüft

          Diese Kapitalzufuhr muss aber von der EU-Kommission geprüft werden. Die Brüsseler Wettbewerbskommission kann den Kapitalzuschuss öffentlich-rechtlicher Träger nur genehmigen, wenn sie zum Schluss kommt, dass auch ein privater Investor der Nord LB zu den vereinbarten Konditionen dieses Eigenkapital bereit gestellt hätte. Diese Prüfung läuft. Die Bankenaufsicht hatte zuletzt bis September den Kapitalzuschuss verlangt. „Spätestens bis zum Jahresende 2019 sollen die geplanten Kapitalmaßnahmen umgesetzt sein und eine harte Kapitalquote von rund 14 Prozent erreicht werden“, hieß es von der Nord LB nun am Donnerstag.

          Um EU-Kommission und Sparkassen milde zu stimmen, hat die Nord LB ein Sanierungsprogramm aufgesetzt, das einen Abbau der Vollzeitstellen auf 2800 bis 3000 und eine Reduzierung des Bilanzvolumens auf weniger als 100 Milliarden Euro vorsieht. Dieses Programm soll im zweiten Halbjahr wesentlich umgesetzt werden und dafür werden so hohe Sanierungskosten etwa für Abfindungen ausscheidender Mitarbeiter anfallen, dass die Nord LB 2019 wieder mit Verlust abschneiden wird. So plant sie selbst; „Die Neuausrichtung der Nord LB wird uns alles abverlangen und sie dürfte sich auch im kommenden Jahr dämpfend auf das Unternehmensergebnis auswirken“, sagte der Vorstandsvorsitzende Thomas Bürkkle am Donnerstag.

          Im ersten Halbjahr 2019 sanken immerhin der Verwaltungsaufwand deutlich um 7 Prozent, die Zahl der Mitarbeiter von 5850 auf noch 5600 und die Bilanzsumme von 154 auf 145 Milliarden Euro. Der Anteil der notleidenden Kredite am um 15 Milliarden Euro geschrumpften Kreditportfolio ging von 4 Prozent auf 2,7 Prozent zurück, was im nationalen Vergleich immer noch sehr hoch ist.

          Die Nord LB sorgt denn auch immer wieder für Unmut. So befürchten die norddeutschen Sparkassen, das sie als kleineres Institut („Großsparkasse“) ihnen zunehmend Konkurrenz machen könnte. Auch die Rettungskosten, für die 42 niedersächsische Sparkassen allein 325 Millionen Euro beisteuern müssen, gehen an die Substanz. „Bei der diesjährigen Stützungsmaßnahme mussten dafür einige Häuser ihre Reserven angreifen, einige wenige haben sogar die Grenze ihrer maximalen Belastbarkeit touchiert“, sagte der Präsident des niedersächsischen Sparkassenverbands, Thomas Mang in dieser Woche. Mang lobte die Haltung der Bankenaufsicht als konstruktiv.

          Die EU-Kommission hingegen verlange noch eine Präzisierung am Geschäftsmodell der Nord LB. Der scheidende EU-Kommissar Günther Oettinger versprach hingegen überraschend, dass „die Kommission alles tut, um die Fortführung der NordLB im Interesse der norddeutschen Wirtschaft mit einem Umstrukturierungskonzept mit einer Verkleinerung der entsprechenden Sektoren zu ermöglichen“.

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