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Frankreich : Karl Lagerfeld im Visier der Steuerfahnder

Karl Lagerfeld Bild: AP

Der deutsche Modemacher soll laut einem Medienbericht in den vergangenen sechs Jahren 20 Millionen Euro nicht richtig versteuert haben. Ob seine Steuererklärungen illegal waren, ist aber noch nicht entschieden.

          Geht es dem Modemacher Karl Lagerfeld nun steuerlich an den berühmten Kragen, den er so gerne hochgeknöpft trägt? Das französische Nachrichtenmagazin „L’Express“ hat am Donnerstag berichtet, dass das französische Finanzministerium gegen ihn ermittelt. Innerhalb von sechs Jahren soll er Einnahmen von 20 Millionen Euro in Frankreich nicht angegeben haben. Eine verzweigte Konstruktion von Firmen in fünf Ländern habe dies ermöglicht, etwa auf den Virgin-Inseln, im amerikanischen Bundesstaat Delaware sowie in Irland. Das Finanzministerium wollte den Bericht nicht kommentieren. Eine Sprecherin von Lagerfeld bestätigte, dass ein Verfahren im Gange sei und fügte hinzu, dass der in Paris und Monaco residierende Lagerfeld „in Frankreich jährlich mehrere Millionen Euro an Steuern bezahlt“. Er sei in der Angelegenheit „sehr gelassen“ und vertraue seinen Finanzberatern sowie dem französischen Finanzministerium.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Es scheint also noch nicht entschieden, ob Lagerfeld illegal vorgegangen ist. Sein wichtigster Finanzberater ist seit mehr als drei Jahrzehnten der Wirtschaftsprüfer Lucien Frydlender, ein intimer Kenner der Wirtschaftsbeziehungen in der Modebranche. Auch er wollte am Donnerstag keinen Kommentar abgeben. Lagerfeld lässt seine Finanzgeschäfte inklusive der Steuerfragen nach Angaben seiner Sprecherin von externen Beratern verwalten. „Er sieht sich als Kreativer, nicht als Unternehmer“. Somit kann der Deutsche zu einer Vielzahl von Auftraggebern Verbindungen halten. Er ist nicht nur seit Jahrzehnten Kreativdirektor von Chanel, er entwirft auch für das italienische Modehaus Fendi sowie für das Label unter seinem eigenen Namen, das wiederum viele Co-Branding-Verträge vereinbart hat. Lagerfeld ist dabei jedoch immer nur als Angestellter tätig, nie als Miteigentümer.

          Bei dem Steuerverfahren geht es nach Angaben seiner Sprecherin um „persönliche“ Geschäfte jenseits der Modefirmen. Im Mittelpunkt soll davon seine Buchhandlung nahe des Pariser Stadtteils Saint-Germain-des-Prés stehen, zu der auch ein Fotostudio gehört, in dem viele Models ein und aus gehen. Die Geschäfte laufen anscheinend nicht gut, denn bei 7L habe sich laut „Express“ ein Verlust von 6,6 Millionen Euro angehäuft, Steuern fallen somit nicht an. Die Steuerfahnder wundert dabei indes, dass das Studio 7L einer in London geführten Gesellschaft gehört. Zwischen 7L London und 7L Paris sowie der in Irland ansässigen, aber auf den Virgin-Inseln registrierten Firma Photofan flössen Gelder, die die Behörden wohl stutzig gemacht haben.

          Der Verdacht lautet, dass Einnahmen in Frankreich verschleiert werden, um den dort üblichen höheren Steuersätzen entgehen. Zudem haben Lagerfelds Immobiliengeschäfte aufhorchen lassen: Die Gesellschaften Invasix und Invafor, die mehrere Immobilien in Paris halten, gehören zu einer Firma im amerikanischen Bundesstaat Delware, der für seine Steuervorteile bekannt ist.

          Im Umfeld des Modemachers heißt es, dass all diese Arrangements dem Fiskus bekannt seien. Nicht auszuschließen ist in Frankreich dabei auch, dass der Regierung die kritischen Bemerkungen Lagerfelds über die Steuerpolitik von François Hollande in Erinnerung geblieben sind. Er bezeichnete 2012 den später abgeschwächten Steuerplan einer 75-Prozent-Steuer für Reiche als „idiotisch. Schließlich erinnert man sich in Paris auch noch daran, dass Lagerfeld Ende der neunziger Jahre trotz hoher Steuerschulden unter undurchsichtigen Umständen nur eine sehr geringe Nachzahlung leisten musste.

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