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Kyoto-Kommentar : Lob für Kanada

Von wegen Biss: Kanadas Ausstieg aus der Kyoto-Protokoll gebührt Lob Bild: AFP

Kanadas Kyoto-Rückzug ist ein Sieg der Vernunft. Schade nur, dass Kanada nicht schon in Durban reinen Wein einschenkte. Das hätte dem politischen Öko-Optimismus den Zahn gezogen.

          Die Entscheidung der kanadischen Regierung, sich aus dem Kyoto-Protokoll zur Verringerung der sogenannten Treibhausgase zurückzuziehen, ist ein Sieg der Vernunft.

          Sie zeigt, dass Umweltschutz Kosten verursacht, die im Interesse von Arbeitsplätzen nicht jeder bereit ist zu tragen - um so mehr, wenn wichtige Länder sich als Trittbrettfahrer Umweltschutzabkommen entziehen.

          Der Regierung in Ottawa gebührt deshalb Lob. Schonungslos legt sie offen, dass der Kyoto-Kaiser gar keine Kleider anhat. Kanada im Gegenzug als Umweltsünder zu schelten führt in die Irre. Gemessen an seiner stark wachsenden Wirtschaft hat das Land seit 1992 nicht weniger Fortschritte in der Vermeidung des Kohlendioxid-Ausstoß gemacht als etwa Deutschland, das sich gerne als Musterschüler feiert.

          Schade ist nur, dass Kanada nicht schon auf der Klimaschutzkonferenz reinen Wein einschenkte. Das hätte dem politischen Öko-Optimismus in Durban den Zahn gezogen.

          Kanada entlarvt die Farce eines internationalen Abkommens, das mehr eine lockere Verabredung der Gutgläubigen war als ein Vertrag mit Biss. Diese Lehre kann Europa auch in seiner Krise der Finanzpolitik gut gebrauchen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

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