https://www.faz.net/-gqe-6vt36

Kyoto-Kommentar : Lob für Kanada

Von wegen Biss: Kanadas Ausstieg aus der Kyoto-Protokoll gebührt Lob Bild: AFP

Kanadas Kyoto-Rückzug ist ein Sieg der Vernunft. Schade nur, dass Kanada nicht schon in Durban reinen Wein einschenkte. Das hätte dem politischen Öko-Optimismus den Zahn gezogen.

          1 Min.

          Die Entscheidung der kanadischen Regierung, sich aus dem Kyoto-Protokoll zur Verringerung der sogenannten Treibhausgase zurückzuziehen, ist ein Sieg der Vernunft.

          Sie zeigt, dass Umweltschutz Kosten verursacht, die im Interesse von Arbeitsplätzen nicht jeder bereit ist zu tragen - um so mehr, wenn wichtige Länder sich als Trittbrettfahrer Umweltschutzabkommen entziehen.

          Der Regierung in Ottawa gebührt deshalb Lob. Schonungslos legt sie offen, dass der Kyoto-Kaiser gar keine Kleider anhat. Kanada im Gegenzug als Umweltsünder zu schelten führt in die Irre. Gemessen an seiner stark wachsenden Wirtschaft hat das Land seit 1992 nicht weniger Fortschritte in der Vermeidung des Kohlendioxid-Ausstoß gemacht als etwa Deutschland, das sich gerne als Musterschüler feiert.

          Schade ist nur, dass Kanada nicht schon auf der Klimaschutzkonferenz reinen Wein einschenkte. Das hätte dem politischen Öko-Optimismus in Durban den Zahn gezogen.

          Kanada entlarvt die Farce eines internationalen Abkommens, das mehr eine lockere Verabredung der Gutgläubigen war als ein Vertrag mit Biss. Diese Lehre kann Europa auch in seiner Krise der Finanzpolitik gut gebrauchen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Die Wirtschaft wird zweigeteilt

          Ifo-Index fällt : Die Wirtschaft wird zweigeteilt

          Die steigenden Corona-Neuinfektionen haben den Ifo-Geschäftsklimaindex im Oktober um 0,5 auf 92,7 Zähler gedrückt. Der Dienstleitungssektor leidet besonders, anderswo sieht es schon wieder deutlich besser aus.

          Topmeldungen

          Zum Tod von Thomas Oppermann : Ein beherzter Streiter für die Demokratie

          Kämpfend stemmte sich Thomas Oppermann dem Niedergang der SPD entgegen. Er war ein pointierter Redner, erfahrener Jurist und gehörte zu den energischen Taktgebern seiner Partei. Doch die erfüllte seinen Wunsch nach einem Ministeramt nicht.
          Norbert Röttgen, Friedrich Merz und Armin Laschet bei einer virtuellen Debatte der Jungen Union am 17. Oktober.

          CDU-Parteitag : Warten auf den Vierten?

          Die Verschiebung des CDU-Parteitags verschiebt auch die Perspektiven der Bewerber um den Parteivorsitz. Wirklich gestärkt hat sie aber keinen der drei. Aber vielleicht einen Vierten.

          Die Karrierefrage : Wie meistere ich die Krise?

          Resilienz ist das neue Karriere-Zauberwort, gerade jetzt in Pandemie-Zeiten. Die gute Nachricht: Seelische Widerstandskraft lässt sich lernen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.