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Kurssturz : Google entschuldigt sich für Panne bei Zahlenbekanntgabe

  • Aktualisiert am

Blick in ein Google-Rechenzentrum Bild: dapd

Erinnerungen an die technischen Pannen beim Facebook-Debüt werden wach: Der Internetkonzern Google veröffentlichte gestern seine Geschäftszahlen zu früh - und dann waren sie auch noch relativ schlecht. Es folgten Kurssturz, Handels-Aussetzung und eine Entschuldigung.

          Dieser Patzer hat Milliarden an Börsenwert vernichtet: Google hat seine Geschäftszahlen zum dritten Quartal am Donnerstag noch während des laufenden Börsenhandels in New York veröffentlicht. Zuerst herrschte Verwirrung, dann drückten die Händler auf den Verkaufsknopf. Denn massiv gestiegene Kosten - unter anderem durch die Übernahme des Handyherstellers Motorola - ließen den Gewinn schmelzen. Erschwerend hinzu kam, dass Google weniger Geld je Klick von seinen Werbekunden einnehmen konnte.

          Die Aktie verlor zeitweise 10,5 Prozent, bis sie mit einem Minus von neun Prozent vom Handel ausgesetzt wurde. Auch nach der Wiederaufnahme des Handels notierte das Papier am Donnerstag rund 9 Prozent im Minus. Der Beinahe-Ausverkauf drehte den positiven Trend, der die Aktie in diesem Jahr bereits zu einem absoluten Hoch geführt hatte. In den drei Monaten vor der Panne vom Donnerstag waren die Aktien um 27 Prozent gestiegen.

          Google erklärte, eine Druckerei habe den Bericht zu früh an die Börsenaufsicht SEC übermittelt. Google-Chef Larry Page entschuldigte sich während einer Telefonkonferenz mit Analysten für das Missgeschick und wies zugleich auf die seiner Meinung nach guten Wachstumschancen für den Konzern in der Zukunft hin. Michael Robinson, Vorstand von Levick Strategic Communications sprach nach der Veröffentlichungspanne von einem „monumentalen Fehler erheblichen Ausmaßes“. Die ohnehin schlechten Nachrichten seien auf dem denkbar schlechtesten Wege kommuniziert worden.

          Üblich ist, dass die Geschäftszahlen nach dem Ende des regulären Handels an der Technologiebörse Nasdaq in New York um 22 Uhr deutscher Zeit mitgeteilt werden, damit jeder Anleger die Zeit hat, sich in das Zahlenwerk zu vertiefen.

          Unvollständige Meldung

          Google beschuldigte die Druckerei R.R. Donnelley & Sons, den Quartalsbericht drei Stunden vor der geplanten Zeit - nach Börsenschluss - an die SEC geschickt zu haben. „Wir sind voll und ganz damit beschäftigt herauszubekommen, wie es zu dem Vorfall kam und verfolgen dabei unsere höchste Pflicht, unseren geschätzten Kunden zu dienen“, teilte die Druckerei mit.

          In der Mitteilung hatte eigentlich eine auffällige Zeile gestanden, die zeigte, dass sie noch nicht zur Veröffentlichung gedacht war:  „Zitat von Larry steht noch aus“ (PENDING LARRY QUOTE), hieß es an einer Stelle, an der wohl noch ein Zitat von Firmenchef Larry Page eingefügt werden sollte. Parallel zur Veröffentlichung ging bei Journalisten eine Erinnerung von Google per E-Mail ein, dass die Zahlen am Nachmittag vorgelegt würden.

          Die chaotische Veröffentlichung weckte Erinnerungen an das Facebook -Debüt, bei dem technische Pannen Anleger ebenfalls verunsicherten und zu deutlichen Verlusten führten. Anleger seien sehr stark überrascht worden, sagten mehrere Analysten später. JPMorgan-Analyst Doug Anmuth bezeichnete die Zahlen als schwach, aber nicht so schlecht wie sie auf den ersten Blick erschienen seien.

          Unter dem Strich brach der Gewinn im dritten Quartal auf  2,18 Milliarden Dollar ein. Ohne Sonderposten verdiente Google 9,03 Dollar je Anteilsschein - deutlich weniger als die von Analysten erwarteten 10,65 Dollar. Der Netto-Umsatz betrug 11,3 Milliarden Dollar. Zudem macht der erst vor kurzem übernommene Telefonhersteller Motorola Mobility weiter Verluste. 

          Page gestand in einer Telefonkonferenz ein, dass sein Unternehmen für Werbung auf Mobilgeräten weniger einnimmt als auf herkömmlichen Webseiten, die Nutzer mit einem PC öffnen. Die Vielzahl von neuen, mit dem Web verbundenen Geräten eröffne aber für Werbekunden ein „riesiges, neues Universum“. Google sei für den Übergang hin zu mobilen Geräten in einzigartiger Weise gerüstet, sagte Page und verwies auf das Telefonbetriebssystem Android, das den größten Marktanteil hat.

          Google hat wie viele andere Internetunternehmen Probleme, den raschen Umschwung weg von PCs hin zu Smartphones und Tablet-Computern aufzufangen. Das macht sich in der Bilanz bemerkbar: Der durchschnittliche Preis, den Google von Werbekunden pro Klick erhielt, fiel gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent. Im Vergleich zum Vorquartal stand ein Minus von drei Prozent.

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