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Kurssturz beim Finanzinstitut Bankia : Braucht Spanien bald Euro-Hilfen?

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Die Verluste bei der viertgrößten spanischen Bank Bankia beunruhigen die Finanzmärkte Bild: REUTERS

In Spanien spitzt sich die Krise weiter zu. Die Aktie der Großbank Bankia erlebt an diesem Montag einen drastischen Kurssturz. Mit rund 20 Milliarden Euro will der Staat das Finanzinstitut retten. Die Spekulationen werden lauter, dass auch Spanien bald nach dem europäischen Rettungsfonds greifen könnte. Madrid hält dagegen.

          Die angeschlagene spanische Großbank Bankia hat drei Tage nach der Vorlage ihres Rettungsplans drastische Kursverluste an der Madrider Börse erlitten. Der Aktienkurs der viertgrößten spanischen Bank verlor zu Handelsbeginn an Pfingstmontag um mehr als 25 Prozent. Am Rentenmarkt reagierten die Anleger entsetzt: Die zehnjährigen spanischen Anleihen büßten einen vollen Basispunkt ein, so dass die Rendite auf 6,49 von 6,34 Prozent am Freitag hochschnellte. Da zugleich die Renditen der entsprechenden deutschen Staatsanleihen nahe dem Rekordtief von unter 1,4 Prozent verharrten, stieg der Risikoaufschlag für die spanischen Papiere auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro.

          Am Freitag hatte die Bank bekanntgegeben, dass sie 19 Milliarden Euro Staatshilfe von der spanischen Regierung erhält. Das viertgrößte spanische Kreditinstitut wird damit praktisch verstaatlicht. Die Regierung will mit der größten Bankenrettungsaktion in der Geschichte des Landes die Stabilität des Finanzsektors gewährleisten. Die Sanierung könnte den Staat bis zu 23 Milliarden Euro kosten.

          Rajoy stemmt sich gegen Rettungsspekulationen

          Die Regierung versuchte am Montag die Märkte zu beruhigen. „Es wird für die spanischen Geldhäuser keine europäische Rettungsaktion geben“, erklärte Ministerpräsident Mariano Rajoy am Montag in einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz in Madrid. Er räumte jedoch ein, dass Spanien es derzeit „sehr schwer“ habe, sich auf den Finanzmärkten frisches Geld zu beschaffen.

          Allerdings habe der Anstieg der Risikozuschläge für spanische Staatsanleihen auf ein Rekordniveau nichts mit der Krise der Großbank Bankia zu tun. „Alle Welt weiß, Spanien alles daran setzt, sein Defizit zu reduzieren. Aber es herrscht eine allgemeine Ungewissheit wegen der Lage in Griechenland“, sagte der Regierungschef nach einem Vorstandstreffen seiner konservativen Volkspartei (PP). Rajoy forderte die Europäische Union auf, ein klares Bekenntnis zum Euro abzulegen. „Alle Zweifel über die Zukunft der Währung müssen zerstreut werden“, sagte er. „Es muss klargestellt werden, dass der Euro ein unumkehrbares Projekt ist.“

          In Zeitungsberichten war zuvor über mögliche Hilfen aus dem europäischen Rettungsfonds EFSF spekuliert worden. Neben dem Finanzierungsbedarf durch die Bankenkrise muss der Staat an den Finanzmärkten derzeit sehr hohe Zinsen zahlen. Zudem schwelt im Hintergrund die Krise um Griechenland. Um die Finanzierungskosten zu senken, könnte sich Spanien an den EFSF wenden, schrieb die Zeitung „El Mundo“ am Wochenende unter Berufung auf Regierungskreise. Von einer weiteren Verschlimmerung der Krise in Spanien wären auch die deutschen Banken und der deutsche Staat in erheblichem Ausmaß betroffen.

          Bankia will sein Tafelsilber verkaufen

          Der Sparkassen-Konzern hat unterdessen den Verkauf von Unternehmensbeteiligungen in Aussicht gestellt. Der Wert des Portfolios sei bereits angepasst worden, um den derzeitigen Marktwert der Beteiligungen zu reflektieren, sagte der Bankia-Verwaltungsratsvorsitzende Jose Ignacio Goirigolzarri am Wochenende. Bankias Muttergesellschaft Banco Financiero y de Ahorros (BFA) hält Beteiligungen an mehreren Großunternehmen, darunter an dem Energieversorger Iberdrola und dem Luftfahrt-Konzern International Consolidated Airlines Group. Darüber hinaus ist sie an Indra Sistemas und der internationalen Hotelkette NH Hoteles beteiligt.

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