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Kommentar : Kursrakete Warren Buffett

Warren Buffett geht durch das Messe- und Kongresszentrum in Omaha, wo sich an diesem Wochenende seine Aktionäre treffen. Bild: dpa

Buffett scheut die Tech-Branche und ist wahrlich kein Handyfachmann. Dass der legendäre Investor Apple wieder mehr als 900 Milliarden Dollar wert macht, zeigt vor allem eines.

          Ungefähr 40.000 Aktionäre sind für dieses Wochenende in die amerikanische Stadt Omaha gereist, um zu hören, was ein 87 Jahre alter Mann über die Wirtschaft und die Börse denkt. Nun ist das nicht irgendjemand – Warren Buffett ist längst eine lebende Legende an den Finanzmärkten, die jährliche Eigentümerversammlung seiner Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway ein Festival der besonderen Art.

          Welchen Einfluss Buffett nach wie vor hat, zeigte der Investor schon einen Tag vorher. Da plauderte er in seinem Lieblingssender CNBC über die vergangenen drei Monate und seine Geschäfte und verriet, dass er zum Beispiel Aktien von Apple gekauft hat, 75 Millionen. Infolgedessen – Ende des vergangenen Jahres besaß Berkshire bereits mehr als 160 Millionen Anteile – ist Buffett nun der zweitgrößte Apple-Anteilseigner überhaupt.

          Gütesiegel an der Börse

          Der Börsenwert des iPhone-Hersteller erreichte einen neuen Rekord und überwand abermals die Marke von 900 Milliarden Dollar. Für so wertvoll halten die Anleger derzeit keinen anderen börsennotierten Konzern der Welt. „Es ist ein unglaubliches Unternehmen“, lobte Buffett. Der Apple-Vorstandsvorsitzende Tim Cook ließ sich nicht lumpen und verlautbarte schnell, er und die Apple-Führung sein „außer sich vor Freude“, einen Anleger wir Buffett so überzeugen zu können.

          Erstaunlich war indes vor allem, wie sehr der Apple-Aktienkurs infolge des Buffett-Interviews stieg: Ungefähr genauso stark wie nach den neuen Geschäftszahlen in dieser Woche, als sich herausstellte, dass das iPhone weiterhin ein Kassenschlager ist, sogar das neue und teurere iPhone X begehrt ist und am Markt prima funktioniert – und eben kein Flop, wie zuvor sogar sehr erfahrene Apple-Beobachter warnten.

          Buffett wiederum hat keine derartige Neuigkeit verraten, er sagte bloß rückblickend, dass er in den ersten drei Monaten dieses Jahres Apple-Aktien dazugekauft hat. Durch seine Aktienkäufe hat sich weder die Nachfrage nach iPhones verändert, noch gilt Buffett als ausgewiesener Technik-Experte, der einschätzen könnte, ob das iPhone über raffiniertere Funktionalitäten verfügt als konkurrierende Smartphones. Der Investor macht selbst gar keinen Hehl daraus, dass er die Tech-Branche eigentlich meidet, sich mit deren Bilanzen und Geschäftsmodellen bisweilen schwertut. Apple ist eine echte Ausnahme, meist investiert er in klassische Wirtschaftszweige wie Eisenbahnunternehmen oder Banken.

          Dass der Apple-Kurs dennoch so stark reagierte, liegt darum vor allem am Ruf des Warren Buffett: Sein Name ist schlicht und einfach ein Milliarden Dollar schweres Gütesiegel an der Börse.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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