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Kurse fallen : China stoppt Börsenhandel abermals

In Asien brechen abermals die Kurse ein. Bild: AFP

Weil die Aktienkurse gleich am Morgen um sieben Prozent gefallen sind, tritt Chinas neuer Schutzmechanismus wieder in Aktion - und beendet den Handel. Manch einer warnt vor einem Währungskrieg.

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          Nachdem Chinas Notenbank eine raschere Abwertung des Yuan zulässt, wurde der Aktienhandel in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde nach einem Minus von mehr als 7 Prozent zum zweiten Mal seit Jahresbeginn für den Rest des Tages ausgesetzt. Der Yuan notiert mit 6,5646 nun so niedrig gegenüber dem Dollar, wie zuletzt im August 2011. Dies ist ein Verlust von 0,5 Prozent in Tagesfrist. Sofort gaben auch die anderen Währungen Asiens nach; so verlor der australische Dollar einen halben Cent auf den „Greenback“. Der Asien-Index MSCI verlor bis zum Mittag 1,4 Prozent. Japans Nikkei büßte weitere 1,5 Prozent ein, genauso viel wie die Aktien in Sydney.

          Angst vor neuer Asienkrise

          Christoph Hein
          (che.), Wirtschaft

          Der Vorstandschef der größten Bank Südostasiens warnt davor, dass China in eine Lage gerate könne, „die die Länder Südostasiens während der Asienkrise 1998 durchlitten habe“. Piyush Gupta, Vorstandsvorsitzender der DBS Holding, sieht zwar keinen Zusammenbruch Chinas voraus, wie andere Ökonomen inzwischen unken. Aber er warnt vor möglichen starken Einbrüchen des Marktes dort.

          „Es könnte ein sehr volatiles Jahr werden“, sagte Gupta bei einem Ausblick seines Vermögensmanagements in Singapur. Es drohten zahlreiche Zusammenbrüche chinesischer Unternehmen, da deren Verschuldung an diejenige der südostasiatischen Firmen vor der Asienkrise erinnerte. Gupta sieht auch ein „Jahr der Währungskriege“ voraus: „Jeder wird versuchen, weiter abzuwerten. Der amerikanische Dollar wird im zweiten Halbjahr einstimmen.“ Auch Amerikas Wirtschaft sei „nicht so stark, wie manche denken“, warnte Gupta. „Und in Europa sind die Fundamentaldaten nicht wirklich gut.“

          Seit dem starken Rückgang der chinesischen Aktienkurse am Montag der Woche wird gerade in Asien nahezu unermüdlich über den wahren Zustand der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde debattiert (siehe auch „Verliert China die Kontrolle?“ im E-Paper der F.A.Z.). Gupta erklärte, die Abschwächung der überhitzten Konjunktur dort sei geplant und von der Regierung angestrebt. Sie selber sei deshalb nicht das Problem; wohl aber das hohe Risiko, dass dieser Prozess durch Fehlentscheidungen aus dem Ruder laufe. „China ist nicht nur Staatspräsident Xi Jinping, viele sind an der Steuerung beteiligt“, warnte Gupta.

          Praktisch zeitgleich wendete sich Stephen Roach, der frühere Vorsitzende des Verwaltungsrates von Morgan Stanley in Asien, gegen zu viel Schwarzmalerei. „Die Schule derjenigen, die eine harte Landung voraussagen, erklärt, die Wachstumsrate sei viel schwächer, darum stiegen Arbeitslosigkeit und gesellschaftliche Instabilität, was zum Ende des Wunders führe. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.“  Die China-Kritiker vertritt etwa der Schweizer Marc Faber, der im Fernsehsender Bloomberg erneut vor einer „kolossalen Kreditblase in China“ warnte. „Ich wäre lieber übervorsichtig, als überoptimistisch“, sagte Faber. „Wir haben schon eine harte Landung im Aktienmarkt, wir hatten eine harte Landung im Rohstoffmarkt und wir könnten eine harte Landung in der Volkswirtschaft haben.“

          Unternehmensgewinne sinken

          Mit deutlichen Worten warnte auch der Chief Investment Officer der DBS, Lim Say Boon, vor einem Wegschmelzen der Märkte. Zwar seien Aktionäre in der ersten Jahreshälfte noch relativ sicher. Über die Monate aber erhöhe sich die Gefahr deutlich. „Die Notenbanken haben nach fünf Jahren des Gelddruckens keine Munition mehr. Aber die Industrieproduktion ist nicht angesprungen.“ Dies werde zu sinkenden Gewinnen führen und damit auch zu sinkenden Bewertungen an den Börsen. So würden die Margen der herstellenden Industrie schon heute schwinden; sie verzeichneten einen Rückgang, der an die Monate vor der Asiatischen Finanzkrise 1998 oder der globale Finanzkrise 2008 erinnerten: In den Schwellenmärkten sanken die Unternehmensgewinne im zweiten Quartal um 16,4 Prozent, im dritten Quartal vergangenen Jahres um 16,2 Prozent im Jahresvergleich. In Asien ohne Japan gingen sie erst um 4,7 und dann 8 Prozent zurück. Und in Amerika drehten sie im dritten Quartal nach einem nur noch minimalen Anstieg von 1,2 Prozent im zweiten auf ein erstes Minus von 1,3 Prozent. „Die Märkte vergeben viel, wenn sie billig sind. Das aber sind sie nicht“, sagte Lim: „So lag das Kursgewinnverhältnis vor der großen Krise 1929 bei 33, um bis 1932 auf 6 zu stürzen. Vor der Dotcom-Krise 2000 lag der Wert bei 44, um sich bis 2003 fast zu halbieren. Vor der Finanzkrise 2008 stand es bei 28, ein Jahr später bei 13. Derzeit notiert er bei 27.“

          Und schließlich gefährde der Kapitalabfluss die Schwellenländer: 2010 seien noch 544 Milliarden Dollar nach Asien geflossen. 2015 aber flossen 540 Milliarden Dollar aus der Region ab. Und in diesem Jahr, nach der ersten Zinserhöhung in Amerika, könnten noch einmal weitere 306 Milliarden Dollar folgen. „Auch China wird die Schwellenländer nicht retten“, sagte Lim. „Es durchlebt eine von der Regierung geplante Abkühlung und muss sich um sich selber kümmern.“

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