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Roboterhersteller : Kuka-Vorstand empfiehlt Aktionären Verkauf an chinesischen Investor

  • Aktualisiert am

Kuka-Roboter Bild: Reuters

Wochenlang wurde über die geplante Übernahme des deutschen High-Tech-Unternehmens Kuka durch einen chinesischen Investor diskutiert. Die Pläne aus Fernost sorgten für Ängste. Nun macht der Investor Zusagen und den Kuka-Aktionären wird der Verkauf empfohlen.

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          Vorstand und Aufsichtsrat des Roboterherstellers Kuka empfehlen den Aktionären die Annahme eines Übernahmeangebots des chinesischen Investors Midea.

          Die Gremien veröffentlichten am Dienstagabend eine Stellungnahme, dass das Midea-Angebot „im Sinne des Unternehmens, seiner Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter“ sei, wie die Kuka AG berichtete.

          Standort- und Job-Garantien gelten bis Ende 2023

          Zuvor hatte das Augsburger Unternehmen mit Midea eine Investorenvereinbarung getroffen, wonach dem deutschen Unternehmen bis Ende des Jahres 2023 die Unabhängigkeit garantiert wird. Midea verpflichtet sich laut dem am Dienstag geschlossenen Vertrag, die Selbstständigkeit des Kuka-Vorstands zu garantieren und die gewerblichen Schutzrechte Kukas nicht anzutasten. Auch eine Jobgarantie für die 12.300 Mitarbeiter und eine Garantie für die Standorte seien festgeschrieben worden. „Die vereinbarte Laufzeit von siebeneinhalb Jahren geht weit über das übliche Maß hinaus“, sagte Kuka-Vorstandschef Till Reuter.

          Kuka-Chef Till Reuter
          Kuka-Chef Till Reuter : Bild: dpa

          Die bindende Vereinbarung enthalte „weitreichende und langfristige Verpflichtungen und Erklärungen“ von Midea, betonte Kuka. Dadurch sollen die Marken des Roboter- und Logistikspezialisten ebenso gesichert werden wie die Daten von Kunden und Lieferanten. Hintergrund ist, dass in den vergangenen Wochen wegen des Angebots aus Fernost darüber spekuliert wurde, dass der chinesische Haushaltsgerätehersteller nach der Übernahme Patente, Daten und anderes Know-how von Kuka abziehen und selbst nutzen könnte. „Wichtig war es uns auch, eine gute Lösung für die Datensicherheit unserer Geschäftspartner zu finden“, sagte Reuter dazu.

          Midea habe sich auch verpflichtet, keine gesellschaftsrechtlichen Umstrukturierungen vorzunehmen, betonte Kuka. Das bayerische Unternehmen soll demnach an der Börse gelistet bleiben. Auch der Abschluss eines Beherrschungsvertrages werde vom Investor nicht angestrebt. Weitere Informationen will Kuka-Chef Reuter am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in München bekannt geben.

          Midea bietet 115 Euro pro Kuka-Papier und bewertet das Augsburger Unternehmen somit mit knapp 4,6 Milliarden Euro. Am Dienstag notierte die Kuka-Aktie bei 106,50 Euro. Bis 15. Juli können die Aktionäre das Angebot annehmen.

          Bislang schon hält Midea mehr als 13 Prozent an Kuka. Der Familienkonzern Voith aus Heidenheim in Baden-Württemberg, der mit einem Anteil von 25,1 Prozent derzeit größter Kuka-Eigner ist, hat bisher offengelassen, ob er das Angebot annimmt. Die Übernahmepläne aus China sorgen seit Wochen für Diskussionen, auch auf politischer Ebene.

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