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Künstliche Intelligenz : Deutscher KI-Gründervater übergibt an Nachfolgerin

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Wolfgang Wahlster und seine Nachfolgerin Jana Koehler. Bild: DFKI

30 Jahre lang steuerte Wolfgang Wahlster die Geschicke des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, ihn fragt auch die Kanzlerin um Rat. Er sagt, warum er sich gerade jetzt über den Wechsel freut.

          Wolfgang Wahlster hat nachgezählt: 2385 Reden hielt er in den zurückliegenden 30 Jahren, inklusive ungefähr 20.000 Powerpoint-Seiten. Exzellent vernetzt ist der deutsche Informatiker nicht nur in der akademischen Welt, sondern auch in Politik und Wirtschaft – als Kanzlerin Angela Merkel im vergangenen Jahr Experten ins Kanzleramt einlud zu einer Diskussion über Künstliche Intelligenz (KI), war Wahlster mit dabei und hielt einen der beiden Impulsvorträge.

          Er erdachte gemeinsam mit dem früheren SAP-Vorstandsvorsitzenden Henning Kagermann den Begriff „Industrie 4.0“. Sein Buch „Vermobil: Foundations of Speech-to-Speech-Translation“ darüber, wie Computer Sprache übersetzen können, bestellte Microsoft-Gründer Bill Gates ungefähr 200 mal und verteilte es als Leseempfehlung an Mitarbeiter.

          Sichtbar glücklich erinnert sich Wahlster während der Feierstunde an der Universität in Saarbrücken zurück, wo auch das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) seinen Hauptsitz hat. Wahlster ist das Gesicht dieses Forschungsinstituts, war von der Gründung im Jahr 1988 an dessen wissenschaftlicher Leiter und seit 1997 der Vorstandsvorsitzende. Nun hat er die Führung offiziell abgegeben an seine Nachfolgerin, die Informatikerin Jana Koehler.

          Besser verstehen, wie die Programme entscheiden

          „Ich freue mich, dass der von mir angestrebte Generationswechsel an der Spitze des DFKI mit einer neuen Blütephase meines Forschungsgebietes zusammenfällt“, sagt Wahlster. Zahlreiche seiner Doktoranden sind da, KI-Fachleute aus dem In- und Ausland. „Sie haben sich jahrzehntelang in besonderer Weise für den Aufbau des Forschungsfelds der Künstlichen Intelligenz in Deutschland verdient gemacht“, lobt der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans.

          Wenn es um den Standort Deutschland geht, äußert sich Wahlster in der gegenwärtigen Debatte deutlich zuversichtlicher als viele andere Informatiker. „Wir können uns dem Wettbewerb erhobenen Hauptes stellen“, sagte er in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          In der derzeit besonders angesagten KI-Methode rund um die sogenannten künstlichen neuronalen Netze und das maschinelle Lernen sieht Wahlster großes Potential. Er mahnt aber immer wieder davor, zu viel Hoffnung alleine in diese KI-Variante zu setzen. Überhaupt spricht er eher nüchtern über die zu erwartenden Veränderungen durch KI in den kommenden Jahren. Das ist auch ein Rat, den er nun weitergibt, „keine übertriebenen Hoffnungen machen und Zugesagtes nicht untererfüllen“.

          Die neue DFKI-Chefin Jana Koehler ist ebenfalls keine Unbekannte am DFKI. Die in Ostberlin aufgewachsene Informatikern promovierte sich zu Beginn der neunziger Jahre an der Universität in Saarbrücken – ihr Doktorvater war Wolfgang Wahlster. Danach arbeitete sie für den Schweizerischen Aufzughersteller Schindler, als leitende Forscherin für den amerikanischen Computerkonzern IBM und als Professorin an der Hochschule in Luzern. Der Transfer neuer Forschungsergebnisse in die Praxis ist ihr wichtig, das hebt sie in ihrer Antrittsrede hervor, da müsse Deutschland besser werden.

          Bedeutende Forschung sieht sie darin, besser zu verstehen, warum die schlauen Computerprogramme so entscheiden, wie sie das tun. Auseinandersetzten möchte sie sich damit, wie Quantencomputer sich einmal wohl auch auf die KI-Methoden auswirken werden. Und schließlich ist ihr ein Anliegen, dass die entwickelten KI-Systeme sicher und robust sind. „Deutschland gehört heute zu den Top 5 der innovativsten Länder der Welt“, sagt sie – und möchte an der Spitze des DFKI nun ihren Beitrag dazu leisten, dass das so bleibt.

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