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Künstliche Intelligenz : Worin wir gut sind – und worin nicht

Auf der Hannover Messe zeigt der Roboterhersteller Kuka, was er zu bieten hat. Bild: AFP

Das Silicon Valley und China stecken viel Geld in Künstliche Intelligenz. Auch Deutschland hat eine Menge zu bieten – in einem wichtigen Bereich aber gibt es ein Problem. Ein Kommentar.

          Verliert Deutschland den Anschluss in einer Schlüsseltechnologie dieses Jahrhunderts? Überall fließt viel Geld in Künstliche Intelligenz (KI). Konzerne wie Alphabet (Google), Facebook, Amazon, Alibaba, Baidu oder Tencent heuern unzählige Wissenschaftler an und bieten Berufseinsteigern exorbitante Gehälter. Auch Staaten hegen große Ambitionen, allen voran die chinesische Regierung, die aus der bislang (noch) zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt in gut zehn Jahren die führende KI-Nation des Planeten machen möchte. Was folgt daraus für ein Land wie die wirtschaftlich international stark verflochtene Bundesrepublik? Müssen wir stärker reagieren? Und wenn ja, wie?

          Zunächst die gute Nachricht: Deutschland war nie und ist auch heute kein Niemandsland, wenn es um den vielversprechenden Informatik-Teilbereich geht, der unter die Bezeichnung KI fällt. Die beiden Informatiker Sepp Hochreiter und Jürgen Schmidhuber haben in den neunziger Jahren einen bahnbrechenden Lern-Algorithmus entwickelt (LSTM), den jeden Tag Milliarden Smartphone-Nutzer in vielfältigen Diensten verwenden; Google hat beispielsweise das Übersetzungsprogramm damit verbessert.

          Eine gute und eine schlechte Nachricht

          Ernst Dieter Dickmanns wiederum, zu jener Zeit Professor an der Bundeswehr-Universität in München, hat schon in den neunziger Jahren mit einer umgebauten S-Klasse wegweisende Durchbrüche im autonomen Fahren erzielt ganz ohne jene Superrechner, über die heute beispielsweise das amerikanische Unternehmen Waymo verfügt, das in einigen Städten Roboterautos testet – und das es damals noch gar nicht gab.

          Die Bundesrepublik beherbergt mit dem erfolgreichen Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und seinem hochdekorierten Leiter Wolfgang Wahlster die größte Einrichtung dieser Art auf der Welt. Ebenfalls gibt es hierzulande in der KI-Grundlagenforschung international angesehene Wissenschaftler.

          Und wenn es schließlich etwa darum geht, die Künstliche Intelligenz in Fabriken zu Geld zu machen (Industrie 4.0), dann hängt das von zwei Voraussetzungen ab: klugen Computerprogrammen und natürlich einer starken Industrie. Über Letztere verfügt Deutschland zweifelsohne.

          All diese Leistungen und existierenden Fertigkeiten dürfen die Deutschen in der Diskussion über Künstliche Intelligenz gerne im Hinterkopf haben – und sich daran erinnern, wenn sie etwa aus den Vereinigten Staaten suggeriert bekommen, der ganze technische Fortschritt entstand und entsteht im Silicon Valley, was gelegentlich vorkommt.

          Ein neuer Forschungsverbund?

          Nun die schlechte Nachricht: Die enormen KI-Aktivitäten in anderen Teilen der Welt kann Deutschland nicht einfach ignorieren. Wenn das maschinelle Lernen, jenes auf gewaltigen Datenmengen und riesiger Rechenleistung basierende KI-Gebiet, Computerprogramme besser darin macht, gesprochene und geschriebene Sprache zu verstehen, Muster zu erkennen und ganz allgemein Vorhersagen zu machen, steckt darin großes Potential. Auch weil die Folgen für die Gesellschaft insgesamt noch gar nicht vollumfänglich absehbar sind.

          Wirtschaftlich locken wachsende Gewinne (siehe Google), politisch schlicht mehr Macht (siehe China). Die existierenden digitalen Assistenten sind tatsächlich vor allem Metaphern dafür, was in zehn Jahren möglich sein wird. In diesem Bereich sind die Vereinigten Staaten und China weiter als Deutschland (und als Europa). Hier lohnt es sich sicher für den deutschen Staat, nicht zu knausern und eher noch mehr Geld in die Hand zu nehmen.

          Die Frage ist, wie. In den Vereinigten Staaten hat jüngst das Verteidigungsministerium, das der langjährige Google-Chef Eric Schmidt berät, gemeinsam mit den Geheimdiensten ein neues KI-Entwicklungszentrum angekündigt in Reaktion auf die chinesischen Pläne. Autonome Waffensysteme sind ein Thema. Das passt zur amerikanischen Historie, in der das Militär schon immer eine wichtige Rolle als Forschungsförderer spielte. In den sechziger Jahren gründete es KI-Zentren, die heute zu den führenden Fakultäten der Welt zählen.

          Für Deutschland, dessen Bevölkerung zur Bundeswehr und ihrer Ausstattung ein anderes Verhältnis hat, ist das kein Vorbild. Die Bundesrepublik ist dafür aber seit jeher stark in der Grundlagenforschung. Ein neuer Forschungsverbund, wie ihn deutsche Wissenschaftler nun gemeinsam mit Kollegen in Europa anregen („Ellis“), weil sie glauben, auf Dauer nicht mehr mit Google mithalten zu können, ginge in diese Richtung. Genauso wohl das von der schwarz-roten Koalition angekündigte deutsch-französische KI-Zentrum. Beiden Ideen gemein ist, dass Deutschland hier nicht auf (viele) andere Länder warten muss, sondern aus den üppigen Ressourcen schöpfen kann, die seine gute Wirtschaftslage bietet.

          Eine Anmerkung noch, weil es auch diesen Diskurs gelegentlich gibt: Ob die Künstlichen Intelligenzen wirklich intelligent sind, „nur“ rechnen oder Intelligenz simulieren, ist ziemlich einerlei. Es geht darum, was sie konkret können, verglichen mit Menschen. Um künstliche Kompetenz.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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