https://www.faz.net/-gqe-9a1n4

Standortvorteile für Europa : Künstliche Intelligenz ist eine Riesenchance für Deutschland

  • -Aktualisiert am

Eine große Hoffnung der Künstlichen Intelligenz ruht auf Programmen, die sich an der vermuteten Funktion unseres Gehirns orientieren. Bild: © Steven T. Caputo, CereberallHack.com

In der Robotik und im Maschinenbau ist die Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch. Gerade wir Deutschen sind dafür gut gerüstet. Ein Gastbeitrag.

          Die deutsche Forschung in der Künstlichen Intelligenz (KI) hat die moderne Welt geprägt, unter anderem durch heute dominante Lern-Algorithmen, die sich auf jedem Smartphone finden und jeden Tag milliardenfach verwendet werden. Auch die zentralen Durchbrüche im autonomen Fahren wurden in Deutschland erzielt: Das Team von Ernst D. Dickmanns entwickelte in den achtziger Jahren in München die ersten selbstfahrenden Autos, die diese Bezeichnung wirklich verdienten. Es hatte bereits 1994 Selbstfahrer im Verkehr, lange vor den Amerikanern und Chinesen. Selbst heute noch gehören nach einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft mehr als 50 Prozent der Patente für autonomes Fahren deutschen Firmen. Man könnte zahlreiche weitere Beispiele für herausragende inländische Beiträge zur KI anführen.

          Deutschland muss also nicht auf einen Zug aufspringen, der von anderen gefahren wird, denn diese Erfindungen stammen nicht aus anderen Erdteilen, sondern von hier. Viele Deutsche sind darüber gar nicht informiert – da hapert es auch an der PR –, und wenn sie es wüssten, hätten sie vielleicht nicht mehr das ungute Gefühl, das werde ihnen alles von fremden Mächten übergestülpt. Aber: Wir stehen erst ganz am Anfang einer Entwicklung, die jeden Lebensbereich erfassen und umgestalten wird. Wie sollte es nun in Deutschland und Europa im Allgemeinen weitergehen mit der KI?

          Die Gegend ist längst führend in Maschinenbau und Robotik. Und gerade die Kombination von Robotik und dem sogenannten „Deep Learning“ wird in naher Zukunft die Produktions- und Arbeitswelt umformen. Das, was unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ geschieht, ist Teil dieser Entwicklung. Roboter werden intelligent, und vieles wird sich dadurch ändern.

          Meines Erachtens wird es etwa nicht mehr lange dauern, bis die ersten neuronalen Roboter ein wenig wie Kinder durch reines Zuschauen und Zureden von Menschen lernen werden, alle möglichen komplizierten Arbeitsvorgänge zu imitieren. Auf Englisch nenne ich das gerne „Show-and-tell-Robotics“ oder „Watch-and-learn-Robotics“ oder „See-and-do-Robotics“. Heute funktioniert das zugegebenermaßen noch gar nicht gut. Aber an immer besseren Prototypen lässt sich schon jetzt absehen, wie sich dies bald verwirklichen und in der Folge sehr viele Berufe komplett transformieren wird. Keine Gegend der Welt, davon bin ich überzeugt, ist für diese Revolution so prädestiniert wie der deutschsprachige Raum.

          Diagnostik durch künstliche neuronale Netze

          Damit eng verbunden ist das „Internet der Dinge“ (Internet of Things, IOT), das viel größer wird als das „Internet der Menschen“ (IOM), weil es eben sehr viel mehr Dinge und Maschinen gibt als Menschen. Das auf Werbung basierende Geschäftsmodell für das IOM ist zwar fest in amerikanischer und chinesischer Hand, dafür stehen Konzerne wie Facebook, Tencent, Amazon, Alibaba, Google oder Baidu. Es hievte diese Firmen in den Kreis der wertvollsten der Welt, obwohl Werbung nur einen kleinen Teil der Weltwirtschaft ausmacht. Die Kombination aus Künstlicher Intelligenz, dem Internet der Dinge, der Robotik und dem Maschinenbau sollte jedoch viel bedeutsamer werden als diese derzeit noch profitabelsten KI-Anwendungen im Bereich des Marketings.

          Und sehr wichtig: Das Internet der Dinge ist im Gegensatz zum Internet der Menschen noch nicht eindeutig vergeben. Es gibt einen Grund, warum IBM Watson sein IOT-Hauptquartier im Voralpenland einrichtet, in München – sehr viele der raffinierten Maschinen werden eben vor allem in Zentraleuropa von kleinen und mittelständischen Unternehmen produziert. Viele davon werden durch Künstliche Intelligenz bald klüger und noch leistungsfähiger.

          Weitere Themen

          Von wegen keine Uploadfilter! Video-Seite öffnen

          EU-Urheberrecht : Von wegen keine Uploadfilter!

          Innerhalb der nächsten zwei Jahre muss Deutschland das neue EU-Urheberrecht umsetzen. Ohne Uploadfilter, verspricht die CDU. F.A.Z.-Redakteur Hendrik Wieduwilt hat daran nach Prüfung aktueller Aufsätze seine Zweifel.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.