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Science-Fiction-Autor Klein : „Jeder will seinen Tod in einer Welt, in der es nun zwei von ihm gibt“

Wussten Sie, dass Kritiker der ersten Dampflokomotiven glaubten, dass der menschliche Körper nicht dafür gemacht ist, schneller als 80 Stundenkilometer bewegt zu werden? Sie dachten, dass der menschliche Körper einfach schmilzt bei solchen Geschwindigkeiten! Aber am Ende spielte das keine Rolle. Die Leute wollten schneller von Punkt A zu Punkt B gelangen, Eisenbahnunternehmer boten das an und die Eisenbahn wurde ein Erfolg.

Wenn Sie unterscheiden müssten zwischen Joel Byrams Welt und der Welt, in der wir im Moment leben, woran denken Sie dann?

Das ist eine gute Frage! Die Antwort lautet: Ich denke nicht, dass Joels Welt und unsere sehr verschieden sind. Science Fiction versucht gewöhnlich, eine Zukunft zu präsentieren, die entweder dystopisch oder utopisch ist.

Also vereinfacht übersetzt gut oder schlecht.

Ja. Aber ich denke, dass die Menschheit auch in Zukunft weiterhin sehr pragmatisch sein wird. Wir werden neue Technologien haben und soziale Konstruktionen, aber insgesamt wird das Normale das Normale bleiben.

Gibt es denn einen großen Unterschied zwischen der Geisteshaltung der Menschen heute und in Ihrer Utopie?

Ich sehe meine Vision der Zukunft im Buch nicht als Utopie. Ja, wir werden die meisten Krankheiten heilen können und der Tod wird möglicherweise eine Entscheidung sein, die wir treffen eher als etwas, das uns übergestülpt wird. Aber jede Lösung bringt neue Probleme. Die Welt, in der Joel lebt, erholt sich immer noch von dem Krieg, der 50 Jahre endete, bevor unsere Geschichte beginnt. Es herrscht viel Enthusiasmus und Optimismus, aber die Mehrheit der Welt ist eine Korporatokratie, die Joel als gute Sache darstellt, weil das alles ist, was er kennt und er ein gutes Leben hat. Die Leser wissen von sich aus, dass das keine ideale Regierungsform ist. Wie ich aber schon sagte, handelt es sich auch nicht um eine Dystopie. Das Leben in Joels Welt ist normal. Nicht normal gemessen an heutigen Standards, aber normal für das, was man ein Jahrhundert von heute aus gesehen vielleicht als normal ansehen wird.

Heute scheint eine neue Hoffnung allgegenwärtig darin, was neue  Technologien können, besonders wenn es um Künstliche Intelligenz und Genetik geht. Wie denken Sie darüber?

Wie mit allen „neuen Dingen“ halte ich auch diesmal für wichtig, mit einer gesunden Mischung aus Optimismus und Skepsis da heranzugehen. Die wichtigste Frage, die wir uns meiner Ansicht nach stellen müssen, lautet: Wie werden diese neuen Technologien zu Waffen gemacht? Und zwar nicht, weil wir in der Lage wären, das zu verhindern, sondern eher um darauf vorbereitet zu sein, wenn das passiert.

Sind Sie ein Optimist?

Meine Frau wird Ihnen sagen, dass ich ein Pragmatiker bin. Die Zeit bringt Veränderungen und die Zeit bewegt sich voran – das ist ein Fakt, alles andere, was wir über die Zeit und Veränderung wissen, besteht aus Meinung, nicht aus Fakten. Mark Twain sagte einmal: „Wenn du das Wetter in Neuengland nicht magst, warte einfach ein paar Minuten.“ Er bezog sich damit auf Neuenglands berühmt-unvorhersagbare Wetter-Wechsel, wo sich Sonnenschein in Minuten in Regen und Kälte umkehren kann. Das steht sehr stark dafür, wie ich über die Zukunft denke.

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