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Roboterautos in Deutschland : Daimler testet Autos ohne Fahrer

Wer wegfahren will, soll künftig sein Auto einfach mit dem Smartphone rufen. Bild: Daimler AG

Bosch und Daimler dürfen nun in Stuttgart Autos testen, die ganz ohne Fahrer auskommen. Eine Premiere – auch wenn es um eine spezielle Umgebung geht.

          2 Min.

          Vom Roboterauto ist schon häufig die Rede, erforscht und erprobt wird das autonome Fahren in aller Welt. Noch sitzt meist ein Mensch im Auto – für alle Fälle.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          In Stuttgart dürfen indes nun Autos ganz legal ganz ohne Fahrer fahren: Bosch und Daimler melden die erste behördliche Freigabe für eine vollautomatisierte Fahrfunktion. Die Genehmigung gilt nicht für eine Autobahn und erst recht nicht für den komplexen Stadtverkehr, sondern fürs Parken im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart, und zwar im Alltagsbetrieb.

          Wer dort parken will, steigt am Eingang einfach aus und überlässt alles andere der Technik, die für das Auto vielleicht ein Stockwerk höher noch ein Plätzchen findet. Wer wieder wegfahren möchte, ruft das Auto mit dem Smartphone.

          „Automated Valet Parking“ heißt der Service in der Fachsprache. Der Haken: bisher sind solche Autos noch gar nicht käuflich.

          Noch fehlt der Markt

          Diese Premiere, auf die Bosch und Daimler so stolz sind, hat im Augenblick vor allem Symbolwert. „Die Entscheidung der Behörden zeigt, dass solche Innovationen zuerst in Deutschland möglich sind“, kommentiert der zuständige Bosch-Geschäftsführer Markus Heyn die Genehmigung durch das Regierungspräsidium Stuttgart, das sich dabei mit dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg abgestimmt hat und sich auf ein Gutachten des TÜV Rheinland stützt.

          Im Rennen um die Entwicklung des Roboterautos werden die deutschen Entwickler immer wieder als weit abgeschlagen vor allem hinter der Google-Schwestergesellschaft Waymo dargestellt. Das könnte aber auch mit dem völlig andersartigen Entwicklungsansatz zusammen hängen, der die Waymo-Arbeit durch eine riesige Flotte von Testwagen sehr öffentlichkeitswirksam werden lässt, während die Bosch-Daimler-Kooperation auf die vorhandenen Stärken in der  Validierung von Fahrfunktionen aufbaut.

          Die Behördengenehmigung hat indes auch strategische Bedeutung. „Als Vorreiter beim automatisierten Fahren machen wir den Weg frei, Automated Valet Parking zukünftig auch in Serie zu bringen“, kündigt Michael Hafner an, der innerhalb Daimlers die Bereiche Fahrtechnologien und Automatisiertes Fahren leitet. Jetzt sei es möglich, den Parkservice in den Parkhäusern der ganzen Welt zuzulassen.

          Für den Erfolg indes reicht keine Genehmigung, sondern nur die Durchsetzung am Markt. Sowohl Bosch als auch Daimler, die seit dem Jahr 2015 an dem vollautomatisierten und fahrerlosen Parken arbeiten, müssen also daran interessiert sein, dass möglichst bald möglichst viele Autohersteller entsprechende Technik einbauen, damit viele Parkhäuser ebenfalls aufrüsten.

          Eine Voraussetzung dafür, dass das klappen kann, ist die Tatsache, dass auf bekannter Technik aus dem Bereich Fahrerassistenzsysteme aufgesetzt wird. Zudem haben Bosch und Daimler mit dem Pilotprojekt offenbar auch einige Standards gesetzt. Das gilt beispielsweise für abgesicherte Kommunikation der Systemkomponenten untereinander. Oder auch für das türkisfarbene Lichtsignal an die Menschen, dass hier ein Roboterauto unterwegs ist – das ist jetzt schon Teil des kürzlich verabschiedeten SAE-Standard 3134 der Society of Automotive Engineers.

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