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Max Tegmark im Interview : „Die Menschheit kann erblühen wie nie zuvor“

Was uns Menschen zu den dominanten Einheiten auf diesem Planeten macht, das ist nicht unsere Kraft, sondern unsere Intelligenz. Wenn wir Maschinen konstruieren, die schlauer sind als wir, dann gibt es deswegen keine Garantie dafür, dass wir die Kontrolle behalten werden. Überdies könnten böswillige Menschen Künstliche Intelligenz nutzen, um andere Menschen zu dominieren. Und dann gibt es noch das eher kurzfristige Problem mit den Arbeitsplätzen: Als die Maschinen der industriellen Revolution unsere Muskeln ausstachen, bildeten wir uns aus und weiter, um bessere Arbeitsplätze zu bekommen, in denen wir vor allem unsere Gehirne nutzen. Wenn die Maschinen der KI-Revolution unsere Gehirne ausstechen, dann gibt es keine Arbeit mehr, die wir günstiger erledigen können als Maschinen.

In Ihrem neuen Buch führen Sie den Begriff „Leben 3.0“ ein. Was meinen Sie damit, und was sind im Unterschied dazu „Leben 2.0“ und „Leben 1.0“?

Ich bezeichne Bakterien als „Leben 1.0“, weil sie wirklich dumm sind; unfähig, irgendetwas während ihres Lebens zu lernen. Ich bezeichne uns Menschen als „Leben 2.0“, weil wir lernen können, was wir im Computerfreak-Jargon betrachten als das Installieren neuer Software in unsere Gehirne – zum Beispiel, als ich entschied, Deutsch zu lernen während meiner Schulzeit in Schweden. „Leben 3.0“, was nicht nur seine Software sondern auch seine Hardware konzipieren kann, existiert noch nicht – aber wir scheinen uns in diese Richtung zu bewegen. Vielleicht sollten wir uns genaugenommen selbst als „Leben 2.1“ bezeichnen, seitdem wir künstliche Knie, Herzschrittmacher und Hörhilfen implantieren können.

Was sollten wir als Gesellschaft denn tun, um uns auf immer schlauere Computer einzustellen?

Erstens einen Rüstungswettlauf verhindern im Bereich tödlicher autonomer Waffen, worüber übrigens die Vereinten Nationen gerade diskutieren. Zweitens sicherstellen, dass der riesige Wohlstand, den Künstliche Intelligenz hervorbringen wird, geteilt wird, um jeden besserzustellen, anstatt große Teile der Bevölkerung ärmer zu machen und zu befremden. Drittens viel investieren in die Erforschung von Sicherheit im Zusammenhang mit KI. Wie transformieren wir die heutigen anfälligen und angreifbaren Computer in verlässliche KI-Systeme, denen wir wirklich vertrauen können? Und wie können wir garantieren, dass Maschinen unsere Ziele verstehen, adaptieren und daran festhalten?

Und was kann jeder Einzelne tun? Selbst programmieren lernen oder wenigstens unsere Kinder in die Lage versetzen, das schon sehr früh zu können?

Wählt Professionen, in denen Maschinen gegenwärtig schlecht sind, und in denen die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass sie in naher Zukunft automatisiert werden. Zum Beispiel in Jobs, die Unvorhersehbarkeit enthalten, Kreativität und soziale Intelligenz. Software-Entwicklung steht derzeit nur für 1 Prozent des Arbeitsmarktes, deshalb kann das nicht die Lösung für die meisten Menschen sein.

Sind Sie eigentlich ein Optimist?

Ich bin optimistisch, dass wir der Menschheit helfen können zu florieren wie niemals zuvor durch fortschrittliche Künstliche Intelligenz. Aber das wird nicht automatisch passieren, wie etwa die Sonne morgen über Deutschland aufgehen wird – wir werden hart planen und arbeiten müssen, um sicherzustellen, dass wir diese mächtige Technologie weise verwenden. Aber lassen Sie mich zum Schluss noch sagen: Es ist wichtig, dass wir uns trotz der Risiken vor Augen halten, was für große Chancen es gibt. Alles, was ich an Zivilisation liebe, ist das Ergebnis von Intelligenz. Wenn wir unsere menschliche Intelligenz verstärken können mittels Künstlicher Intelligenz und die größten Probleme von heute und morgen lösen, könnte die Menschheit deshalb erblühen wie noch nie.

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