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Software für Einzelhandel : Otto verkauft sein KI-Unternehmen Blue Yonder

Blue Yonder hilft bei der Optimierung der Warenbestände, wie hier bei Kaufland. Bild: Markus Hintzen

Blue Yonder hilft großen Einzelhändlern wie Kaufland oder DM, ihren Warenbestand zu optimieren. Und will mit Hilfe künstlicher Intelligenz nicht weniger als den Handel revolutionieren. Jetzt werden die Karlsruher verkauft – nach Amerika.

          Das Softwarehaus Blue Yonder hat große Pläne: Das in Karlsruhe ansässige Unternehmen ist angetreten, mit Künstlicher Intelligenz die Welt des Handels zu revolutionieren. Zu den Kunden gehören unter anderem der Versender Otto – zugleich ein Gründungsinvestor – und die britische Supermarktkette WM Morrisons. Zehn Jahre nach der Gründung durch den Kernphysiker und KI-Fachmann Michael Feindt steht nun ein Verkauf des Unternehmens an.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der amerikanische Softwareanbieter JDA Software, nach eigenen Angaben führend mit IT-Lösungen in den Bereichen integrierte Lieferketten und Handel, gab am Montag die Übernahme von Blue Yonder bekannt. Verkäufer sind die bisherigen Investoren, die Otto Group und das Private-Equity-Unternehmen Warburg Pincus. Finanzielle Details oder eine Kaufsumme wurden nicht genannt. Die Akquisition, die nach Zustimmung der Wettbewerbsbehörden vollzogen werde, spiegele die zunehmende Bedeutung der Verknüpfung von Daten wider, hieß es. Es gehe um automatisierte Lieferkettenentscheidungen und positive Kundenerlebnisse.

          Täglich 600 Millionen Entscheidungen

          Blue Yonder ermöglicht es Handelsunternehmen nach eigenen Angaben, Kernprozesse grundlegend umzugestalten. „Durch die Automatisierung komplexer Entscheidungen auf Basis von KI lassen sich der Gewinn und der Kundennutzen deutlich steigern“, verspricht das Unternehmen. Über maschinelles Lernen soll Einzelhändlern beispielsweise für jede Situation und jedes Produkt stets der optimale Preis vorgegeben werden. Dies erhöhe Umsatz und Gewinn um mehr als 5 Prozent.

          Daneben empfiehlt der Softwarespezialist seinen Kunden – zu denen in Deutschland auch Kaufland und DM gehören – einen optimalen Warenbestand. Sogenannte Out-of-Stock-Raten, also fehlende Waren am Lager, könnten damit um bis zu 80 Prozent reduziert werden. „Unsere Lösungen, die von einem der größten Teams promovierter und auf den Handel spezialisierter Data Scientists entwickelt wurden, liefern internationalen Kunden aus dem Lebensmittel- und Modehandel sowie weiteren Handelssparten täglich 600 Millionen Entscheidungen“, betonen die Karlsruher. Blue Yonder ist heute in Europa und den Vereinigten Staaten aktiv.

          Der Gründer bleibt dabei

          Käufer JDA verweist auf den Nutzen der Übernahme für das eigene Geschäft. „Die Fähigkeit, schnell auf intelligente, umfassende Daten und Erkenntnisse zuzugreifen, wird die zukünftigen Gewinner und Verlierer bestimmen", sagt JDA-Vorstandschef Girish Rishi. Die Daten-Ansätze von Blue Yonder ermöglichten es, von der Planung des Einzelhandels und der Lieferkette über die Ausführung bis hin zum Mitarbeitermanagement, Künstliche Intelligenz schneller in Geschäftsprozesse einzubetten. Die Akquisition werde die digitale Transformation der Kunden beschleunigen.  Die fundierten Prognosen von Blue Yonder lieferten vor allem im Frischebereich einen erheblichen Mehrwert und führten zu weniger Abfall sowie verbesserter Nachhaltigkeit.

          Gründer Feindt bleibt dem Unternehmen treu. Er soll laut Mitteilung für beide Unternehmen die technologischen Innovationen weiter vorantreiben. Vorstandschef Uwe Weiss tritt dem sogenannten Operating Committee von JDA bei. „Das Blue-Yonder-Team freut sich über die Beschleunigung und Erweiterung unserer Mission, erstklassige KI-basierte Entscheidungen zu treffen, um Unternehmen auf der ganzen Welt positive Kundenerlebnisse, höhere Umsätze und Margen zu ermöglichen“, wird er zitiert. Und Otto-Manager Rainer Hillebrand ergänzt, das Ziel der Handelsgruppe sei es immer gewesen, Blue Yonder „auf den nächsten großen Schritt zu weiterem Erfolg vorzubereiten“. Dieser Schritt erfordere einen strategischen Partner, und deshalb freue man sich „über diese großartige Partnerschaft mit JDA“. Die Übernahme soll im August abgeschlossen sein, wenn die Wettbewerbsbehörden der Transaktion zustimmen.

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