https://www.faz.net/-gqe-93lj3

Künstliche Intelligenz : Ein Wettlauf wie im Kalten Krieg

Donald Trump besucht gerade Chinas Staatspräsident Xi Jinping. Bild: AFP

Amerika und China wetteifern darum, wer in einer der wichtigsten Technologien dieses Jahrhunderts die Nase vorne haben wird: Sogar führende Fachleute sind nicht sicher, wer das Rennen um die Vorherrschaft in der Künstlichen Intelligenz gewinnt.

          Der Wettstreit läuft, China gegen Amerika, es geht um nicht weniger als die Frage, wer in einer der wichtigsten Technologien dieses Jahrhunderts die Nase vorne haben wird: in der Künstlichen Intelligenz (KI). So schätzt das zumindest Jim Breyer ein. Er ist Milliardär und ein profilierter Wagniskapitalgeber im Technologiebereich. Während der „Web Summit“-Konferenz in Lissabon hat er die Konkurrenz zwischen beiden Ländern in diesem Bereich mit dem Wettrennen zwischen Washington und Moskau um die Eroberung des Weltraums im vergangenen Jahrhundert verglichen. „Das ähnelt dem Weltraum-Rennen der Fünfziger“, sagte er dem Finanzsender CNBC. „Das sind zwei bemerkenswerte, große, innovative Länder, welche in vielen Fällen die besten KI-Talente anheuern und unterstützen.“ Die gute Nachricht aus seiner Sicht: „Das führt zu vielen Möglichkeiten für Unternehmer.“

          Das Silicon Valley wird in Genialität und Kreativität seinen Vorsprung behaupten, sagt Investor Jim Breyer.
          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Seine Einschätzung kommt nicht aus heiterem Himmel. Die kommunistische Führung in Peking beschloss im Sommer einen eigenen KI-Plan mit dem Ziel, die Volksrepublik in den kommenden zwei Jahrzehnten zu so etwas wie der führenden KI-Weltmacht zu machen. Die Ankündigung machte international schnell die Runde - in den Vereinigten Staaten äußerten sich Politiker und Militärstrategen mahnend.

          Chinesische Ambitionen bloß nicht unterschätzen

          Zuletzt warnte der langjährige Google-Vorstandsvorsitzende Eric Schmidt davor, die chinesischen Ambitionen bloß nicht zu unterschätzen. „Sie (die Chinesen) sind dabei, diese Technologie für kommerzielle und militärische Ziele zu verwenden, mit allen möglichen Folgen“, sagte er während einer Konferenz der Denkfabrik CNAS, die sich mit Fragen der nationalen Sicherheit Amerikas befasst.

          In den Vereinigten Staaten sind die Technologiekonzerne Alphabet (Google), Facebook, Apple und Microsoft stark engagiert in der Künstlichen Intelligenz, in China die ebenfalls großen Internetunternehmen Baidu, Alibaba und Tencent - sie bieten Internetsuche, Messengerdienste, Verkaufsplattformen und soziale Netzwerke. Alle werben regelmäßig Spitzentalente ab und sind in ihren Geschäftsmodellen durchaus ähnlich und damit Konkurrenten - in China schützt zudem bekanntlich der Staat davor, dass sich ausländische Internetangebote im Land allzu sehr ausbreiten.

          Hinter dem Risiko einer schärferen Auseinandersetzung sieht Investor Breyer indes auch Chancen. Und rät europäischen und amerikanischen Unternehmen, die in dieser Technologie gute Ideen haben dringend, sich auch ein Engagement auf dem chinesischen Markt zu überlegen. Er selbst geht dabei übrigens davon aus, dass am Ende China zwar viel hervorbringen wird, Amerika aber doch an der Spitze bleibt. „Ich denke nicht, dass sie (die Chinesen) Nummer eins sein werden, weil ich glaube, dass es weiterhin einen Grad der Genialität und Kreativität im Silicon Valley geben wird, der unerreicht bleibt.“

          China wird die Führung übernehmen in der Künstlichen Intelligenz, sagt Investor und KI-Fachmann Kai-Fu Lee.

          Andere Ansichten aus berufenem Munde in dieser Frage gibt es allerdings auch. Der Technologieinvestor Kai-Fu Lee geht eher davon aus, dass am Ende China führend in der Künstlichen Intelligenz sein wird, wie er unlängst während einer Rede an MIT ausführte. „Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz ist ein amerikanisch-chinesisches Duopol nicht nur unausweichlich, es ist längst da“, sagte er dort, wie das Nachrichtenportal „Forbes“ berichtet. Er begründet den langfristigen chinesischen Vorteil wesentlich mit größerer Masse - an Forschern und Daten.

          In China nutzen mehr als 750 Millionen Chinesen das Internet, mehr als die Vereinigten Staaten Einwohner haben. Und häufig viel intensiver als in westlichen Ländern, zum Beispiel für mobiles Bezahlen. Dadurch entstehen gewaltige Datenmengen. „There is no data like more data“, zitierte Lee einen Ausspruch des KI-Vordenkers Fred Jelinek. Die Daten-Lücke zwischen beiden Ländern ist „dramatisch höher“ als der tatsächliche Unterschied zwischen der Bevölkerungszahl oder der Zahl das aktiven mobilen Internetnutzer, so Lee.

          Und der 55 Jahre alte Unternehmer weiß wie kaum ein anderer, wovon er dabei spricht: Kai-Fu Lee promovierte sich über Künstliche Intelligenz an der renommierte Carnegie Mellon Universität. Er arbeitet für Apple, Microsoft und baute Googles Geschäfte in China auf und wurde der erste China-Geschäftsführer des Technologieunternehmens im Reich der Mitte. Im Jahr 2009 gründete er dann seine eigene Beteiligungsgesellschaft Sinovation Ventures - mit Sitz in Peking.

          Weitere Themen

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          Jeder hat sein Kreuz zu tragen: Matteo Salvini am Strand auf Sizilien.

          Italienische Regierung : Ohne den Segen des Papstes

          Italiens Innenminister Salvini gibt sich gerne als gläubiger Christ. Damit hat er den Zorn Franziskus’ auf sich gezogen – und am Ende auch den des scheidenden Ministerpräsidenten Conte.

          An Scholz’ Seite : Manchmal liegt das Glück ganz nah

          Das Rennen um den SPD-Vorsitz geht weiter: Wofür die Kandidatin an Scholz’ Seite steht – und wieso der erfolgsverwöhnte Niedersachse Stephan Weil plötzlich beschädigt ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.