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FAZ.NET-Interview zu KI : „Die betrachten ein Auto wie ein Smartphone“

Die Chancen der deutschen Wirtschaft insgesamt und zumal der Industrie, in dem durch Künstliche Intelligenz befeuerten internationalen Wettbewerb erfolgreich zu sein, hält er für gut – auch wenn es längst große amerikanische und chinesische Tech-Konzerne gibt, die sich dadurch profitabler und an der Börse zu den wertvollsten Unternehmen der Welt gemausert haben. „Ich glaube, Amerika ist grundsätzlich in den großen Hardware-Sachen nicht so stark“, urteilt Assadollahi und erklärt: „Wir sind einfach ein Maschinenbauer-Land, wir haben die führenden Automarken mit den größten Volumen in Deutschland und wir haben eine lange Historie, perfekte Maschinen herzustellen und unsere Autos werden überall gekauft.“ Diese Perfektion zwinge „uns auch, auf der Softwareseite eher konservativ zu sein“.

„Im Apple-Store die Watschen holen“

Und gerade das sei andererseits „ein bisschen das Problem“, wenn man zum Beispiel „neue Automobil-Techniken“ anschaue wie Uber oder Tesla und Waymo. „Dort wird ein Auto einfach viel mehr wie ein Smartphone betrachtet. Das bedeutet: Das ist ein Ding von der Stange und das ist gut, aber der wesentliche Wert wird durch Software generiert.“ Und Software habe im Gegensatz zu geläufiger Hardware meist eben die Eigenschaft, dass sie nie wirklich perfekt ist und schon fehlerfrei, wenn sie auf den Markt kommt. „Software ist tatsächlich etwas, was man iterieren muss, das man an der Realität, am Publikum reiben muss und wo man sich das Feedback einholen muss.“

Da macht er übrigens auch einen grundsätzlichen Unterschied aus zwischen dem deutschen Unternehmertum und dem amerikanischen. „Da geht es nicht nur um Software-Design, da geht es um Mut, Nutzererfahrung zu machen, auch, sich in einem Apple-Store die Watschen zu holen.“ Seinen deutschen Landsleuten rät er, in diesem Bereich risikofreudiger zu werden. „Wir müssen uns grundsätzlich kulturell mehr erlauben, zu versagen – fail fast – und neu zu probieren und nicht einen Fehler nochmal zu machen.“

Die KI-Grundlagenforschung in Deutschland hält er für ordentlich, findet aber, dass der „Transmissionsriemen in den Markt“ noch nicht gut funktioniert. Als Beispiel nennt er den Lern-Algorithmus LSTM der beiden deutschen Informatiker Sepp Hochreite und Jürgen Schmidhuber, mit dessen Hilfe Google seine Suche und den Übersetzungsdienst verbesserte.

Wenn es wiederum um die Frage geht, ob durch Künstliche Intelligenz den Menschen die Arbeit ausgeht, antwortet er mit einem klaren Nein. „Ich glaube tatsächlich, dass viele menschliche Interaktionen, zum Beispiel wenn ein Pfleger mit einem alten oder kranken Menschen interagiert, stark davon ausgenommen sind“, sagt er.

Und sagt als einen wichtigen Unterschied gegenüber der Gegenwart voraus: „Die Arbeit wird sich in der Natur verändern. Wir werden zusehends weniger outsourcen in andere Länder, so dass wir zum Beispiel eben kein Call-Center mehr in Indien haben werden. Die Arbeit kommt entweder zum Computer und muss deswegen nicht mehr in Indien gemacht werden. Oder diese Algorithmen werden designt, trainiert und feinjustiert in Deutschland.“

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