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Einsatz in der Industrie : Wer KI nicht nutzt, ist dämlich

  • -Aktualisiert am

Kleinste Fehler im Blick: Warenkontrollanlage von IBM Bild: IBM

Künstliche Intelligenz macht der Industrie Beine, dank der Hilfe von IT-Konzernen. Im Mittelpunkt steht eine Cloud-Plattform mit jeder Menge Anwendungen.

          Watson ist gerade nicht so gut drauf. Jedenfalls kann er die Frage, wie es ihm denn gehe oder was mit den Maschinen eines bestimmten Kunden los sei, nicht sofort beantworten. Vielleicht liegt es an dem Stimmengewirr im Hintergrund, dass die Frage nicht richtig bei ihm ankam. Es ist das Grundrauschen auf der Hannover Messe, und deshalb bleibt Plamen Kiradjiev ganz entspannt. Der IT-Fachmann von IBM, sogenannter Chief Architect für Industrie 4.0, geht etwas näher heran an sein Laptop, wiederholt die eine oder andere Frage mit deutlicher Stimme – und demonstriert, dass Watson sich am Frage-Antwort-Spiel in der Regel sekundenschnell und mit leicht verständlichen Sätzen auf dem Bildschirm beteiligt. Hier handelt es sich schließlich um ein Symbol Künstlicher Intelligenz.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Watson ist zwar kein Supercomputer, wie es oft heißt, sondern eine Cloud-Plattform mit jeder Menge Services, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) beruhen. Diese können Sprache, Bilder, Texte, Geräusche in unvorstellbarer Menge mit Hilfe von Algorithmen analysieren und vorgeben, was am besten zu tun sei. Diese Algorithmen gelten als kognitiv, also im weitesten Sinne lernfähig. Im Grunde sei Watson so schlau wie ein dreijähriges Kind, heißt es bei IBM. Aber trainiert man ihn, gibt man ihm also Handlungsanweisungen, dann werden seine Möglichkeiten atemberaubend. Dann löst er Aufgaben, die Menschen so schnell und so präzise nicht lösen können – und zwar auch in der industriellen Produktion, um die es in Hannover geht.

          Der Mensch-Maschine-Dialog wird deutlich zunehmen

          Das fängt schon bei so profanen Dingen wie Qualitätssicherung an. KI kann Gold wert sein – wenn zum Beispiel in der Massenproduktion Kameras die hergestellten Produkte erfassen und diese mit anderen Bildern vergleicht – mit selbst gemachten von fehlerfreien Exemplaren oder unzähligen weiteren, die im Internet frei verfügbar sind. Eine schnelle Meldung etwa, dass von Abertausenden Schrauben, Gehäusen, Verbindungen oder was auch immer eine als defekt identifiziert wurde, kann jede Menge Zeit und Geld sparen. Übertragen auf die Massenfertigung in der Autoindustrie: Ob Schäden im Lack, Unebenheiten auf Autositzen oder Auffälligkeiten an Reifen – jeder Fehler, jede Anomalie in den Arbeitsabläufen kann aufgespürt werden. Zwar gibt es solche optischen Erkennungssysteme schon länger, die Verknüpfung mit KI aber ist neu. Kunden könnten auch Fotos einer Maschine oder eines Produkts machen, es in die Cloud schicken und einen Wimpernschlag warten, bis Watson sagt, welcher Schaden oder welche Abweichung vorliegt und was zu tun ist.

          KI steckt zwar erst in der Startlöchern, nimmt aber gerade mächtig Fahrt auf. Sie wird auch dabei helfen, Schäden an Maschinen anzukündigen, bevor diese für Menschen auch nur zu erahnen sind. Von allen verfügbaren Daten seien zwar nur 10 bis 20 Prozent strukturiert, heißt es bei IBM; das betreffe Schrift, Bilder, Sprache, Temperaturen Luftfeuchtigkeit, Geräusche und so weiter. Mit denen komme Watson schon heute klar. Man traue ihm perspektivisch aber zu, auch aus dem großen unstrukturierten Rest schlau zu werden. Die schlechte Datenqualität hatte zuletzt in einer Accenture-Umfrage die Hälfte der befragten Unternehmen als aktuell größtes Problem genannt. Immerhin, an Besserung arbeiten viele. Auch Microsoft, Google, Amazon und SAP zeigen auf der Messe Lösungen, die den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Industrie ermöglichen.

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