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ELLIS : Ein Spitzen-Verbund für maschinelles Lernen

Die Kuratorin Judith Spickermann steht im Heinz Nixdorf MuseumsForum vor dem Roboter „robothespian“. Bild: dpa

Führende Fachleute haben Angst, dass Europa den Anschluss in der Künstlichen Intelligenz verliert. Sie haben einen Plan – und prominente Unterstützung.

          Wie kann Europa den Anschluss halten in der Künstlichen Intelligenz (KI) an Amerika und China? Führende europäische Wissenschaftler für die derzeit besonders angesagte KI-Disziplin des maschinellen Lernens halten dies nur für möglich, wenn sie ihre Kapazitäten bündeln und zu einem Netzwerk zusammenschließen.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Auf einer wichtigen Fachtagung in Montreal haben sie nun angekündigt, eine eigene Gesellschaft zu gründen. Darunter sind der Direktor des in Tübingen angesiedelten Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme Bernhard Schölkopf, die mittlerweile in der Schweiz und in Österreich forschenden deutschen KI-Pioniere Jürgen Schmidhuber und Sepp Hochreiter sowie unter anderem ihre Kollegen Zoubin Ghahramani, Max Welling und Nicolò Cesa-Bianchi. Ihr nun eingerichteter Verein trägt den Namen ELLIS, das steht für European Laboratory for Learning and Intelligent Systems. So nannten sie auch schon ihre in diesem Jahr gestartete entsprechende Initiative.

          Die Forscher fürchten um Europa als Standort für Spitzenforschung in diesem Bereich. Konkret streben sie unter anderem an, einen europäischen KI-Promotionsstudiengang anzubieten, der mit den amerikanischen Topfakultäten mithalten kann und außerdem auch in der Lage ist, einigermaßen mit den Angeboten zu konkurrieren, die Talente von internationalen Internetkonzernen wie Google und Facebook bekommen – diese Unternehmen erlauben ihren KI-Fachleuten vielfach Grundlagenforschung zu betreiben, eigene Fachartikel zu veröffentlichen und auf den akademisch wichtigen Konferenzen vorzustellen. Yann LeCun, oberster KI-Forscher von Facebook, sagte jüngst in einem Gespräch mit der F.A.Z., dass dies eine bewusste Strategie sei, um Nachwuchs anzuwerben und als Arbeitgeber attraktiv zu sein.

          Großes Interesse aus der Wirtschaft

          ELLIS fokussiert im Vergleich zu anderen KI-Initiativen vornehmlich auf die jüngsten Durchbrüche im maschinellen Lernen, die Stichworte lauten tiefe neuronale Netze und Deep Learning. Das ist jener Ansatz innerhalb der KI, der auf den gewaltig gewachsenen Datenmengen und schnelleren Rechnern basiert und anstrebt, Computer selbst lernen zu lassen. „Europa wird nur in der Lage sein, diese Entwicklung zu beeinflussen, wenn wir in herausragende Forschung in diesem Bereich investieren“, sagt Martin Stratmann, der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. „Deep Learning ist der Kern des (…) Fortschritts in der Künstlichen Intelligenz, den wir heute erleben“, kommentiert Geoffrey Hinton, der seit Jahrzehnten zu den renommierten Vertretern dieser Fachrichtung zählt.

          Unter den Unternehmen stößt die Initiative schon auf substantielles Interesse. „Künstliche Intelligenz wird die Welt fundamental verändern“, sagt Porsche-Chef Oliver Blume und spricht sich ausdrücklich dafür aus, ELLIS voranzubringen. Michael Bolle, Technik-Vorstand des Allzweckzulieferers Bosch, stellt sich ebenfalls hinter diesen Ansatz und auch Jeff Dean, der für Künstliche Intelligenz verantwortliche Manager von Google. „Die ELLIS-Initiative kann den Grund legen für das Entstehen eines sehr starken wissenschaftlichen Ökosystems in Europa“, teilt er mit.

          Unterstützung stellt auch der Onlinehändler Amazon in Aussicht. Dessen in Berlin beheimateter KI-Chefforscher Ralf Herbrich bekundet, mit den ELLIS-Forschern zusammenarbeiten zu wollen. Zum Teil geschieht dies übrigens schon. Max-Planck-Forscher Schölkopf hat gerade einen mehrmonatigen Aufenthalt am Amazon-Sitz in Seattle hinter sich – Amazon wiederum etabliert in Tübingen ein eigenes Forschungszentrum mit 100 Mitarbeitern.

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