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Huawei trumpft auf : Angriff auf Amerikas Chip-Dominanz

Stille Macht aus Südchina: Komponenten-Produktion von Huawei am Geschäftssitz in Schenzhen. Bild: Bloomberg

Chinas führender Technologiekonzern ist Pekings Hoffnung im Handelskonflikt. Seine Fähigkeiten ängstigen sogar die Amerikaner.

          Chinas Regierung, seine Wirtschaft und die interessierte Mittelschicht waren geschockt, als im Frühjahr Amerika den Technologiekonzern ZTE aus Schenzen mit einem Bann belegte: Das Unternehmen, das am neuen Netzwerkstandard 5G baut, Smartphones herstellt und im Inland 80.000 Mitarbeiter beschäftigt, durfte nicht mehr die in allen Produkten steckenden Computerchips aus den Vereinigten Staaten beziehen, nachdem es die Sanktionen gegen Iran unterlaufen hatte. Daraufhin stellte ZTE zeitweise den Betrieb ein.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Um die Verwundbarkeit der Volksrepublik im Wettstreit der Supermächte um die Technologieführerschaft drehte sich auch am Mittwoch alles, als Chinas zweiter großer Netzwerkkonzern in Schanghai eigene Hochleistungschips vorstellte, die die Dominanz der Amerikaner angreifen könnten. Mit diesen kommt erstmals ein im eigenen Haus entwickelter Chip in den von Huawei vorgestellten Servern zum Einsatz. Die Leistungsstärke reicht nach eigenen Angaben an die amerikanische Konkurrenz von Qualcomm, Intel und Nvidia heran und ermöglicht etwa in Anwendungen zur Künstlichen Intelligenz das Rechnen komplexer Algorithmen.

          Der Chip mit dem Namen „Ascend 910“ habe die größte Rechendichte auf dem Markt, sagte Huawei-Chef Eric Xu. Kein Problem sei so kompliziert, dass es der Chip nicht lösen könne, lobte der Manager die eigene Entwicklung. Erhältlich ist das neue Konkurrenzprodukt aus China allerdings erst ab dem zweiten Quartal des kommenden Jahres.

          Der Präsident drängt

          Zum ersten Mal werde ein Huawei-Chip nun in Cloud-Zentren zum Einsatz kommen, sagt der Schanghaier Technologieberater Georg Stieler. Dies sei bisher die Domäne von Intel gewesen. Bisher hatte sich Huawei wie die meisten chinesischen Chiphersteller auf Anwendungen auf Smartphones konzentriert, wie Bild- und Spracherkennung. Chips für den Einsatz in Cloud-Zentren seien viel komplexer, sagt Stieler. Auch die Ankündigung, auf den Chips basierende Lösungspakete an Dritte zu verkaufen, sei ein Novum in der Branche. Zwar sei Huawei bei der Chipfertigung immer noch auf Technologie des taiwanesischen Zulieferers TSMC angewiesen. „Allerdings sollte man nicht unterschätzen, wie tief Huawei das Thema Chipentwicklung bereits durchdrungen hat“, sagt Stieler.

          Für die Regierung in Peking ist der Konzern aus dem Süden des Landes damit ein Hoffnungswert im Handelskrieg. Seitdem im Drama um ZTE der Führung schlagartig klargeworden ist, wie abhängig vom Ausland die sonst von allen Seiten so hochgelobte chinesische Technologieindustrie ist, drängt Präsident Xi Jinping fast im Wochentakt darauf, den Vorsprung des Westens mit eigenen Entwicklungen aufzuholen.

          Im Wirtschaftsplan „Made in China 2025“ sind eine wettbewerbsfähige Halbleiterindustrie mit der Produktion von superschnellen Computerchips sowie die Weltführerschaft bei Künstlicher Intelligenz die Kernziele Pekings. In diesem Umfeld könnte vor allem im Heimatmarkt nun bald Huaweis neuer Chip zum Einsatz kommen.

          Der Konzern selbst, der als eines der ganz wenigen großen chinesischen Unternehmen bereits jetzt seinen Umsatz zum überwiegenden Teil im Ausland erzielt, hat nicht das Reich der Mitte, sondern auch den globalen Markt im Blick. Huawei-Chef Xu schätzt, dass bis 2025 in der ganzen Welt 86 Prozent aller Unternehmen große Datenmengen (Big Data) oder ähnliche Technologien nutzen würden, um Probleme zu lösen.

          Ob allerdings Amerika den Huawei-Chips vertraut, ist mehr als fraglich. Der Konzern steht in Washington unter Dauerverdacht, für die Volksrepublik zu spionieren – eine Mutmaßung, die sich nicht zuletzt durch die in der vergangenen Woche gegen Peking erhobenen Spionagevorwürfe noch lange in den Vereinigten Staaten halten dürfte.

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