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„Smart City“ : Hier baut Google die intelligente Stadt

Toronto vom Wasser aus betrachtet - auf der Seite will Google die „smart City“ bauen. Bild: Reuters

Viele Roboter, wenige Autos und Müll und Pakete werden unterirdisch transportiert: Der Technologiekonzern Alphabet hat sich eine Metropole für sein nächstes großes Projekt ausgesucht. Darum geht es.

          Die amerikanische Alphabet-Holding verdient ihr Geld vor allem mit ihrer Kernsparte Google. Daneben hat der Konzern aber noch eine Reihe anderer Tochtergesellschaften auf sehr unterschiedlichen Feldern, etwa Waymo, ein Spezialist für selbstfahrende Autos, oder das Gesundheitsunternehmen Calico.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Eine andere Alphabet-Einheit mit sehr futuristischen Plänen ist Sidewalk Labs. Diese Konzernsparte will sogenannte „Smart Cities“ (intelligente Städte) schaffen, in denen Digitalisierung das Leben prägt und angenehmer machen soll. Jetzt hat die vor zwei Jahren gegründete Gesellschaft ihr bislang ehrgeizigstes Projekt angekündigt: Sie will im kanadischen Toronto einen ganz neuen Stadtbezirk schaffen.

          Das Vorhaben wurde auf einer Pressekonferenz im Beisein des kanadischen Premierministers Justin Trudeau bekanntgegeben. Sidewalk Labs wird ein 50.000 Quadratmeter großes Areal am Hafen von Toronto zur Verfügung haben, was aber womöglich nur die erste Phase eines viel größeren Projekts werden könnte. Denn nebenan ist ein mehr als drei Quadratkilometer großes Grundstück, das ebenfalls neu genutzt werden soll. Sidewalk Labs hat zunächst 50 Millionen Dollar für die Entwicklung des neuen Viertels mit dem Namen „Quayside“ zugesagt, das gesamte Projekt dürfte aber am Ende einen Milliardenbetrag kosten. Premierminister Trudeau sagte, in Quayside sollen künftig „Zehntausende“ von Menschen leben und arbeiten.

          Intelligenter in die Zukunft: Kanadas Premierminister Justin Trudeau mit jungen Stadtforscherinnen in Toronto

          Wie dieses neue Viertel aussehen soll, hat Sidewalk Labs in einem mehr als 200 Seiten langen Dokument beschrieben. Das künftige Quayside soll von „digitaler Infrastruktur“ und „allgegenwärtiger Vernetzung“ geprägt sein. Eine große Rolle soll autonomes Fahren spielen. In dem neuen Viertel sollen „Taxibots“ unterwegs sein, also selbstfahrende Autos, und es sollen zusätzliche Optionen für öffentliche Verkehrsmittel geschaffen werden. Für den Betrieb von Privatautos soll es dagegen Restriktionen geben, und Sidewalk Labs peilt an, dass weniger als 20 Prozent der künftigen Bewohner von Quayside ein eigenes Auto haben. Für die Flotte von Roboterautos will das Unternehmen mit der Schwestergesellschaft Waymo zusammenarbeiten und zum Beispiel selbstfahrende Großraumfahrzeuge mit bis zu zwölf Sitzen testen. Auch existierende Fahrdienste wie Lyft sollen in Quayside unterwegs sein dürfen.

          Roboter soll es indessen nicht nur auf den Straßen geben, sondern auch unter der Erde. Nach Vorstellung von Sidewalk Labs könnte ein unterirdisches System von Müllrobotern den Abfall außer Sichtweite transportieren. Ein Netzwerk unterirdischer Roboter könnte auch eingesetzt werden, um Pakete an die Bewohner von Quayside auszuliefern. Auch der Einsatz von Drohnen wird erwogen. Ein solches Frachtsystem soll nach Darstellung von Sidewalk Labs dazu beitragen, dass die Straßen selbst stärker von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden können.

          Ein Stadtviertel für alle

          Als ein wichtiges Element des neuen Stadtviertels sieht die Alphabet-Sparte auch neue Baumethoden, die es erlauben, Immobilien flexibel zu nutzen, ob als Wohn-, Büro- oder Gewerbefläche. Das Unternehmen müht sich auch, nicht den Eindruck entstehen zu lassen, der digital aufgerüstete Stadtteil werde nur etwas für Reiche sein. Mehr als 30 Prozent der Wohnfläche sollen für Einkommensschwache reserviert sein.

          Daniel Doctoroff, der Vorstandsvorsitzende von Sidewalk Labs, und Eric Schmidt, der den Verwaltungsrat von Alphabet führt, schrieben in einem Gastbeitrag für die kanadische Zeitung „The Globe and Mail“, das neue Viertel werde keine „wohlhabende High-Tech-Enklave“ sein. Alphabet und anderen Unternehmen wie Facebook wird oft vorgeworfen, ihre Heimat im kalifornischen San Francisco und dem angrenzenden Silicon Valley zu Gegenden gemacht zu haben, die für Niedrig- oder auch Durchschnittsverdiener kaum noch erschwinglich sind.

          Was geschieht mit den Daten?

          Unklar ist, was genau Sidewalk Labs mit einem auf dem Reißbrett entworfenen Stadtbezirk für ein Geschäftsmodell verfolgt. Alphabet verdient sein Geld vor allem mit dem Verkauf von Werbung, die sich aus der Auswertung von Daten ergibt. Das digital aufgerüstete Viertel in Toronto wird Sidewalk Labs eine Fülle von Daten liefern, und das wirft die Frage auf, was mit diesen Daten geschieht und inwiefern sie kommerziell verwertet werden könnten.

          Sidewalk Labs hat schon seit längerem nach einem Ort gesucht, um seine Vision einer „Smart City“ zu verwirklichen, und es fällt auf, dass das Unternehmen dabei nicht in seinem Heimatland fündig wurde, sondern im nördlichen Nachbarland. Auch in den Vereinigten Staaten sind Digitalisierungskonzepte von Städten ein großes Thema. Das Verkehrsministerium führte unlängst einen Wettbewerb für „Smart City“-Ideen durch, den die Stadt Columbus im Bundesstaat Ohio gewann. Auch hier ist Sidewalk Labs involviert.

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