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Ada Health : Siri, was fehlt mir?

Vorbehalte in Deutschland

Auch Ada kooperiert schon mit deutschen Institutionen: Mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung kooperiert Ada in der Erforschung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Medizinische Hochschule Hannover prüft gemeinsam mit Ada das Potential eines Systems, das seltene Erkrankungen frühzeitig diagnostizieren kann. Doch das eigentliche Produkt des Unternehmens, die App mit dem Assistenten, gibt es noch nicht in vollem Umfang mit allen angeboten Funktionen in Deutschland, obwohl das Unternehmen in Berlin sitzt.

Das soll sich aber bald ändern. „Als Start-up, das in Deutschland gegründet wurde und einen Großteil der Forschung und Entwicklung in Deutschland leistet, ist der Heimatmarkt besonders wichtig für uns“, sagt Daniel Nathrath, Mitgründer und Geschäftsführer von Ada Health, im Gespräch mit FAZ.NET. Allerdings bringe Deutschland andere Herausforderungen mit sich als andere Märkte, in denen Ada vorher gestartet sei. Erst in der vergangenen Woche hat Ada eine deutschsprachige App herausgebracht. „Entscheidend für unseren Erfolg in Deutschland wird sein, die Leistungserbringer, sprich Kassen und Versicherungen, mit an Bord zu holen. Für sie bieten wir einen erheblichen Mehrwert, indem Patienten bereits mit unseren Analyseergebnissen zum Arzt gehen – und indem Patienten direkt zum richtigen Arzt verwiesen werden. Wir sind hier in sehr guten Gesprächen mit Kassen und Versicherungen“, sagt Nathrath.

Der Gründer zeigt sich zuversichtlich, dass sich das Produkt auch in Deutschland gut entwickeln könnte, alleine die Masse an Google-Suchen zu Gesundheitsthemen zeige einen Markt.  „Was sich ändern muss: Der Umgang mit Daten muss in Deutschland realistischer werden. Für die Gesundheitsforschung gilt: Ohne Fälle, sprich ohne Daten, gibt es keinen Fortschritt. Unser KI-basiertes System ist auf Daten angewiesen, um sich stetig weiter zu entwickeln“, sagt Nathrath.

Freilich steht auch den drei Gründern von Ada noch einiges an Arbeit bevor, den Forschern Claire Novorol und Martin Hirsch, die sich um die technische und gesundheitliche Komponente von Ava kümmern, genauso wie dem Manager Nathrath, der das operative Geschäft im Blick hat. Denn noch sind gerade im Markt mit Gesundheitsapps viele Fragen offen: Während sich die Fintechs im Finanzsektor schon damit auseinandersetzen, wie besonders schützenswert Finanzdaten sind, steht den Gesundheits-Start-ups eine noch größere ethische Diskussion bevor. Schließlich operieren sie mit zutiefst privaten Daten, Privatheit und Transparenz muss abgewägt werden und die Kontrolle der Daten und wem sie gehören, müssen organisiert sein. Gleichzeitig, das zeigte auch die Studie des Gesundheitsministeriums, halten Gesundheits-Apps die datenschutzrechtlichen Anforderungen häufig nicht ein. Oder wie es das Ministerium ausdrückt: „Bei der Datenschutzerklärung und der Einholung von Einwilligungen durch die Nutzer fehlt es oft an Transparenz.“

Doch betrifft das freilich nicht nur die Jungunternehmen, die unter besonderer Beobachtung stehen. Denn fairerweise muss man sagen, dass zuletzt vor allem etablierte Marktteilnehmer besonders unangenehm aufgefallen sind. Im vergangenen Jahr waren alleine durch Hackerangriffe auf die Versicherer Anthem und Premera Blue Cross die Patientendaten von gut 90 Millionen Amerikanern betroffen. Krankenhäuser waren von Ransomware-Angriffen betroffen, die ihre Daten verschlüsselt haben. Wo Patientendaten abgelegt werden und wie sie geschützt sind, muss demnach in Zusammenarbeit von Konzernen und Regulatoren besser festgelegt werden. Das nutzt dann auch den Gesundheits-Start-ups - und danach auch im besten Fall dann den Patienten.

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