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FAZ.NET exklusiv : „Google verfügt über tolle Daten, die wir schlicht nicht haben“

Hier lagern die Daten – Innenansicht in einem Rechenzentrum in Oklahoma. Bild: Google

Verliert Deutschland den Anschluss in der Künstlichen Intelligenz? Der Präsident der europäischen KI-Forscher warnt gegenüber FAZ.NET eindringlich. Zudem gibt es Streit zwischen den Forschern.

          Deutschland und Europa müssen nach Ansicht führender Wissenschaftler mehr tun, um in der Erforschung und Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) nicht den Anschluss zu verlieren. „Der Brain Drain findet statt: Die Leute gehen in die Vereinigten Staaten, weil sie dort riesige Gehälter bekommen und eine tolle Umgebung für Wissenschaftler“, sagt Gerhard Lakemeyer, Präsident der europäischen KI-Forschervereinigung EurAI und Informatikprofessor an der Universität Aachen. Er fügt hinzu: „Abgeworben werden nicht nur Studenten, sondern auch Professoren.“

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Dabei hat Lakemeyer nicht nur renommierte Fakultäten im Blick, wie es sie etwa am MIT in Boston oder an der Stanford-Universität gibt. Er verweist gerade auch auf die Technologie-Konzerne, die derzeit auf der ganzen Welt Talente anheuern und zusehends mit den Universitäten konkurrieren. „Unternehmen wie Google verfügen über Rechenleistung und vor allem viele tolle Daten, die wir an den Unis schlicht nicht haben“, erklärt Lakemeyer.

          Er knüpft mit seiner Warnung an eine Initiative an, die europäische Spitzenforscher im „maschinellen Lernen“ gerade gestartet haben. Als „maschinelles Lernen“ wird das auf gewaltigen Datenmengen und riesiger Rechenleistung basierenden Teilgebiet der KI bezeichnet, das derzeit besonders angesagt ist. Sie regen einen länderübergreifenden Forschungsverbund an („European Lab for Learning & Intelligent Systems“, Ellis). Dieser soll eine akademische Ausbildung und daran anschließende Wissenschaftskarriere auf allerhöchstem Niveau in Europa ermöglichen – ausdrücklich auch, um der Konkurrenz durch forschungsstarke Unternehmen in Übersee mehr entgegenzusetzen. Zu den Unterzeichnern zählen etwa Bernhard Schölkopf vom Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Zoubin Ghahramani von der Universität Cambridge und Max Welling von der Universität Amsterdam.

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          Der Aufruf hat prominente Resonanz erzeugt. Yoshua Bengio, der in Montreal maschinelles Lernen erforscht und seit Jahrzehnten zu den führenden Leuten der Welt zählt, befürwortet einen solchen Forschungsverbund als „essentiell für die europäische Wirtschaft“. Yann LeCun, verantwortlicher KI-Forscher von Facebook und Vordenker auf dem Gebiet der sogenannten künstlichen neuronalen Netze, lobt den Aufruf. Garth Gibson, Leiter der noch jungen KI-Denkfabrik „Vector Institute“ in Toronto, hält „Ellis“ ebenfalls für eine gute Idee.

          „Die Ellis-Initiative geht in die richtige Richtung“, findet auch EurAI-Präsident Lakemeyer: „Maschinelles Lernen ist ein heißes Thema mit beeindruckenden Fortschritten in den vergangenen Jahren – etwa in der Mustererkennung, Sprachverarbeitung und Übersetzung.“ Google sei als Arbeitgeber mittlerweile eben gerade auch attraktiv für solche Akademiker, die ihr Leben lang Grundlagenforschung betreiben wollen. „Die Wissenschaftler können veröffentlichen, woran sie Interesse haben, und sind auf den wichtigen Fachkonferenzen präsent“, sagt er. Zu den Koryphäen des maschinellen Lernens, die mittlerweile in Diensten Googles stehen, zählen beispielsweise Geoffrey Hinton, Ian Goodfellow und Fei-Fei Li.

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