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Künstliche Intelligenz : Mit dem Roboterauto durch Las Vegas

Ein autonom fahrendes Taxi des französischen Herstellers Navya in Las Vegas. Bild: AP

Bei der Elektronikmesse CES werden die neuesten autonomen Autos präsentiert – und gleich auf Las Vegas’ Straßen gelassen. Wie weit ist die Technik mittlerweile?

          lid. LAS VEGAS, 10. Januar. Das Heimatrevier von Ted während der Elektronikmesse CES in Las Vegas ist ein riesiger Parkplatz gegenüber dem Kongresszentrum. Von hier aus nimmt er für den Fahrdienst Lyft in einem schnittigen weißen BMW Passagiere mit und kutschiert sie zu diversen Hotels an der Amüsiermeile Strip. Freilich ist es kein gewöhnliches Auto. Der Wagen kann sich vollständig autonom steuern, mit einem System von Aptiv, einem Autozulieferer, der aus dem früheren Delphi-Konzern hervorgegangen ist. Und Ted nennt sich zwar „Fahrer“ und ist eine Person aus Fleisch und Blut, wird aber fast während der ganzen Fahrt vom Parkplatz bis zum Hotel Caesars Palace steif wie eine Wachsfigur dasitzen. Er wird starr auf die Straße schauen und sich kaum bewegen. Seine Aufgabe ist es im Wesentlichen, im Falle einer heiklen Verkehrssituation einzugreifen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Fahrt beginnt zunächst noch im manuellen Modus, und auf dem Parkplatz hat Ted seine Hände am Steuer. Auf einem Privatgelände könne man nicht autonom fahren, erklärt Bobby Rasmusson, der bei Lyft für Projekte rund um autonomes Fahren zuständig ist und mit im Wagen sitzt. Ob das mit gesetzlichen Verboten zu tun hat oder mit fehlendem Kartenmaterial für Privatgrund, weiß er selbst nicht so genau. Ted setzt sich in Bewegung, nachdem der Passagier von der Rückbank aus auf einem Tabletcomputer einen Startknopf berührt hat. Als er vom Parkplatz rechts auf den Convention Center Drive abbiegt, schaltet das System auf „autonom“ um, worauf eine elektronische Frauenstimme den Fahrgast hinweist. Ein paar hundert Meter weiter sagt die gleiche Stimme „Spur wechseln“, und das Auto bewegt sich nach links, ohne dass Ted einen Finger rührt. Bald danach ist der South Las Vegas Boulevard erreicht, der „Strip“, und das Auto hält ohne Teds Eingreifen an der roten Ampel und biegt dann bei Grün nach links ab. Es geht vorbei am goldenen Trump-Hotel und schicken Adressen wie dem Wynn, schließlich ist das Ziel erreicht. Die weibliche Stimme meldet, dass jetzt wieder der manuelle Modus an ist, und Teds Hände sind am Steuer. Die Fahrt endet ohne Zwischenfälle. Das Auto hat vorschriftsgemäß an Ampeln angehalten und ist korrekt abgebogen. Es musste sich freilich auch mit keinen allzu kniffligen Situationen auseinandersetzen, vielleicht abgesehen von dem Moment, als ein blauer Chevrolet Malibu sich etwas forsch von der Seite näherte, um die Spur zu wechseln. Hier hat der BMW schnell reagiert und von allein abgebremst.

          Die autonomen Fahrten sind ein Angebot, das sich Aptiv und Lyft speziell für die CES ausgedacht haben. Jeder, der die Smartphone-App von Lyft hat, kann es während der Messetage nutzen. Es hebt sich insofern ab, als die Fahrten im öffentlichen Straßenverkehr stattfinden und nicht auf Teststrecken, wie dies sonst oft der Fall ist. Dabei scheinen es die meisten Fußgänger und anderen Autofahrer gar nicht zu merken, wenn der Wagen autonom an ihnen vorbeifährt, ohne dass der Fahrer seine Hände am Steuer hat, vielleicht interessiert es sie auch nicht. Lyft-Manager Rasmusson sagt, in anderen Städten sei dies oft anders. Bei Tests in Boston, wo die Straßen nicht so breit sind, hätten viele Menschen aufgeregt ihre Handys gezückt, um Fotos von den Roboterautos zu schießen.

          Die Autobranche nutzt die Messe in Las Vegas heute gerne als Spielwiese für solche Experimente. Die CES galt lange vor allem als eine Schau für Unterhaltungselektronik und Computer, sie ist aber in den vergangenen Jahren auch mehr und mehr zum Tummelplatz für Autohersteller und ihre Zulieferer geworden. Unternehmen von Daimler über Ford bis Bosch und Nvidia sind mit eigenen Ständen vertreten und nutzen die Veranstaltung, um Neuheiten oder Kooperationen zu verkünden. Autonomes Fahren ist eines der Zukunftsthemen der Branche schlechthin und spielt daher in diesem Jahr auch in Las Vegas wieder eine zentrale Rolle. Die Autoindustrie versucht, die Botschaft zu vermitteln, dass sie wieder ein Stück näher dran ist, Roboterfahrzeuge zum Alltag und damit den Straßenverkehr viel sicherer als heute zu machen. „Das ist keine Science-Fiction mehr“, sagt zum Beispiel Danny Shapiro, der das Autogeschäft von Nvidia führt. Der amerikanische Halbleiterkonzern ist mit seinen Prozessoren ein wichtiger Lieferant der Autohersteller geworden. Zu seinen Partnern gehören Unternehmen wie Daimler, Volkswagen oder der Lyft-Wettbewerber Uber.

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