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Googles Künstliche Intelligenz : Deepmind schlägt jetzt auch professionelle Computerspieler

Starcraft-Spieler auf der Gamescom Bild: dpa

Das Videospiel „Starcraft 2“ gilt als besonders kompliziert. Doch AlphaStar lässt den professionellen Zockern keine Chance. Dabei ist der Computer gar nicht „übermenschlich“.

          Künstliche Intelligenz ist kompliziert; in diesem Feld Fortschritte zu erkennen ist dementsprechend schwierig für Laien. Die zur Alphabet-Holding gehörende KI-Unternehmung Deepmind hat sich in der Vergangenheit schon häufiger dadurch hervorgetan, in spielerischen Wettkämpfen gegen Menschen die Überlegenheit ihrer Entwicklungen zu demonstrieren um Forschungsfortschritte sichtbar zu machen.

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          So schlug die Deepmind-KI namens „Alpha Go“ den weltbesten Spieler in dem chinesischen Brettspiel Go mühelos. Bis zu diesem Beweis der Dominanz im Jahr 2015 galt das traditionelle Brettspiel als zu kompliziert für Maschinen. Und der Südkoreaner Lee Sedol als ein zu mächtiger Gegner, der immerhin 18 Mal Weltmeister wurde und wegen seines unkonventionellen und kreativen Spiels in seiner Heimat ein Nationalheld ist. 4 zu 1 gewann Alpha Go und stürzte nicht nur Go-Fans in eine Sinnkrise: Welche Macht entwickeln Maschinen und wo könnten sie den Menschen noch übertrumpfen?

          Wie viel Macht haben Maschinen?

          Zwar wäre niemand beleidigt, dass ein Auto eine Strecke schneller zurücklegen kann als ein Mensch. Doch wenn es nicht um körperliche Leistung, sondern um Kreativität geht, wird das Staunen schnell vom Pessismismus verschluckt. Das verstellt mitunter den Blick auf die durchaus beachtlichen Leistungen von Forschern, die solche schlauen Maschinen programmieren. Google hatte Deepmind im Jahr 2014 gekauft; mehr als 500 Millionen Dollar soll der Suchmaschinenkonzern für das KI-Start-up aus London bezahlt haben.

          Nun haben die Deepmind-Forscher noch einmal einen draufgesetzt: Denn sie haben ihre Künstliche Intelligenz in dem Videospiel „Starcraft“ trainiert und gegen professionelle Videospieler antreten lassen. Zehn Partien wurden im Dezember aufgezeichnet, eine elfte wurde dann am Donnerstagabend gespielt und zusammen mit den anderen in einem Livestream ausgestrahlt. „Alpha Star“, so der Name des Programms, konnte zehn von elf Spielen gewinnen, was bei den erfahrenen Kommentatoren und der Gaming-Community für Verwunderung und Begeisterung sorgte.

          Starcraft II ist ungemein populär

          Starcraft ist eines der bekanntesten Computerspiele, in denen es auch professionelle Wettbewerbe gibt. Dabei bauen die Kontrahenten eine Basis auf, stärken sie und erschaffen Einheiten, mit denen sie dann die Gegner angreifen. Dabei gibt es viele Strategien zur Vorgehensweise, defensive wie offensive Taktiken. Seit mehr als 20 Jahren wird es online gespielt, trotzdem ist es noch ungemein populär: alleine am Donnerstag wurden rund um die Welt mehr als 253.000 Partien von registrierten Teams gespielt.

          Es gehört zu den kompliziertesten Strategiespielen, weil die Spieler Hunderte Optionen für den nächstbesten Zug gleichzeitig beachten müssen und ihre Strategie für einen längeren Zeitraum festlegen. Anders als bei Brettspielen wie Schach oder Go, bei denen Profis ebenfalls weit vorausdenken und planen, gibt es in dem Computerspiel aber keine festgelegten Züge. So müssen Spieler also auf vermeintlich unerwartete Aktionen der Gegner reagieren, was für einen Computer natürlich genauso gilt.

          Ein hochkomplexes Spiel

          Die Spiel-Komplexität, die beschreibt, wie viele Positionen für einen Spieler erreichbar sind, ist bei Starcraft sehr hoch. Tic Tac Toe, oder „Drei Gewinnt“ hat mit seinen neun Feldern eine Spiel-Komplexität von 10 hoch 3, schon 1952 beherrschte das ein Computer. Die 64 Felder von Schach sind mit 10 hoch 47 deutlich komplizierter, 1997 schlug IBM-Supercomputer Deep Blue den Weltmeister Garry Kasparow trotzdem. Die Spiel-Komplexität von Go liegt bei 10 hoch 170, die von Starcraft soll bei 10 hoch 1685 liegen (diese Zahlen sind Schätzungen und können sich durch kleinste Regeländerungen verändern).

          Die Überlegenheit der KI hat daher viele überrascht. Sie hat zwar Fehler gemacht, die leicht zu erkennen waren, dominierte das Spiel aber dennoch so sehr, dass sie den professionellen Spielern überlegen war. Bemerkenswert ist das vor allem deshalb, weil die Deepmind-Ingenieure den Computer nicht absichtlich unfair überlegen gestaltet haben. In einem Computerspiel wäre es schließlich möglich, die Reaktionszeit oder die Aktionen, die in einer Minute ausgeführt werden können, technisch so hochzuschrauben, dass es für Menschen nicht möglich wäre, mitzuhalten. Doch Alpha Star hat langsamer reagiert als seine menschlichen Gegner und weniger sogenannte APM benötígt, was für „actions per minute“, also Aktionen je Minute steht. Die Zuschauer überraschte vor allem, wie „menschlich“ die KI spielte.

          AlphaStar sieht alles

          Der Vorteil des Computers besteht vor allem aus zwei Faktoren: Im Gegensatz zum Gegner kann Alpha Star das gesamte Spielfeld überblicken, das bei Starcraft ziemlich groß ist. Außerdem konnte die KI mehrere Einheiten gleichzeitig steuern, was für Menschen schwierig ist. Einzig im letzten Spiel, das live übertragen wurde, musste sich Alpha Star auf der virtuellen Karte Stück für Stück zurechtfinden und die Kamera justieren. Es war das einzige Spiel, das der Computer verlor. Es könnte das letzte gewesen sein.

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