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Gesundheits-Datensammlung : Bloß nicht noch so ein Reinfall wie mit dem MP3-Player!

  • -Aktualisiert am

MP3-Player: Im Frankfurter Institut von Karlheinz Brandenburg erfunden. Gewinn machten vor allem andere. Das soll nun besser laufen. Bild: dapd

Beunruhigenden Leberfleck mit dem Handy diagnostizieren? An diesem Mittwoch berät die Regierung den Einsatz Künstlicher Intelligenz in Gesundheitsfragen – es geht um viel für Deutschland.

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          Viele Menschen kennen die Situation: Ihnen kommt ein Leberfleck am Körper seltsam vor, doch ein Termin beim Hautarzt ist frühestens in einigen Wochen zu bekommen. Warum nicht einfach den Leberfleck mit dem Handy scannen und von einer schlauen Software begutachten lassen? Auffällig oder harmlos – innerhalb von Sekunden könnte die App eine erste Einschätzung geben und dem Betroffenen wochenlanges Grübeln ersparen.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Anwendungen wie diese hat die Bundesregierung im Blick, wenn sie an diesem Mittwoch im Kabinett über die Eckpunkte für einen Masterplan zur Künstlichen Intelligenz (KI) beraten will. Es geht darin vor allem um die Frage, warum Deutschland in der Forschung rund um selbstlernende Algorithmen und Maschinen nach Einschätzung von Fachleuten gar nicht mal so schlecht ist, die praktische Anwendung aber auf sich warten lässt. Die Regierung führt dies nicht zuletzt auf die hohen Investitionssummen zurück, die für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz erforderlich sind und die in der mittelständisch geprägten deutschen Wirtschaft viele Unternehmer nicht aufbringen können oder wollen.

          Frankreich investiert um einiges mehr

          Wo möglich, will die Regierung der Wirtschaft deshalb jetzt unter die Arme greifen. Eine Idee: Wo immer die öffentliche Hand große Datenmengen erhebt – etwa von den Sensoren und Kameras, die beobachten, wie schnell der Verkehr auf den Autobahnen fließt –, könnte sie diese der Wirtschaft zur Verfügung stellen. Hintergrund: Je mehr Informationen aus der Vergangenheit eine Software kennt, desto besser kann sie neue Situationen einschätzen. Auch im Gesundheitsbereich soll die Technik nach dem Willen der Regierung stärker genutzt werden, zum Beispiel, wenn es um die Auswertung von Röntgenbildern geht. Um Datenschutzprobleme zu vermeiden, sollen die Daten anonymisiert weitergegeben werden, also ohne Rückschlüsse auf einzelne Autofahrer oder Patienten.

          Eingebracht werden die Eckpunkte zur Künstlichen Intelligenz vom Bundesforschungsministerium unter der Führung von Anja Karliczek (CDU). Neben ihrem Haus waren auch das Wirtschafts- und das Arbeitsministerium daran beteiligt. In den kommenden Monaten sollen die Punkte weiter ausgearbeitet werden und bis zu einer Regierungsklausur Mitte November zu einer Strategie reifen.

          Noch ist die Künstliche Intelligenz für viele Politiker und Unternehmen Neuland. Während hierzulande das Fördervolumen irgendwo zwischen 100 bis 300 Millionen Euro im Jahr liegen soll – so genau weiß das niemand –, investiert Frankreich im gleichen Zeitraum fast zwei Milliarden Euro. Mit Spannung wird nun erwartet, wo das geplante deutsch-französische Forschungszentrum zu Künstlicher Intelligenz seinen Sitz haben soll.

          Als ein mahnendes Beispiel, wie man es nicht machen sollte, wird in Berlin gerne auf die Geschichte des MP3-Players verwiesen. Den hatte einst der Deutsche Karlheinz Brandenburg am Fraunhofer-Institut in Erlangen entwickelt. Das Geschäft mit der Technik machten dann aber nicht deutsche Unternehmen, sondern vor allem die Asiaten.

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