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Supercomputer Watson : Im Krankenhaus fällt die Wunderwaffe durch

Das Computersystem Watson soll Patientendaten analysieren. Bild: dpa

Der Supercomputer Watson von IBM wurde schon als Heilsbringer im Kampf gegen Krebs und andere schwere Krankheiten angepriesen. Viel gebracht hat die Künstliche Intelligenz bisher allerdings nicht.

          Es sah aus wie der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Der Chef des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg (DKFZ) und der für Deutschland zuständige Geschäftsführer des IBM-Konzerns schüttelten sich die Hände, schauten zuversichtlich in die Kameras. Das Bündnis von Spitzenmedizin und Hightech, das sie gerade besiegelt hatten, sollte den Kampf gegen den Krebs voranbringen, das Leiden der Patienten lindern, ihr Leben verlängern.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Beide Disziplinen brachten dafür nach eigener Überzeugung das Beste mit, was sie zu bieten hatten: das DKFZ die drei Vorzeigeprojekte, für die es in einem internationalen Forschungsverbund Hirn-, Prostata- und Lymphgewebetumoren so eingehend wie nie zuvor untersucht. IBM einen Superrechner namens Watson, als Inbegriff der Künstlichen Intelligenz bekannt. Er sollte das Erbgut von jeweils 500 Patienten pro Projekt nach den für ihre Krankheit entscheidenden Mutationen durchforsten und in den Weiten der medizinischen Forschung nach geeigneten Therapien dafür suchen. Man habe in dem amerikanischen Konzern den „idealen Partner“ gefunden, um die „Schätze aus dem Datendschungel“ zu heben, frohlockte der DKFZ-Chef.

          Das war auf der Computermesse Cebit in Hannover, anno 2011. Herausgekommen ist: nichts. Es habe zwar viele Sitzungen mit den Leuten von IBM gegeben, heißt es aus Heidelberg, aber nur ein einziges konkretes, inhaltlich allerdings sehr überschaubares Pilotprojekt zur Übertragung großer Datenmengen. Über die Pilotphase ist dieses jedoch nie herausgekommen. Der Eindruck auf Seiten der Forscher: IBM sah die Vereinbarung vor allem als eine Vertriebsmöglichkeit für seine Produkte. Die aber passten nicht zum tatsächlichen medizinischen Bedarf. Der heutige DKFZ-Stiftungsvorstand Michael Baumann, dessen Vorgänger sich noch so viel davon versprochen hatte, die Watson-Technologie für die Entwicklung maßgeschneiderter Krebsbehandlungen zu nutzen, beschränkt sich nach außen auf eine nüchterne Tatsachenbeschreibung: „Der Rahmenvertrag ist ausgelaufen, ohne dass Geld an IBM geflossen ist.“

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          Häufige Fehlanalyse von Daten

          Die Schmach von Heidelberg ist für IBM und seine vermeintliche medizinische Wunderwaffe Watson kein Einzelfall. Im Gegenteil, zuletzt hagelte es gleich reihenweise Rückschläge. Die Krankenhauskette Rhön-Klinikum etwa wollte mit IBM im großen Stil Patientenakten und Arztbriefe digital erfassen. Watson sollte aus diesen Daten Vorschläge zur weiteren Behandlung herausfiltern. Die Zusammenarbeit wurde im vergangenen Jahr jedoch beendet, bevor sie richtig begonnen hatte. Die hinter vorgehaltener Hand vorgebrachten Berichte aus der Abteilung des Marburger Universitätsklinikums, in der Watson getestet worden war, hören sich nach „Pleiten, Pech und Pannen“ an. Die Technik sei jedenfalls nicht brauchbar für den Krankenhausalltag gewesen.

          Von IBM heißt es, man habe aus den abgebrochenen Allianzen und Projekten viel gelernt und glaube nach wie vor an den Erfolg von Watson im Gesundheitswesen. „In Pilotprojekten probieren eben beide Seiten etwas aus“, sagt eine Sprecherin. Auf Einzelfälle wolle man nicht eingehen. Aber mehr als 150 Krankenhäuser auf der Welt setzten das System heute ein, die Datenanalyse sei noch schneller und präziser geworden als in der Vergangenheit, mehr als 100.000 Patienten seien schon mit Watsons Hilfe behandelt worden.

          Die Krebsstation des größten dänischen Krankenhauses in Kopenhagen indes verzichtet inzwischen auf Watson. Dort berichteten Ärzte im vergangenen Jahr, das System habe in mehreren Fällen die Behandlung mit Medikamenten empfohlen, die für die Patienten nach ihrer Ansicht gefährlich gewesen wären. Jeder dritte Vorschlag des Computers sei daneben gewesen.

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