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Technik der Zukunft : Gewinnt China den Wettlauf in der Künstlichen Intelligenz?

Chinesen verwenden Handys schon für viel mehr Dinge als viele Menschen in den westlichen Ländern. Bild: AP

Schnellere Computer, mehr Daten und bessere Software machen Hoffnung auf Fortschritt in der Künstlichen Intelligenz. Ein China-Experte nennt nun einen einfachen Grund, warum die Volksrepublik die Nase vorne haben werde.

          Zwischen den Vereinigten Staaten und China läuft ein Wettlauf darum, wer Künstliche Intelligenz (KI) schneller entwickelt und auf mehr Feldern in praktische Anwendungen überführen kann. Manche wie der renommierte Politologe Ian Bremmer oder der Wagniskapitalgeber Jim Breyer sprechen von einem technischen kalten Krieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Eric Schmidt, lange Jahre Chef des Tech-Konzerns Google und immer noch Vorsitzender des Innovations-Beirats des amerikanischen Verteidigungsministeriums, mahnte schon im vergangenen Herbst: Wenn Amerika nicht mehr unternehme in der KI, werde das Land noch „über die nächsten fünf Jahre führend bleiben“, bevor China „extrem schnell“ aufholt. „Sie (die Chinesen) sind dabei, diese Technologie für kommerzielle und militärische Ziele zu verwenden, mit allen möglichen Folgen.“

          „In China gibt es kein ernsthaftes Gesetz, das Daten schützt“

          Dong Tao ist davon überzeugt, dass China am Ende in dieser Technologie dominieren wird. So sagte es der Manager der Credit Suisse in Asien gerade während einer Investorenkonferenz in Hongkong, berichtet der Finanzsender CNBC. Und er nennt auch einen konkreten Grund: In China gebe es keinen ernsthaften Datenschutz, dadurch seien die Unternehmen ziemlich frei. „Ich sagte nicht, dass die chinesischen Unternehmen besser sind als die amerikanischen Unternehmen. Ich sagte nicht, dass die chinesischen Ingenieure besser sind als die amerikanischen Ingenieure. Was China groß machen wird in der Künstlichen Intelligenz und in Big Data, das ist: In China gibt es kein ernsthaftes Gesetz, das Daten schützt.“

          Als Beispiel nannte er die zum Tech-Konzern Tencent gehörende App WeChat. „Sie verarbeitet 7 Milliarden Fotos am Tag – das ist eine massive Daten-Quelle. Sie werden einen Vorsprung in Bilderkennung haben.“

          Das funktioniert auch deshalb, weil die Chinesen zum Beispiel Handys und Apps vielfach häufiger und breiter einsetzen als Menschen in den westlichen Industrieländern. Beliebt ist etwa auch ein Kredit-Scoringsystem namens Sesame, das eine Tochtergesellschaft des Internetunternehmens Alibaba anbietet.

          Die Regierung in Peking wiederum hat noch ambitioniertere Pläne: Sie plant, in den kommenden Jahren landesweit einen Sozial-Score einzuführen, der sich aus dem Verhalten eines Chinesen ableitet. „Dieses System eignet sich sehr, um Menschen auf Linie zu halten und sozialen Dissens einzudampfen. Gemessen an seiner Macht wird es übrigens deutlich unterschätzt im Westen“, sagte Ian Bremmer unlängst dazu in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Tatsächlich sind die Voraussetzungen für Fortschritte in der KI in China generell gut, denn: Der Markt ist riesig. Von den ungefähr 1,4 Milliarden Chinesen nutzen 800 Millionen regelmäßig das Internet, der Markt für digitales Bezahlen sei beispielsweise fünfzig Mal so groß wie der amerikanische.

          Datenschutz im Westen

          Die Diskussion ist einerseits wichtig vor dem Hintergrund, dass derzeit gerade die amerikanische Regierung wohl kurz davor steht, Milliarden-Zölle auf Einfuhren auf China zu verhängen. Andererseits sind die großen Technologieunternehmen in den westlichen Ländern, allen voran das weltgrößte soziale Netzwerk Facebook, unter Druck geraten – gerade wegen des Umgangs auch mit persönlichen Daten, und wie sie Computererkenntnisse verwenden.

          Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat mittlerweile persönlich Stellung bezogen zu dem Daten-Skandal rund um das britische IT-Unternehmen Cambridge Analytica. Amerikanische Behörden untersuchen den Fall, britische ebenfalls. In Europa tritt im Mai die neue Datenschutzgrundverordnung (GDPR) in Kraft, in den Vereinigten Staaten warnt unlängst beispielsweise der Internetunternehmer Peter Thiel vor mehr Regulierung aus Washington für die großen Tech-Unternehmen.

          Doch zurück zu China: Abgesehen vom Handelsstreit und der Datenschutz-Diskussion macht schließlich in diesem Zusammenhang zunehmend die Frage die Runde, wie weit China eigentlich technologisch sei? Erstmals sind aus China in einem Jahr mehr wissenschaftliche Veröffentlichungen gekommen als aus jedem anderen Land der Welt, wie die amerikanische „National Science Foundation“ ausgerechnet hat. Ökonomen der amerikanischen Notenbank haben nun die Frage aufgeworfen, ob China nicht mittlerweile innovativer ist als Amerika. Die Forscher um Ana Maria Santacreu haben ausgerechnet, dass China mittlerweile mehr als 2 Prozent seiner Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt) für Forschung und Entwicklung ausgibt. In den Vereinigten Staaten ist der Anteil mit beinahe 2,8 Prozent zwar noch höher – allerdings hat er sich über die vergangenen 20 Jahre kaum verändert, während er sich in China nahezu vervierfachte.

          Außerdem haben die Forscher sich angesehen, wie viele Erfindungen amerikanische und chinesische Unternehmen patentieren lassen, und dabei festgestellt: Im Jahr 2015 lag die Zahl der chinesischen Patentanmeldungen um 90 Prozent oberhalb der amerikanischen. „Ein großer Teil des Anstiegs dürfte durch staatliche Subventionen in China getrieben sein“, schreiben die Forscher und schränken ein: „Man sollte die Qualität der Patente beachten, um bestimmen zu können, ob China wirklich der neue globale Innovationsführer ist.“

          Das ist tatsächlich eine große Unbekannte in dieser Diskussion. Allerdings zweifelt kaum jemand an der generellen Aussage, dass China technologisch in bestimmten wichtiger werdenden Feldern zusehends auf Augenhöhe mit den westlichen Industrieländern ist. Ein Unterschied zwischen Peking und Washington besteht übrigens auch hierin: Die chinesische Führung hat öffentlich häufig klargestellt, dass für sie das Thema Künstliche Intelligenz eine hohe Priorität hat. Im Sommer des vergangenen Jahres brachte sie einen KI-Plan auf den Weg mit dem Ziel, China zur technologisch führenden Nation zu machen bis zum Jahr 2030.

          Der Handyhersteller Huawei, der auch in der Entwicklung des nächsten Mobilfunkstandards 5G führend ist, macht großen Eindruck im Ausland. Gerade haben sogar die Chefs amerikanischer Geheimdienste vor dessen Handys gewarnt. Der amerikanische Präsident Trump untersagte die Übernahme des Technikunternehmens Qualcomm durch Broadcom auch deshalb.

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