https://www.faz.net/-gqe-98d54

Technik der Zukunft : Gewinnt China den Wettlauf in der Künstlichen Intelligenz?

Chinesen verwenden Handys schon für viel mehr Dinge als viele Menschen in den westlichen Ländern. Bild: AP

Schnellere Computer, mehr Daten und bessere Software machen Hoffnung auf Fortschritt in der Künstlichen Intelligenz. Ein China-Experte nennt nun einen einfachen Grund, warum die Volksrepublik die Nase vorne haben werde.

          Zwischen den Vereinigten Staaten und China läuft ein Wettlauf darum, wer Künstliche Intelligenz (KI) schneller entwickelt und auf mehr Feldern in praktische Anwendungen überführen kann. Manche wie der renommierte Politologe Ian Bremmer oder der Wagniskapitalgeber Jim Breyer sprechen von einem technischen kalten Krieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Eric Schmidt, lange Jahre Chef des Tech-Konzerns Google und immer noch Vorsitzender des Innovations-Beirats des amerikanischen Verteidigungsministeriums, mahnte schon im vergangenen Herbst: Wenn Amerika nicht mehr unternehme in der KI, werde das Land noch „über die nächsten fünf Jahre führend bleiben“, bevor China „extrem schnell“ aufholt. „Sie (die Chinesen) sind dabei, diese Technologie für kommerzielle und militärische Ziele zu verwenden, mit allen möglichen Folgen.“

          „In China gibt es kein ernsthaftes Gesetz, das Daten schützt“

          Dong Tao ist davon überzeugt, dass China am Ende in dieser Technologie dominieren wird. So sagte es der Manager der Credit Suisse in Asien gerade während einer Investorenkonferenz in Hongkong, berichtet der Finanzsender CNBC. Und er nennt auch einen konkreten Grund: In China gebe es keinen ernsthaften Datenschutz, dadurch seien die Unternehmen ziemlich frei. „Ich sagte nicht, dass die chinesischen Unternehmen besser sind als die amerikanischen Unternehmen. Ich sagte nicht, dass die chinesischen Ingenieure besser sind als die amerikanischen Ingenieure. Was China groß machen wird in der Künstlichen Intelligenz und in Big Data, das ist: In China gibt es kein ernsthaftes Gesetz, das Daten schützt.“

          Als Beispiel nannte er die zum Tech-Konzern Tencent gehörende App WeChat. „Sie verarbeitet 7 Milliarden Fotos am Tag – das ist eine massive Daten-Quelle. Sie werden einen Vorsprung in Bilderkennung haben.“

          Das funktioniert auch deshalb, weil die Chinesen zum Beispiel Handys und Apps vielfach häufiger und breiter einsetzen als Menschen in den westlichen Industrieländern. Beliebt ist etwa auch ein Kredit-Scoringsystem namens Sesame, das eine Tochtergesellschaft des Internetunternehmens Alibaba anbietet.

          Die Regierung in Peking wiederum hat noch ambitioniertere Pläne: Sie plant, in den kommenden Jahren landesweit einen Sozial-Score einzuführen, der sich aus dem Verhalten eines Chinesen ableitet. „Dieses System eignet sich sehr, um Menschen auf Linie zu halten und sozialen Dissens einzudampfen. Gemessen an seiner Macht wird es übrigens deutlich unterschätzt im Westen“, sagte Ian Bremmer unlängst dazu in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Tatsächlich sind die Voraussetzungen für Fortschritte in der KI in China generell gut, denn: Der Markt ist riesig. Von den ungefähr 1,4 Milliarden Chinesen nutzen 800 Millionen regelmäßig das Internet, der Markt für digitales Bezahlen sei beispielsweise fünfzig Mal so groß wie der amerikanische.

          Weitere Themen

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          Jeder hat sein Kreuz zu tragen: Matteo Salvini am Strand auf Sizilien.

          Italienische Regierung : Ohne den Segen des Papstes

          Italiens Innenminister Salvini gibt sich gerne als gläubiger Christ. Damit hat er den Zorn Franziskus’ auf sich gezogen – und am Ende auch den des scheidenden Ministerpräsidenten Conte.

          An Scholz’ Seite : Manchmal liegt das Glück ganz nah

          Das Rennen um den SPD-Vorsitz geht weiter: Wofür die Kandidatin an Scholz’ Seite steht – und wieso der erfolgsverwöhnte Niedersachse Stephan Weil plötzlich beschädigt ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.