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Technik der Zukunft : Gewinnt China den Wettlauf in der Künstlichen Intelligenz?

Datenschutz im Westen

Die Diskussion ist einerseits wichtig vor dem Hintergrund, dass derzeit gerade die amerikanische Regierung wohl kurz davor steht, Milliarden-Zölle auf Einfuhren auf China zu verhängen. Andererseits sind die großen Technologieunternehmen in den westlichen Ländern, allen voran das weltgrößte soziale Netzwerk Facebook, unter Druck geraten – gerade wegen des Umgangs auch mit persönlichen Daten, und wie sie Computererkenntnisse verwenden.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat mittlerweile persönlich Stellung bezogen zu dem Daten-Skandal rund um das britische IT-Unternehmen Cambridge Analytica. Amerikanische Behörden untersuchen den Fall, britische ebenfalls. In Europa tritt im Mai die neue Datenschutzgrundverordnung (GDPR) in Kraft, in den Vereinigten Staaten warnt unlängst beispielsweise der Internetunternehmer Peter Thiel vor mehr Regulierung aus Washington für die großen Tech-Unternehmen.

Doch zurück zu China: Abgesehen vom Handelsstreit und der Datenschutz-Diskussion macht schließlich in diesem Zusammenhang zunehmend die Frage die Runde, wie weit China eigentlich technologisch sei? Erstmals sind aus China in einem Jahr mehr wissenschaftliche Veröffentlichungen gekommen als aus jedem anderen Land der Welt, wie die amerikanische „National Science Foundation“ ausgerechnet hat. Ökonomen der amerikanischen Notenbank haben nun die Frage aufgeworfen, ob China nicht mittlerweile innovativer ist als Amerika. Die Forscher um Ana Maria Santacreu haben ausgerechnet, dass China mittlerweile mehr als 2 Prozent seiner Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt) für Forschung und Entwicklung ausgibt. In den Vereinigten Staaten ist der Anteil mit beinahe 2,8 Prozent zwar noch höher – allerdings hat er sich über die vergangenen 20 Jahre kaum verändert, während er sich in China nahezu vervierfachte.

Außerdem haben die Forscher sich angesehen, wie viele Erfindungen amerikanische und chinesische Unternehmen patentieren lassen, und dabei festgestellt: Im Jahr 2015 lag die Zahl der chinesischen Patentanmeldungen um 90 Prozent oberhalb der amerikanischen. „Ein großer Teil des Anstiegs dürfte durch staatliche Subventionen in China getrieben sein“, schreiben die Forscher und schränken ein: „Man sollte die Qualität der Patente beachten, um bestimmen zu können, ob China wirklich der neue globale Innovationsführer ist.“

Das ist tatsächlich eine große Unbekannte in dieser Diskussion. Allerdings zweifelt kaum jemand an der generellen Aussage, dass China technologisch in bestimmten wichtiger werdenden Feldern zusehends auf Augenhöhe mit den westlichen Industrieländern ist. Ein Unterschied zwischen Peking und Washington besteht übrigens auch hierin: Die chinesische Führung hat öffentlich häufig klargestellt, dass für sie das Thema Künstliche Intelligenz eine hohe Priorität hat. Im Sommer des vergangenen Jahres brachte sie einen KI-Plan auf den Weg mit dem Ziel, China zur technologisch führenden Nation zu machen bis zum Jahr 2030.

Der Handyhersteller Huawei, der auch in der Entwicklung des nächsten Mobilfunkstandards 5G führend ist, macht großen Eindruck im Ausland. Gerade haben sogar die Chefs amerikanischer Geheimdienste vor dessen Handys gewarnt. Der amerikanische Präsident Trump untersagte die Übernahme des Technikunternehmens Qualcomm durch Broadcom auch deshalb.

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