https://www.faz.net/-gqe-9be4u

Der IBM Debater mit seinem Erschaffer, Noam Slonim. Bild: AP

IBM Debater : Dieser Computer kann diskutieren

  • Aktualisiert am

Debattieren wie ein Mensch, Argumentieren wie ein Profi – das bringt IBM gerade einem Computerprogramm bei. Nach sechs Jahren funktioniert der Computer. Aber er hat noch seine Schwächen.

          1 Min.

          Sollte der Staat Geld ausgeben, um Leute in den Weltraum zu schießen und dort zu forschen? Diese Frage kann jetzt auch ein Computer erörtern – zumindest ansatzweise. IBM hat eine Software namens „Debater“ vorgestellt, die eine Diskussion mit einem Menschen austragen kann.

          In einer Schaudebatte trat Debater am Montag in San Francisco gegen eine israelische Debattiermeisterin an. „Ich glaube, mein Gegner hat auch das Argument gebracht, dass es wichtigere Zwecke für das Geld gebe als die Erforschung des Weltraums“, sagte der Computer. „Es ist sehr leicht zu sagen, dass es wichtigere Zwecke für das Geld gebe, und ich bestreite das. Niemand behauptet, dass das der einzige Eintrag auf unserer Ausgabenliste ist.“

          Noch klingt die Argumentation nicht richtig flüssig. Noch braucht der Computer einige Minuten, um die Diskussionsbeiträge seines Gegners zu analysieren. Und noch sind die Entwickler vor allem froh darum, dass praktisch jeder Satz des Computers die eigene These unterstützt, statt ihr zu widersprechen. Die Entwicklung geht allerdings an vielen Stellen in die Richtung, dass Computer lernen, wie Menschen zu sprechen. Google hat kürzlich ein System namens „Duplex“ vorgestellt, das Friseurtermine vereinbaren und Tische im Restaurant reservieren kann. Spezielle Chatbots verhalten sich schon fast wie gute Freunde.

          Der Debater macht sogar Witze

          Auch IBMs Debater war nicht nur langweilig anzuhören. Er machte den einen oder anderen Witz und probierte auszunutzen, dass Menschen ihre Kinder mögen, wie das Online-Magazin „The Verge“ berichtet. Der Computer zitierte sogar seine Quellen, die er aus Hunderttausenden von Presseartikeln, Webseiten und Wikipedia-Einträgen gewann.

          Die Demonstration zeigte den Zwischenstand eines Projektes, das seit sechs Jahren läuft. Nachdem der IBM-Computer Watson die amerikanische Quizshow „Jeopardy“ gewonnen hatte, hatten sich die Entwickler dieses Projekt vorgenommen. Das Entwicklungsziel ist deutlich: Debater soll eines Tages in der Lage sein, Menschen Informationen in Form eines Plädoyers zu präsentieren, so dass er ihnen beim Entscheiden hilft. Ob die Entwicklung da stehen bleibt – unklar.

          Ob Debater in der Praxis aber auch das hält, was er bei Demonstrationsterminen verspricht, ist ebenfalls unklar. Watson wurde nach seinem Jeopardy-Sieg unter anderem von Ärzten zur Diagnose eingesetzt, zum Beispiel beim Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Auch die Krankenhauskette Rhön-Klinikum wollte sich von Watson Behandlungsvorschläge machen lassen. Eine F.A.S.-Recherche allerdings zeigte vor zwei Wochen: Für den Krankenhaus-Alltag war das System unbrauchbar.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Bild, das um die Welt ging: Wassermassen bahnen sich am 16. Juli ihren Weg durch den Erftstädter Stadtteil Blessem.

          Flutopfer in Erftstadt : Bangen an der Abbruchkante

          In Blessem sind die Bewohner nach der Flutkatastrophe noch immer mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Viele stehen vor dem Nichts und fürchten: Was ist, wenn man uns Flutopfer vergisst?
          Kristina Timanowskaja am Sonntag am Flughafen mit einem Polizisten

          Kidnapping bei Olympia? : Der Fall der Belarussin Kristina Timanowskaja

          Kristina Timanowskaja soll plötzlich aus Tokio abreisen. Liegt es an Kritik der Sportlerin aus Belarus? Das IOC fordert eine Erklärung für den Vorfall, den Timanowskaja als Kidnapping bezeichnet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.