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Neue Technik : Roboter, fahr du voran!

Bild: F.A.Z., Jan Roeder

Künstliche Intelligenz ersetzt den Fahrer im Auto. Eine Probefahrt durch Bayern.

          Die Künstliche Intelligenz breitet sich aus, aber nur selten verbreitet sie so viel Argwohn wie im Straßenverkehr. Dort sorgen spektakuläre Unfälle von selbstfahrenden Autos wie jüngst von Uber oder Tesla für Furore. Noch immer sind nur wenige Menschen dazu bereit, die Hoheit über das Steuer abzugeben, dabei klingen die Zukunftsvisionen in kaum einem Bereich so vielversprechend: weniger Unfälle und Staus, dafür haben die Insassen mehr Gelegenheit, während der Fahrt zu arbeiten oder zu entspannen. Aber ist die neue Technik wirklich so toll? Und wie sicher ist sie?

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das will ich wissen und starte zu einer Testfahrt mit einem Audi in Ingolstadt. Dafür wird mir der Oberklassewagen A7 bereitgestellt. Nichts deutet von außen darauf hin, dass dieses Auto etwas ganz Besonderes ist. Die Zukunft kommt hier noch ziemlich konventionell daher. Nur der Aufdruck „piloted driving“ auf der Tür lässt mehr erahnen: Es handelt sich um einen Testwagen, der pilotiert fahren kann, also teilweise selbständig. Die Techniker haben ihm den Namen Jack gegeben.

          Steuergerät im Kofferraum

          Auch im Inneren unterscheidet ihn fast nichts von einem normalen A7. Vor allem hat er noch ein Lenkrad. Das braucht er auch, denn selbständig fährt Jack nur auf der Autobahn. In der Expertensprache ist das Pilotierung auf Level 3. In der Stadt und auf Landstraßen, wo die Gefahrenquellen viel häufiger als auf der Autobahn sind, hat weiter der Fahrer das Kommando. Bis auch hierfür selbstfahrende Autos zu kaufen sein werden, die völlig autonom ohne menschliche Eingriffe und ohne Lenkrad fahren (Level 5), wird es noch lange dauern.

          An ein paar Details lässt sich bei genauerem Hinsehen erkennen, dass der Testwagen kein normaler Audi ist. Ein kleiner Bildschirm in Kreditkartengröße in der Mitte über den Lüftungsschlitzen zeigt die Fahrmanöver des Autos an. Das soll die Mitfahrer beruhigen. Unter der Oberfläche wurde der Wagen ordentlich aufgerüstet. Kleine Radarsensoren an den Ecken, Ultraschallsensoren und eine Kamera vorne, Laserscanner vorne und hinten überwachen den ganzen Straßenraum um das Auto herum. Sie blicken bis zu 250 Meter nach vorne und lesen Verkehrsschilder und Fahrbahnmarkierungen.

          Im Kofferraum führt ein Steuergerät, das später einmal nur noch die Größe eines Tablet-Computers haben wird, alle Informationen zusammen und gibt Fahrbefehle an das Auto. In der Serienfertigung werden zudem auch sicherheitsrelevante Teile wie die Bremsen doppelt vorhanden sein müssen, falls ein System ausfällt. Mehrere hunderttausend Euro ist dieser Testwagen wert, später in der Serienfertigung soll der Wagen mit teilautonomer Fahrfunktion hingegen nur einige tausend Euro mehr als ein herkömmliches Fahrzeug kosten.

          130 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit

          Jetzt beginnt die Testfahrt. Bis zur Autobahn fährt sich das Fahrzeug wie jedes herkömmliche auch. Ich biege auf die Autobahn Richtung Nürnberg ein, die Pilotfunktion beginnt zu arbeiten. Erst prüft sie den umliegenden Verkehr. Nach knapp 30 Sekunden zeigt sie Einsatzbereitschaft: „Pilotfunktion steht zur Verfügung“ steht im Display neben der Tachoanzeige, ein Gong ertönt, in der Windschutzscheibe leuchtet in der linken, unteren Hälfte zusätzlich eine grüne Lichtleiste, auf dem Navigationsgerät färbt sich die eingezeichnete Autobahn grün. Zwei Tasten am Lenkrad gedrückt und Fuß vom Gaspedal, schon bin ich überflüssig: Das Auto hat die Kontrolle übernommen.

          Um mir das zu zeigen, fährt sich das Lenkrad ein paar Zentimeter in die Säule ein, die Lichtleiste in der Windschutzscheibe leuchtet nun durchgehend grün – auch in der rechten Hälfte. Das Display am Tacho sagt: „Pilotfunktion aktiv“. Ich muss jetzt auch meine Hände vom Lenkrad nehmen, es soll schließlich klar sein, wer gerade fährt, der Computer oder ich.

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