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Künstliche Intelligenz : Das ganz alleine fahrende Auto

„Technisch ist das sowieso möglich, beziehungsweise fehlt nicht mehr viel. Die Frage ist eher: Wer erlaubt das als Erstes, wer traut sich?“, schränkt DFKI-Fachmann Müller ein. Und meint damit vornehmlich die Methoden der Künstlichen Intelligenz, die dafür erforderlich sind, und die Daten, die es braucht, um die schlauen Computerprogramme zu „trainieren“. Die beteiligten Unternehmen lassen sich mittlerweile darauf ein, dass viel an Simulatoren geschehen wird, wie das auch Waymo macht. „Die Industrie akzeptiert, dass wir nicht um synthetische Daten herumkommen, um den Autos das autonome Fahren beizubringen.“

Es gehe mittlerweile nämlich auch nicht mehr darum, in normalen Verkehrsverhältnissen „noch eine Million Kilometer mehr Fahrerfahrung zu sammeln oder zwei“, so Müller: „Entscheidend sind die kritischen Verkehrssituationen, die selten vorkommen und über die es bislang darum nicht viele Daten gibt.“ In diesem Bereich ist die deutsche Autoindustrie seiner Ansicht nach übrigens voll auf Augenhöhe mit den Technik-Profis von Google – nur teile sie weniger öffentlichkeitswirksam jeden weiteren Schritt nach vorn mit.

In Deutschland wird gleichwohl genau verfolgt, was Waymo von seinen selbst fahrenden Autos zeigt, zum Beispiel in Stuttgart. In dem Vorläuferauto von Google, damals noch eine Art Knutschkugel, steckte viel Technik von Bosch, von Sensoren über Radartechnik bis hin zur Leistungselektronik. Inzwischen ist Bosch selbst vorn mit dabei, das autonome Fahren zu erforschen: Seit April existiert offiziell eine Entwicklungspartnerschaft mit dem Autohersteller Daimler – und schon heute ist eine Flotte Testwagen autonom unterwegs, in Kalifornien und in der Region Stuttgart.

„One more Weihnachtsgeschenk“ schrieben die Daimler-Presseleute erkennbar beglückt über eine Mitteilung vom 30. Dezember des vergangenen Jahres, in der darüber berichtet wurde, dass das Regierungspräsidium Stuttgart voll autonomes Fahren auf öffentlichen Straßen erlaubt, um die Technik zu erproben. Die Testwagen fallen nicht großartig auf. Ganz ohne Fahrer nämlich fahren die Mercedes-Autos nicht. „Aus Sicherheitsgründen“ müssen immer zwei speziell geschulte Fahrer im Auto sitzen. Was diese dann konkret tun, ist damit noch nicht gesagt. Notaus-Knöpfe lassen sich auch von der Rückbank betätigen. Aber, so wird seitens des Unternehmens betont, die Mercedes-Entwickler sind ja am Arbeiten, während sie im Auto sitzen.

Wer jetzt wirklich weiter ist mit seiner Entwicklungsarbeit, will man bei Daimler nicht abschätzen. Während von Waymo überhaupt nicht bekannt sei, an wen und zu welchem Preis welches System für autonomes Fahren verkauft werden könnte, lautet der klare Plan des Duos Bosch-Daimler, Anfang der 2020er Jahre ein System für autonome Fahrzeuge serienreif zu haben. Erster Anwendungsfall soll eine Art Taxi-Service sein, eine Weiterentwicklung des heutigen Car2Go-Prinzips, das kurzfristige Autonutzung gewährleistet.

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