https://www.faz.net/-gqe-94lbb

Künstliche Intelligenz : Schlauer Computer spielt Weltklasse-Schach – nach nur vier Stunden

„Rechtes Alsterufer gegen Linkes Alsterufer“ ist das größte Schulschachturnier der Welt. Bild: dpa

Go, Schach, Shogi: Ein zu Google gehörendes Unternehmen hat nun eine Künstliche Intelligenz erfunden, die in mehreren bekannten Brettspielen zugleich die Besten der Welt besiegt hat. Darum geht es.

          Künstliche Intelligenz (KI) ist mitunter schwer greifbar. Wirklich anschaulich wird der Fortschritt in dieser Technologie aber zum Beispiel immer dann, wenn ein schlaues Computerprogramm in einem bekannten Spiel die besten menschlichen Spieler schlägt. Als der Computer Deep Blue etwa im Jahr 1997 den damaligen langjährigen Schachweltmeister Garry Kasparow besiegte, machte das Schlagzeilen. Mittlerweile sind die Computer noch viel weiter: Der IBM-Rechner Watson gewann das beliebte Quizformat Jeopardy, Forscher der Carnegie Mellon University in Pittsburgh erdachten eine Software, die einige der besten Pokerspieler der Welt besiegte.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Mitarbeiter der zum amerikanischen Technologiekonzern Alphabet (Google) gehörenden KI-Unternehmung Deepmind haben bereits mehrmals durch schlaue Computerprogramme, die bahnbrechende Erfolge im traditionsreichen chinesischen Brettspiel Go erzielten, auf sich aufmerksam gemacht. Sie bezwangen nicht nur die besten menschlichen Go-Spieler der Welt. Zuletzt stellten sie auch eine Programm-Variante vor, die sich das Spiel nahezu komplett selbst aneignete. Die Forscher erklärten „AlphaGo-Zero“, wie sie das Programm nennen, schlicht die Spielregeln. Von da an spielte das Programm gegen sich selbst und brachte sich innerhalb weniger Tage damit auf ein Spielniveau, welches das vorangegangene Programm in den Schatten stellte – nach nur drei Tagen Lernen.

          „Nicht mehr vom Menschen begrenzt“

          Nun sind sie offenkundig noch einen Schritt weiter vorangekommen: Eigenen Angaben zufolge haben sie ein schlaues Computerprogramm kreiert, das sie schlicht „Alpha Zero“ nennen, und das nicht nur in einem, sondern in drei Brettspielen zugleich übermenschliche Fähigkeiten erlangt hat – und in Duellen die jeweils besten bisher existierenden Computerprogramme schlug.

          „Wir haben unseren Ansatz verallgemeinert in einen einzelnen Algorithmus, der übermenschliche Leistungen in vielen herausfordernden Gebieten erreicht“, schreiben die Deepmind-Mitarbeiter in einem Arbeitspapier, das sie auf der Internetseite Arxiv.org veröffentlicht haben (hier, auf Englisch). Demnach hat sich die Software innerhalb von nur 24 Stunden so viel Wissen und Können angeeignet, dass sie in allen drei Spielen die führenden Computerprogramme ausstach – im Schach dauerte es demzufolge nur vier Stunden.

          Das Ergebnis – zumal im Schach – ist eindeutig ausgefallen. „Alpha Zero“ spielte gegen das führende und von Spitzenspielern vielfach verwendete Programm Stockfish – von den hundert gespielten Partien gewann „Alpha Zero“ 28. 72 endeten Remis, Niederlagen musste die neue Software keine einzige einstecken. In den beiden anderen Spielen Go und der japanischen Schachvariante Shogi waren die Ergebnisse knapper.

          Zugleich scheint auch die jeweilige unterstützende Computer-Rechenleistung der Kontrahenten ähnlich gewesen zu sein, zumindest während der Spielphase. Insgesamt hat Deepmind aber mit der eingesetzten Hardware aufgerüstet. Die Vorgängerversion „AlphaGo Zero“ haben die Mitarbeiter den Angaben im Arbeitspapier zufolge noch mit sogenannten GPU-Prozessoren angelernt und spielen lassen. Diesmal verwendeten sie eigens von Google konstruierte TPUs, das steht für Tensor Processing Unit und knüpft namentlich an die im Internet frei zugängliche KI-Plattform Tensorflow an, die Google aufgebaut hat und betreibt.

          Die TPUs sind extra dafür gemacht, die im Rahmen von Maschinellem Lernen oder Künstlicher Intelligenz nötigen Rechenschritte besonders schnell durchführen zu können - ebenso wie die GPUs, die derzeit vor allem das amerikanische Unternehmen Nvidia vorantreibt und verkauft. Über die TPUs ranken sich wiederum einige Spekulationen, besonders um die neue zweite Generation. Nach Angaben von Google sollen sie deutlich leistungsfähiger sein als GPUs und effizienter, wenn es um den Energieverbrauch geht.

          Die technische Seite ist in solchen Wettstreits und in der Künstlichen Intelligenz insgesamt nie zu vernachlässigen. Der Fortschritt auch der vergangenen Jahre liegt nicht nur an verbesserten Lern-Algorithmen, sondern auch an schnelleren Rechnern und gestiegenen verfügbaren Datenmengen.

          Demis Hassabis, der selbst Schach spielt und Deepmind mitgründete, hob schon infolge der Vorstellung der Version „AlphaGo Zero“ hervor, dass sie so stark spiele, weil sie „nicht länger eingeschränkt ist durch die Grenzen des menschlichen Wissens“. Nun teilte er über den Kurznachrichtendienst Twitter auf die Frage, ob denn wenigsten bestimmte Schacheröffnungen dem neuen Programm bekannt gewesen seien, mit: „Nein, keine Eröffnungsbücher, keine Endspieldatenbank (...) gar nichts.“

          Weitere Themen

          Wie China zur Industrie-Supermacht werden will Video-Seite öffnen

          Asien in Zahlen – Teil 3 : Wie China zur Industrie-Supermacht werden will

          China will zu den stärksten Wirtschaftsmächten der Welt aufschließen. Die Regierung hat deshalb einen ambitionierten Plan aufgelegt, der das Land auch technologisch an die Spitze bringen soll. Im Rest der Welt ist „Made in China 2025“ umstritten.

          Jetzt soll Brüssel den Brexit retten

          Theresa May : Jetzt soll Brüssel den Brexit retten

          Die britische Premierministerin Theresa May hat den Aufstand in ihrer Fraktion überstanden. Auf dem Brexit-Gipfel erhofft sie sich nun Unterstützung der EU. Doch die Lage ist verzwickt.

          Neues Angebot für die Deutsche Bahn Video-Seite öffnen

          Im Tarifstreit : Neues Angebot für die Deutsche Bahn

          Nach dem bundesweiten Streik zu Wochenbeginn ringen die Deutsche Bahn und die Gewerkschaften weiter um eine Einigung im Tarifstreit für die 160.000 Beschäftigten. Nun soll ein neues, verbessertes Angebot vorgelegt werden.

          Topmeldungen

          Brexit-Gegner demonstrieren am Mittwochabend vor dem Parlament in London, während Premierministerin May ein Misstrauensvotum ihrer Partei bestehen muss.

          Misstrauensvotum überstanden : Atemluft für May

          Totgesagte leben länger, so auch Theresa May. Nachdem die Premierministerin das Misstrauensvotum aus ihrer eigenen Partei überstanden hat, kann sie mit mehr Autorität in die Verhandlungen mit Brüssel gehen. Schafft sie noch den großen Deal?
          Diskussion bei Sandra Maischberger

          TV-Kritik: Sandra Maischberger : Das Jahr der Frauen

          Mit ihrem obligatorischen Jahresrückblick verabschiedete sich Sandra Maischberger in die Weihnachtspause. Es ging um Fussball und Politik, aber vor allem um ein Lebensgefühl. Darüber durften sogar Männer diskutieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.