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Künstliche Befruchtung : Geschäfte aus der Retorte

Kliniken in Barcelona, Valencia und Alicante locken deutsche Paare vor allem mit der Möglichkeit der Eizellenspende. Die Spanier suchen die Spenderinnen selbst aus, im Schnitt sind die Frauen 26 Jahre alt, haben verschiedene Gesundheitstests bestanden, sind der Empfängerin der Eizelle einigermaßen ähnlich – und brauchen Geld. 900 Euro bezahlt die spanische Klinikgruppe Institutocefer den Spenderinnen pro Spende.

Belgien Vorreiter bei Reproduktionsmedizin

Weltweit kristallisieren sich Zentren heraus, die sich auf bestimmte Behandlungswünsche und „Kundengruppen“ spezialisieren. Kopenhagen ist für lesbische Paare und Single-Frauen attraktiv, Belgien gehört zu den Ländern mit der fortschrittlichsten Reproduktionsmedizin. Dort dürfen die Embryonen sorgfältig untersucht und nur die geeigneten eingesetzt werden.

In Brüssel forscht und praktiziert Europas bekanntester Reproduktionsmediziner Paul Devroey, dessen Forschungsgruppe die ICSI-Methode (sprich: ixi) entwickelt hat, bei der die Eizelle durch Injektion eines einzigen Spermiums befruchtet wird. Das ist auch in Deutschland erlaubt und Routine. Doch werden im Ausland nach diesem Verfahren parallel mehrere Embryonen gezeugt - wobei dann einer in die Gebärmutter der Frau eingepflanzt wird, während die übrigen eingefroren und später zum Beispiel zur Adoption vorgesehen werden können, was in Deutschland nicht geht.

Die Adoption von eingefrorenen und von den Paaren nicht mehr verwendeten Embryonen entwickelt sich vor allem in den Vereinigten Staaten zu einem neuen Geschäftsfeld. Christliche Organisationen engagieren sich hier: Sie retten so überzählige Embryonen.

Osteuropa lockt mit Möglichkeiten

Deutschlands osteuropäische Nachbarn bringen neben lockerer Handhabung auch noch den niedrigen Preis ins Spiel. Deutsche Agenturen vermitteln Paare zum Beispiel nach Prag, nach Brünn, nach Moskau oder Bratislava, die gleichen Agenturen organisieren oft auch Schönheits-Operationen in Osteuropa.

Es gilt die Faustformel: Je weiter weg vom deutschen Rechtsgebiet, desto mehr wird möglich. In der Ukraine werden kommerzielle Leihmutterschaften vermittelt, was in den meisten europäischen Ländern verboten ist. Eine junge gesunde Frau bekommt eine befruchtete Eizelle eingepflanzt und trägt das Kind aus. Die ukrainischen Frauen bekommen, wenn es regulär läuft, bis zu 10 000 Euro für die Dienstleistung, die unfruchtbaren Paare müssen rund das Doppelte aufwenden.

Leidensdruck lässt weite Wege gehen

Warum ist das so ein großes Geschäft? „Der Leidensdruck der Paare ist groß. Sie sind bereit, viel zu tun und weite Wege zu gehen“, sagt der Münchner Mediziner Kupka - nach Amerika, wenn das Geld reicht, nach Südafrika, nach Zypern, nach Israel oder nach Indien, das mit englischsprachigen Ärzten, niedrigen Preisen und einer unkonventionellen Herangehensweise lockt. Von dort wird auch ein Fall globaler Arbeitsteilung gemeldet, der einem den Atem verschlägt. Es ist die Geschichte von Nicole und Scott Brown aus Florida. Das hatte sich nach gescheiterter In-Vitro-Fertilisierung (Befruchtung im Reagenzglas) auf Weltreise begeben, um eine geeignete Eizellenspenderin zu finden.

Das Paar besuchte Argentinien, Griechenland und Vietnam, wo es fündig wurde. Allerdings waren die Browns unzufrieden mit der medizinischen Versorgung. Deshalb landeten die Amerikaner schließlich mit der Vietnamesin im Schlepptau in Indien, wo in einer Klinik in Mumbai am Ende die gespendete Eizelle mit dem Samen des Mannes befruchtet und der entwickelte Embryo eingesetzt wurde.

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