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Künftiger RWE-Chef Peter Terium : „Wir glauben nicht, dass man sich seine Zukunft kaufen kann“

  • Aktualisiert am

Peter Terium Bild: Schoepal, Edgar

Erst im Juli ist Chefwechsel bei RWE. Aber der Niederländer Peter Terium verliert schon jetzt keine Zeit. Ein Effizienzprogramm soll den Energieversorger fit machen.

          7 Min.

          Herr Terium, wie haben Sie die erste Februarhälfte mit dem hartnäckigen Frost erlebt?

          Diese Tage waren gut für das Geschäft. Und vor allem waren sie spannend, was die Systemsicherheit angeht. Ganz ohne Probleme ging das nicht. Aber am Ende hat das Netz gehalten.

          Wie knapp war es eigentlich? Es ist nach der Abschaltung von Kernkraftwerken befürchtet worden, dass dieser Winter zur Nagelprobe für die Stromversorgung wird. Nun konnte Deutschland in klirrender Kälte zeitweise sogar noch Strom nach Frankreich exportieren.

          Phasenweise. Das ist ja der Punkt. Die Schwierigkeit ist nicht, dass es gutgeht, sondern dass es immer gutgehen muss, auch ohne Sonne in der zweiten Verbrauchsspitze am späten Nachmittag. Alle Kraftwerke in Deutschland liefen. In Frankreich gab es die höchste Verfügbarkeit von Kernkraftwerken seit langem. Wollen wir der Volkswirtschaft solche Gratwanderungen dauerhaft zumuten?

          Was konnte man in den kalten Tagen lernen, wo sehen Sie dringenden Handlungsbedarf?

          Es gibt einige Dinge, die unbedingt erledigt werden müssen, und ein oder zwei Sachen, die man tunlichst sein lassen sollte. So muss sich die Bundesregierung Gedanken über das Erneuerbare-Energien-Gesetz machen. Dieses EEG war bisher gut, hat bis zu 25 Prozent Erneuerbare in das System gebracht. Ich bezweifle allerdings, dass es in der heutigen Form das richtige Element ist, um den Marktumbau auf bis zu 80 Prozent Regenerative zu begleiten. Auch hier brauchen wir mehr Effizienz.

          Wo drückt es noch?

          Mit dem Einzug von Mikrokraftwerken im Keller und noch mehr Solarpaneelen auf den Dächern wird es immer mehr Produzenten geben, weit verteilt in der Fläche. Das deutsche Stromnetz ist dafür noch nicht ausreichend ausgelegt. Investitionen in ein intelligentes Stromnetz haben für mich deshalb höchste Priorität.

          Was sollte dagegen unterbleiben? Was war das Ziel der Energiewende?

          Nur vordergründig ging es im vergangenen Frühsommer um die Verringerung von CO2-Emissionen. Der Kernenergieausstieg war der Antreiber für die Energiewende. Und als Ersatz für die Kernenergie sollen die Erneuerbaren gestärkt werden. Wenn die Bevölkerung keinen Kernenergiestrom mehr will, ist das eine gefühlte Wahrheit, der Politiker in einer Demokratie folgen.

          Was folgt daraus?

          Im Zuge der Energiewende soll der Stromverbrauch bis zum Jahr 2050 durch Energieeffizienz um 25 Prozent gesenkt werden. Außerdem soll dann mehr als ein Fünftel des Stroms importiert werden. Die restlichen rund 50 Prozent des heutigen Stromverbrauchs sollen 2050 zu 80 Prozent aus regenerativen Quellen gedeckt werden. Alle drei Ziele sind sehr ambitioniert, an der einfachen Umsetzbarkeit bestehen Zweifel. Nur habe ich nichts davon, wenn ich der Politik hier immer widerspreche.

          Im Gegenteil. RWE leidet doch unter dieser Energiewende.

          Man muss alles in der richtigen Perspektive sehen. RWE ist kein notleidendes, sondern immer noch ein sehr starkes Unternehmen. Das sehen auch unsere Aktionäre. Die aktuelle Dividendenrendite schlägt jede gute Staatsanleihe.

          Aber der Konzern hat im Augenblick gewaltige Ertragsprobleme mit Atomstrom und Erdgas.

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