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Streit um Finanzpolitik : Krugman gegen Summers

Streitbarer Nobelpreisträger: Paul Krugman Bild: dpa

Die amerikanische Regierung bringt ein gewaltiges Hilfsprogramm auf den Weg. Der bekannte Nobelpreisträger und ein früherer Finanzminister streiten über die Folgen.

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          Streit unter Spitzenökonomen: Der Harvard-Professor Larry Summers hat in einer Diskussion mit dem Nobelpreisträger und Kolumnisten Paul Krugman die Kritik am geplanten 1,9 Billionen Dollar schweren Rettungsprogramm der neuen amerikanischen Regierung bekräftigt. Er hält den Umfang des Programms um rund eine Billion Dollar zu hoch.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Weder sei eine Stütze in der Größe nötig, noch sei sie sinnvoll. Summers, der als Finanzminister unter dem demokratischen Präsidenten Bill Clinton gedient hatte, fürchtet Inflation - und dass die finanzielle Konditionen nach  dem Rettungsprogramm wenig Spielraum für das zentrale Element der Agenda des Präsidenten Joe Biden lassen:  Ein  großes Infrastrukturprogamm, das die amerikanische Volkswirtschaft moderner und klimafreundlich macht.

          Paul Krugman verteidigte indes das Programm der Regierung. Er sieht zwar, dass die staatlichen Hilfen außergewöhnlichen großzügig ausfallen und zum Teil auch Leuten zu Gute kommt, die das Geld nicht brauchen. Er befürchtet aber nicht, dass das Programm Inflation auslöst. Große Teile  des Programm dienten dem  Kampf gegen Covid  und der Hilfe der Personen, die große Teile ihres Einkommen verloren haben.

          Politische Gründe

          Krugman räumte ein, dass Politik ein zentraler Faktor dafür sei, dass das Programm ungefähr in der Größenordnung verabschiedet werde. Die Demokraten sähen es als historischen Fehler an, dass sie nach der schweren Finanzkrise 2008 nicht ein größeres Paket zur Stützung der Konjunktur durchsetzen konnten. Krugman gab auch zu, dass vor allem die Schecks in Höhe von 1400 für jedes Haushaltmitglied schwer zu rechtfertigen seien. Doch die Schecks seien ungeheuer populär und zudem ein Wahlversprechen, mit dem die Demokraten in den Nachwahlen in Georgia die Mehrheit im Senat sicher konnten.

          Summers wiederum wehrt sich nicht grundsätzlich gegen die Höhe der zusätzlichen Staatsausgaben. Er wendet sich dagegen, dass sie nicht für öffentliche Investitionen verwendet werden. Und er fürchtet zudem, dass das Rettungspaket die gesamtwirtschaftliche Nachfrage in einer Weise beflügelt, dass die Notenbank Federal Reserve bremsend einschreiten müsse.

          Summers machte auch klar, dass ihm das Vertrauen in die Fähigkeit der Federal Reserve  fehle, eine sanfte Landung der Konjunktur zu garantieren. Er sieht nicht ein, ein solches Risiko einzugehen, wenn die Wirtschaft auch ohne zusätzliche Finanzspritze voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2021 boomen werde.

          Summer Rechnung geht so: Der aggregierte monatliche Einkommensverlust der Amerikaner beläuft sich auf 25 Milliarden Dollar. Das Rettungspaket inklusive Arbeitslosenhilfe, Steuerprivilegien für Kinder und  die Schecks addiere sich im Monat auf rund 100 Milliarden Dollar zusammen, viermal mehr, als die eigentlichen Einbußen. Dazu komme, dass dieses zusätzliche Einkommen anders als klassisches Vermögen vermutlich schnell ausgegeben werde, sobald es wieder möglich sei. Das erhöhe den Nachfragedruck.

          Wie die Leute einen Teil der „Stimi“ genannten Schecks ausgeben, zeige sich an der Amateuranleger-Hausse, in der private Investoren spezielle Aktien wie etwa Gamestopn  in nie da gewesene Höhen getrieben habe. Summers stellte aber auch  klar, dass er ein entschlossenes Programm zu Bekämpfung der Pandemie und zur Ertüchtigung der Schulen für Präsenzunterricht ebenso unterstütze wie das Geld für die Opfer der Pandemie.  

          Krugman hat dagegen Zuversicht in die Fähigkeit der Fed, die heiß laufende Konjunktur in einer sanften unschädlichen Weise zu bremsen. Wie Summers befürwortet er ein ambitioniertes Infrastrukturprogramm. Das werde weder an der Inflation scheitern, noch an einer zu heiß laufenden Nachfrage. Das Programm hänge allein vom politischen Willen ab. Die Republikaner müssten überzeugt werden, dass staatliche Investitionen sinnvoll sein können. Das Streitgespräch moderierte der Princeton-Ökonom Markus Brunnermeier.

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