https://www.faz.net/-gqe-ae9kb

Viel Ärger um Riesenprojekt : Chinesen bauen Brücke in Kroatien, die EU zahlt

Die Peljesac-Brücke ist 2,4 Kilometer lang. Bild: via REUTERS

Kroatiens größtes Infrastrukturvorhaben ist fertig. Die EU hat die 2,4 Kilometer lange Brücke weitgehend bezahlt, die China gebaut hat. Richtig nutzen kann man sie aber noch nicht.

          2 Min.

          Wer am östlichen Adria-Ufer hinab ins kroatische Dubrovnik fahren will, der verlässt für einen kurzen Moment die EU. Denn ein paar Kilometer des Küstenstreifens gehören zu Bosnien-Hercegovina. Allerdings kann sich, wer vorher auf die Halbinsel Peljesac übersetzt, den Grenzübertritt auf der Fahrt nach Süden ersparen. Künftig geht das besonders einfach, denn ab jetzt verbindet eine für den Tourismus wichtige Brücke das kroatische Festland mit der vorgelagerten Halbinsel.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Nach dreijähriger Bauzeit wurde dieser Tage das letzte Teilstück der 2,4 Kilometer langen zweispurigen Peljesac-Brücke montiert. Sie ruht auf sechs 33 Meter hohen Betonpylonen und besteht aus 13 Teilstücken, von denen die fünf längsten je 285 Meter überspannen. Das Bauwerk ist das größte Infrastrukturvorhaben Kroatiens und eines der größten Brückenbauprojekte in der EU.

          In Erinnerung bleiben wird es auch als großer diplomatischer Zankapfel. Denn die Kosten, die laut kroatischer Regierung samt Anschlussstrecken 550 Millionen Euro betragen, werden mit 357 Millionen Euro zwar zum großen Teil von der EU getragen – den Zuschlag für den Bau erhielt jedoch der chinesische Staatskonzern China Communications Construction Company, was vielerorts für hochgezogene Augenbrauen sorgte.

          Der kroatische Premierminister Andrej Plenkovic spricht auf der Einweihung des letzten Abschnitts der Peljesac-Brücke in Komarna.
          Der kroatische Premierminister Andrej Plenkovic spricht auf der Einweihung des letzten Abschnitts der Peljesac-Brücke in Komarna. : Bild: via REUTERS

          Die beiden unterlegenen europäischen Bieter, Österreichs Strabag und ein italienisch-türkisches Konsortium, beschwerten sich zwar über wettbewerbswidrige Verzerrungen durch den Staatskonzern. Sie blieben damit aber bei den kroatischen Bauherren erfolglos.

          Die Chinesen betreiben auf dem Balkan mehrere Infrastrukturprojekte im Rahmen der „Neuen Seidenstraße“. Wegen der damit teils einhergehenden großen Verschuldung, wie in Montenegro, werden diese Vorhaben kritisiert. Sie gelten auch als Zeichen der weitreichenden wirtschafts- und machtpolitischen Interessen der Volksrepublik.

          Im Mai 2017 stehen ein Baukran und ein unfertiger Brückenpfeiler auf der lange verwaisten Baustelle der Brücke von Ston auf die Halbinsel Peljesac.
          Im Mai 2017 stehen ein Baukran und ein unfertiger Brückenpfeiler auf der lange verwaisten Baustelle der Brücke von Ston auf die Halbinsel Peljesac. : Bild: dpa

          Immerhin haben die Chinesen die Brücke, wie versprochen, binnen drei Jahren gebaut: Beginn war Ende Juli 2018, Fertigstellung Ende Juli 2021. Zum Vergleich: Die Leverkusener Rheinbrücke ist seit Mitte 2014 für schwere Lastkraftwagen gesperrt. Der Spatenstich für den Neubau war Ende 2017, als Zeitpunkt für die Inbetriebnahme ist Ende 2023 im Gespräch.

          Knall, Peng, Boom: Zur Feier zur Vollendung der Brücke gibt es Feuerwerk.
          Knall, Peng, Boom: Zur Feier zur Vollendung der Brücke gibt es Feuerwerk. : Bild: via REUTERS

          Kroatiens Premierminister Andrej Plenkovic würdigte die Fertigstellung des aus 165 Stahlsegmenten bestehenden Brückenschlags von Komarna nach Brijesta als einen Lückenschluss mit der EU und bedeutendes Vermächtnis seiner Regierung. Reisende müssen sich aber noch etwas gedulden. Noch sind die Anschlussstrecken mit zwei Viadukten, drei Brücken und vier Tunnel nicht befahrbar. Verkehrsminister Oleg Butkovic stellte eine Eröffnung der Strecke für den Sommer nächsten Jahres in Aussicht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach Festnahme in Hagen : Ohne NSA und Co. kaum Hinweise auf Anschläge

          Deutsche Sicherheitsexperten loben ausländische Geheimdienste. Nach der Festnahme in Hagen werden islamistische Gefährder zum Wahlkampfthema. Unionskandidat Laschet pocht auf Abschiebungen und Verbote, Grünen-Kandidatin Baerbock betont die Notwendigkeit von Überwachung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.