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Kritik der EU-Kommission : Dummer Exportmeister Deutschland

  • -Aktualisiert am

Schlecht angelegt: das Geld der Deutschen im Ausland Bild: dpa

Alle Welt will deutsche Waren kaufen. Die Kritik der EU daran wollen deutsche Sparer nun wirklich nicht hören. Denn leider haben sie ihr Geld im Ausland schlecht angelegt. Und einiges wurde in den Euro-Krisenländern verkonsumiert.

          Warum findet es der deutsche Wirtschaftsminister schlecht, wenn alle Welt deutsche Waren kaufen will? Zyniker könnten sagen, mit Gabriel als Wirtschaftsminister löse sich das „Problem“ hoher Exportüberschüsse bald wie von selbst. Denn der SPD-Vorsitzende dürfte mit der Rente mit 63, dem Mindestlohn und anderen Fesseln das Jobwunder am Arbeitsmarkt zurückdrehen.

          Außerdem will er höhere Löhne und wird nur von der Union (noch) daran gehindert, die Staatsverschuldung und die Steuern kräftig zu erhöhen, um den Sozialstaat noch stärker auszubauen. Natürlich kann man auch in einem Wettlauf nach unten die Länder der Eurozone angleichen. Fragt sich nur, welches Gewicht die EU in der Welt hätte, wenn auch noch Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit verlöre.

          Gabriel sollte auf dem Weg in sein Büro vor der Büste Ludwig Erhards innehalten und fragen, was den Vater des deutschen Wirtschaftswunders so populär gemacht hat. Wohl kaum das Zutrauen in die planwirtschaftlichen Fähigkeiten von Beamten in Brüssel oder Berlin, sondern sein Glaube an den Markt. Die Überschüsse sind kein Ergebnis staatlicher Steuerung, sondern eine Folge marktwirtschaftlicher Entscheidungen von Konsumenten, Arbeitnehmern oder Unternehmen, die täglich überlegen, wofür sie ihr Geld ausgeben oder ob sie es lieber sparen wollen. Da keiner etwa einen Franzosen zwingt, ein deutsches Premiumauto zu kaufen, geht der Vorwurf von keynesianischen Kritikern fehl, Deutschland plündere mit seinen Überschüssen die Nachbarn aus.

          In Euro-Krisenstaaten wurde viel deutsches Geld verkonsumiert

          Wie abstrus die saldenmechanische Kritik der EU-Kommission ist, zeigt ein Blick auf die Kapitalbilanz. Weil Deutschland mehr ins Ausland verkauft, als es dort einkauft, sparen die Deutschen. Riesige Kapitalexporte sind die Gegenbuchung zu unseren Leistungsbilanzüberschüssen. Auch hierbei handelt es sich um die souveräne Entscheidung eines jeden Wirtschaftsakteurs, der seinen Teil des Volkseinkommens heute konsumieren oder für später zurücklegen kann. Die hohe Sparneigung ist keine Folge des vermeintlich typisch deutschen Geizes, wie manchmal unterstellt wird, sondern oft Ausdruck der berechtigten Sorge vor den finanziellen Lasten einer alternden Gesellschaft.

          Leider haben die Deutschen ihr Geld im Ausland schlecht angelegt. Erst haben sich deutsche Banken mit amerikanischen Immobilien verspekuliert, dann wurde in Euro-Krisenstaaten viel deutsches Geld verkonsumiert. So wird der Sparer zum Dummen. Will man da auch noch Vorwürfe hören?

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