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VDA : Kritik aus der SPD am möglichen Autolobbyisten Gabriel

Sigmar Gabriel Bild: dpa

Der mögliche Wechsel des früheren SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel an die Spitze des Automobilverbandes VDA schlägt weitere Wellen. Widerspruch kommt jetzt auch vom Umweltverband BUND.

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          Die Beteiligten in dieser Personalfrage wollten sich am Montag nicht weiter äußern. Der VDA teilte lediglich mit, er kommentiere entsprechende Berichte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sowie der „Bild am Sonntag“ nicht, wonach Gabriel einer von zwei aussichtsreichen Kandidaten für den Posten des obersten Autolobbyisten in Deutschland ist. Gabriel selbst schwieg ebenfalls. Er hält sich noch bis Ende der Woche in den Vereinigten Staaten auf, wo er als Vorsitzender der Atlantik-Brücke die Mitgliederreise des Vereins betreut, der sich der Pflege der deutsch-amerikanischen Beziehungen verschrieben hat.

          In Deutschland regt sich dennoch weitere Kritik an einem potentiellen Autolobbyisten Gabriel. Geht es nach dem SPD-Politiker und Kandidaten für den Vorsitz der Sozialdemokraten, Norbert Walter-Borjans, könnte Gabriels Wechsel zum Autoverband auf viel Widerspruch innerhalb der Partei stoßen. „Ja, das wird Menschen stören. Da bin ich sicher“, sagte der frühere nordrhein-westfälische Finanzminister der Zeitung „Bild“. Sollte sein Parteifreund an die VDA-Spitze rücken, könnte das innerhalb der SPD zu „Konfrontationen“ führen. „Jeder, der einmal eine herausgehobene Funktion hatte, muss auch für die Zeit danach abwägen, inwiefern er der Familie, aus der er stammt, einen Gefallen tut oder nicht“, sagte Walter-Borjans. Er gönne aber jedem sein persönliches Glück. Und: „Sigmar Gabriel ist eine eigenständige Persönlichkeit. Er macht das jetzt nicht als eine Führungsperson der SPD.“

          „Das schafft kein Vertrauen in Politiker“

          Der Linken-Bundestagsabgeordnete Fabio De Masi attackierte Gabriel über den Kurznachrichtendienst Twitter. Er verstehe, dass man mit 60 Jahren nicht in Rente gehen wolle, schrieb De Masi in Anspielung auf Gabriels Alter. „Aber gäbe es nicht viele gute Möglichkeiten, etwas für dieses Land zu tun, ohne das eigene Telefonbuch an die Autoindustrie zu verscherbeln? Das schafft kein Vertrauen in Politiker.“

          In dieselbe Richtung argumentiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Wir kritisieren die enge Verbindung zwischen der Autolobby und der Politik in Deutschland grundsätzlich“, sagte BUND-Verkehrsfachmann Jens Hilgenberg der F.A.Z. „Sollte Sigmar Gabriel der nächste VDA-Präsident werden, würde diese Praxis weitergeführt. Es würde wieder einmal gezeigt, dass ein Interessenverband wie der VDA jemanden einkauft, um die zuletzt weniger erfolgreichen Kontakte in die Bundespolitik wieder zu verbessern.“ Gabriel sei kein ausgewiesener Autokenner, „so dass es dem VDA nur um diese Kontakte gehen kann“.

          Für die Gemengelage innerhalb des Verbandes könnte laut Hilgenberg zudem interessant werden, dass Gabriel zwischen den Jahren 1999 und 2003 Ministerpräsident von Niedersachsen war und damit sehr nah am Volkswagen-Konzern dran war. „Es dürfte spannend werden zu sehen, wie sich Gabriel aufgrund seiner ehemaligen Nähe zu Volkswagen als VDA-Präsident positioniert. Schließlich verfolgt VW mit dem Bekenntnis zur Batterieelektrik einen klareren Ansatz als die süddeutschen Konzerne BMW und Daimler.“ Während der Wolfsburger Konzern im Wandel weg vom Verbrennungsmotor ausschließlich auf reine Elektroautos setzt, verfolgen die Hersteller aus dem Süden technologieoffenere Ansätze und forschen zum Beispiel an Brennstoffzellenfahrzeugen. Das Eintreten VWs für die Batterieautos hatte aber zuletzt zu Unstimmigkeiten innerhalb des Autoverbandes geführt.

          Der VDA braucht einen neuen Präsidenten, weil der Amtsinhaber, der frühere Ford-Manager Bernhard Mattes, im September überraschend angekündigt hatte, den Posten zum Jahresende abzugeben. Neben Gabriel ist aber auch die frühere CDU-Politikerin Hildegard Müller noch im Rennen um das Amt, die zuletzt als Managerin für den Energiekonzern Innogy arbeitete und zuvor den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft führte. Sie wäre schon die zweite Frau an der Spitze des Autoverbandes: Zwischen den Jahren 1989 und 1996 führte Erika Emmerich die Interessenorganisation der deutschen Autohersteller und Zulieferer.

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