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Deutsche Bank : Auch der mögliche Achleitner-Nachfolger steht schon in der Kritik

Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Bild: EPA

Auch in diesem Jahr verspricht die Hauptversammlung der Deutschen Bank Würze. Aufsichtsratschef Paul Achleitner muss wieder mit Gegenstimmen rechnen. Und auch sein möglicher Nachfolger erhält nicht nur positive Rückmeldungen.

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          Hauptversammlungen der Deutschen Bank sind oft reich an deftiger Kritik. Der Fondsmanager der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka nannte etwa vor einem Jahr die Kursentwicklung einen „Horrorfilm mit Überlänge“. In diesem Jahr könnte die Gemüter der Aktionäre auf der Hauptversammlung am 20. Mai beruhigen, dass der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing spätestens seit Juli 2019 die Sanierung der Deutschen Bank entschlossen vorantreibt, das Kreditinstitut im ersten Quartal 2020 trotz Corona-Krise gerade gut abgeschnitten hat und der Aktienkurs daraufhin allein in der vergangenen Woche um 24 Prozent zulegte. Damit ist allerdings nur Sewing aus der Kritik. Der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner dagegen zieht weiterhin Unmut von Teilen der Aktionäre auf sich, aber auch die scheinen milder gestimmt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Anders als im Vorjahr empfiehlt mit ISS immerhin einer der beiden großen amerikanischen Stimmrechtsberater, Achleitner auf der Hauptversammlung zu entlasten. Der andere, Glass Lewis, rät zwar wie im Vorjahr dazu, Achleitner die Entlastung zu verweigern mit dem Argument, der seit dem Jahr 2012 amtierende Aufsichtsratschef sei für die schwierige Lage der Bank zumindest in Teilen mitverantwortlich. Aber Glass Lewis unterstützt den von einem Aktionär auch in diesem Jahr eingebrachten Antrag auf sofortige Abwahl Achleitners ausdrücklich nicht: Angesichts der Corona-Krise sei ein sofortiger Wechsel des Aufsichtsratschefs nicht im besten Interesse der Aktionäre. Da viele Großaktionäre wie Fonds und Versicherer gerade aus den Vereinigten Staaten und Großbritannien mit ihrem Abstimmungsverhalten den Empfehlungen der Stimmrechtsberater folgen, kann Achleitner also jetzt auf ein besseres Ergebnis als im Vorjahr hoffen. Damals hatten ihn nur 71,63 Prozent der anwesenden Aktionäre entlastetet.

          Kritik an Weimers anderen Mandaten

          Interessant ist, dass sich Kritik von Aktionären auch schon am möglichen Nachfolger Achleitners als Aufsichtsratschef entzündet. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, Theodor Weimer, stellt sich bekanntlich erstmals als Aufsichtsrat der Deutschen Bank zur Wahl. Der frühere Vorstandssprecher der Hypo-Vereinsbank gilt vielen als gute Wahl, weil er mit seinem Profil als europäischer Banker eine Lücke im Aufsichtsrat füllt. Allerdings äußerte schon als Weimers Kandidatur im März bekannt wurde die Fondsgesellschaft Union Investment auch Kritik. Vanda Heinen, ihre Analystin für gute Unternehmensführung, forderte damals: „Um sich nicht dem Vorwurf der Ämterhäufung auszusetzen, sollte Herr Weimer sein Aufsichtsratsmandat beim FC Bayern München aufgeben.“ Auch für Ivox, den deutschen Ableger vom amerikanischen Stimmrechtsberater Glass Lewis, hat Weimer schon zu viele andere Mandate. Die Muttergesellschaft Glass Lewis dagegen stört sich daran nicht und spricht sich dafür aus, Weimer zu wählen.

          Unterschiedlich sind auch die Meinungen darüber, ob die Deutsche-Bank-Aktionäre den ehemaligen Investmentbanking-Vorstand Garth Ritchie und die frühere Chefin für Regulierung, Sylvie Matherat, entlasten sollten. Glass Lewis ist dagegen, ISS dafür. Ritchie hatte im Jahr 2018 mit 8,6 Millionen Euro so viel verdient wie kein anderer im Vorstand. Er verließ die Bank im Juli 2019. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn, die beiden früheren Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann und Anshu Jain sowie die früheren Finanzvorstände Anthony Di Iorio und Stefan Krause im Zusammenhang mit illegalen Aktiengeschäften rund um den Dividendenstichtag („Cum-Ex“). Auch zu „Cum-Ex“ könnten Aktionäre manch kritische Frage auf der Hauptversammlung stellen, die diesmal virtuell im Internet stattfindet. Auch die Doppel-Rolle von Cerberus als Aktionär und Berater dürfte abermals hinterfragt werden. Darauf wird die Deutsche Bank sorgfältiger als im Vorjahr antworten müssen, um nicht abermals Berufsklägern eine Steilvorlage zu liefern.

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