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Gelbe Plage : Mehr Mais geht nicht

Wunderpflanze der Landwirte

Denn der Mais ist für die Kalkulation vieler Landwirte eine Wunderpflanze. Er ist genügsam, braucht keine fetten Böden. Er mag den vielen Regen, den es in Deutschland im Frühsommer gibt. Er liefert je Hektar fünfmal so viel Ertrag wie Weizen. Außerdem ist er robust, Parasiten und Pilze haben gegen ihn kaum Chancen. Das zahlt sich aus: Während Getreideanbauer jedes Weizenfeld bis zur Ernte vier- oder fünfmal mit Pflanzenschutzmitteln bearbeiten, genügen dem Mais zwei Durchgänge. Und er wandelt Sonnenkraft unschlagbar effizient in Stärke um, sprich Energie, was für die Biogaserzeugung entscheidend ist.

Steigende Anbaufläche: Deutschland wird zum Maisland.

Doch jetzt dreht sich der Wind. Denn in Deutschland haben sich die Mais-Gegner durchgesetzt, mit der Biogasherrlichkeit ist es vorbei. Vom nächsten Jahr an gilt ein neues EEG. Und nicht einmal CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer, der in den Verhandlungen wie üblich für seine bayerischen Energielandwirte in die Bresche sprang, konnte es verhindern: Künftig wird nicht mehr Biogas besonders üppig gefördert, sondern Windkraft. Statt 19 Cent je Kilowattstunde, die bislang für Strom aus Biogas durchschnittlich gezahlt werden, sollen es nicht einmal mehr 15 Cent sein. Und in den Anlagen soll der Mais-Anteil am vergärten Material Schritt für Schritt sinken, von zurzeit 60 auf 44 Prozent. „Maisdeckel“ heißt das auf Bürokratisch.

„Die Reform ist Mist“

Einige Mais-Gegner hätten es gerne noch deutlicher gehabt. Jan Plagge, der Präsident des Biobauernverbands „Bioland“ zum Beispiel. „Die Reform ist Mist, weil sie keine Alternative zum Mais bringt“, schimpft er. „Und weil sie die gesellschaftlichen Gesamtkosten nicht einpreist.“ Ein Bonus für Kleegras und Luzerne müsse her. Würden statt Mais öfter diese Pflanzen angebaut, täte das dem Boden gut, außerdem der Tierwelt.

So oder so, Deutschlands Felder werden sich, wie auf Knopfdruck, abermals verändern. Mit jeder Biogasanlage, die von 2020 an aus der komfortablen 20-Jahres-Förderung herausläuft, wird die Maisfläche zurückgehen. Meist dürfte stattdessen Weizen angebaut werden. Und in Bayerisch Schwaben liebäugelt Alois Abts Sohn damit, Gästezimmer für Ferien auf dem Bauernhof einzurichten.

Was aus den Tausenden von Biogasanlagen wird, die sich bald nicht mehr lohnen, steht auf einem anderen Blatt. Üblicherweise haben die Betreiber eine Rückbauverpflichtung unterschrieben. Für eine durchschnittliche Anlage wären dann mehr als 3000 Tonnen Beton zu entsorgen. Macht bei 8000 Anlagen 24 Millionen Tonnen Beton. Für die Berliner Mauer, noch so ein Vergleich, um die Dimensionen der Angelegenheit zu verdeutlichen, war ein Hundertstel davon nötig.

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