https://www.faz.net/-gqe-9i0ms

Kirche und Wirtschaft : Die Wirtschaftsferne der katholischen Soziallehre

  • -Aktualisiert am

Die katholische Soziallehre der Kirche kritisiert gerne den Kapitalismus und dessen Stärkung der Reichen. Wie viel ihrer Wirtschaftslehre findet sich in der Realität wieder? Bild: dpa

Marktwirtschaft und Kapitalismus nutzen nicht nur den Reichen, sondern vor allem den Armen. Doch in der katholischen Kirche hat diese Auffassung nicht immer Gehör gefunden. Ein Gastbeitrag.

          4 Min.

          Die Geschichte der Menschheit ist weitgehend von Massenarmut geprägt. Überwunden wurde diese erst durch die kapitalistische industrielle Revolution; in Teilen der Welt herrscht noch immer Armut vor. Das Erfolgsrezept dagegen hieß Steigerung der Arbeitsproduktivität durch Sicherung von Eigentumsrechten, Kapitalakkumulation und technische Innovationen. Das führte zum Angebot immer besserer Produkte, einer zunehmend höheren Kaufkraft der Massen und steigendem Lebensstandard. Marktwirtschaft mit Privateigentum – vulgo Kapitalismus – funktioniert, weil sie den Konsumenten, das heißt allen, dient. Vom Kapitalismus haben also nicht nur die Reichen, sondern vor allem die Ärmsten profitiert. Der Prozess wiederholt sich heute auf globaler Ebene – dort, wo die politischen Verhältnisse es zulassen.

          Die offizielle katholische Soziallehre hat diese Zusammenhänge nie wirklich zu ihrem Thema gemacht. Auch in ihrer heutigen Kritik an einem „zwanghaften Konsumismus“, verursacht durch einen angeblich „unwiderstehlichen Konsum-Mechanismus“ des Marktes (Enzyklika Laudato si’), vergisst sie, dass es gerade dieser Mechanismus des Marktes ist, der Wohlstand und damit die Grundlage für Bildung und Kultur und ein Leben in Würde schafft. Die kirchliche Soziallehre kritisiert heute jedoch den Konsumismus just als das „subjektive Spiegelbild des techno-ökonomischen Paradigmas“ und attackiert damit die Grundlagen des modernen Massenwohlstands.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung plus

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Rot und Tiefrot: Susanne Hennig-Wellsow und Janine Wissler

          Grün-Rot-Rot : Aus der Traum

          Mit ihrer neuen Führung scheidet die Linke als Partner von Grünen und SPD für neue Mehrheiten in Deutschland aus. Den Nutzen hat die Union – auch ohne Angela Merkel.
          Immer noch beliebt bei der Basis – Donald Trump, hier als Figur in Gold.

          Konferenz der Konservativen : Will Trump 2024 wieder antreten?

          Donald Trump hält die erste Rede nach seinem Abschied aus dem Weißen Haus. Auf einer Konferenz der Konservativen geht es um den Führungsanspruch bei den Republikanern. Wird es der Startschuss für sein Comeback?