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Datenaffäre bei der Weltbank : Die Entzauberung des IWF

Schriftzug am Sitz der Weltbank in Washington Bild: dpa

Dass die IWF-Chefin Kristlina Georgiewa davon kommt, ist unverständlich. Sie weiß offenbar mit den entscheidenden Personen umzugehen. Denn es geht nie allein darum, ob ein Kandidat fähig und anständig ist.

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          Kristalina Georgiewa bleibt Chefin des Internationalen Währungsfonds, trotz der Ungereimtheiten im Datenskandal. Die Ländervertreter im IWF finden die Beweise für Georgiewas Datenmanipulation zugunsten Chinas nicht stark genug, um einen Führungswechsel zu rechtfertigen.

          Zur Erinnerung: Die Weltbank, Schwesterorganisation des IWF, hatte Unregelmäßigkeiten in den Daten ihres wichtigen Doing-Business-Reports festgestellt nach Hinweisen von Beschäftigten. Renommierte Anwälte belasteten nach umfassender Dokumenteneinsicht und zahlreichen Zeugenaussagen Georgiewa und besonders stark ihren bulgarischen Landsmann Simeon Djankow, früher Finanzminister seines Landes. Dieser wurde nie entlastet und ist abgetaucht. Er war, so berichten Insider wie der frühere Weltbank-Chefökonom Paul Romer, ihre rechte Hand, der Mann fürs Grobe.

          Dass Georgiewa angesichts dieser Verbindung davonkommt, ist unverständlich. Sie versteht es offenbar, mit den Stakeholdern des IWF umzugehen. Wie immer sind Entscheidungen über die Führung von multilateralen Organisationen von politischen Erwägungen überlagert.

          Europäer mit unseliger Rolle

          Es geht nie allein darum, ob ein Kandidat fähig und anständig ist. In diesem Fall spielten die Europäer unter Führung der Franzosen eine unselige Rolle. Sie hatten Georgiewa an die IWF-Spitze gehievt – als Teil eines sorgsam austarierten Personaltableaus, das die alte IWF-Chefin Christine Lagarde an die Spitze der EZB und Ursula von der Leyen an die Spitze der EU-Kommission beförderte.

          Georgiewas Beförderung war als Kompensation osteuropäischer Länder gedacht. An solchen Tableaus rühren Politiker ungern. Dazu kam offenbar die Sorge, andere Kontinente könnten nun den Europäern das informelle Privileg streitig machen, über die Besetzung des IWF-Spitzenpostens zu entscheiden.

          Als positives Ergebnis der Datenaffäre kann man werten, dass Weltbank und Währungsfonds samt ihrem umfangreichen Schrifttum entzaubert wurden. Wer ihnen jetzt noch Objektivität unterstellt, ist naiv. Bezweifeln muss man aber, ob sich nach dieser Form der „Aufarbeitung“ künftig noch Mitarbeiter finden werden, die als Whistleblower Missstände öffentlich machen.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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