https://www.faz.net/-gqe-a0soj

Krisengespräch mit Klöckner : Ist unser Fleisch zu billig?

  • Aktualisiert am

Ist unser Fleisch zu billig? Bild: dpa

Tönnies und die Folgen: Was muss sich ändern in Ställen, Schlachthöfen und im Supermarkt? Die Agrarministerin lädt zum Krisengespräch.

          2 Min.

          Angesichts breiter Kritik an der Fleisch-Produktion in Deutschland will Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) über Konsequenzen beraten. Dabei geht es um bessere Bedingungen in Ställen und Schlachthöfen, aber auch um höhere Preise im Supermarkt.

          In Düsseldorf laden Klöckner, ihre nordrhein-westfälische Kollegin Ursula Heinen-Esser (CDU) und Niedersachsens Ressortchefin Barbara Otte-Kinast (CDU) dafür zu einem „Branchengespräch“. Dabei sein sollen Vertreter von Tierhaltern, Fleisch- und Ernährungsbranche, Handel, Bundeskartellamt, Tierärzten und Verbraucherschützern.

          Nach den Corona-Ausbrüchen in Schlachtbetrieben rücken Veränderungen in der gesamten Lebensmittelkette in den Blick. SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch sagte: „Notwendig sind endlich bessere rechtliche Rahmenbedingungen für Mensch und Tier.“ Das heutige System der Fleischproduktion erzeuge zu viele Verlierer – Beschäftigte der Fleischbranche würden miserabel bezahlt, Landwirte könnten nicht von ihrer Arbeit leben, Tiere würden nicht artgerecht gehalten. Miersch forderte klare Kriterien für Ställe, die Tierwohl und Klimaschutz berücksichtigen und Bauern Planungssicherheit geben.

          Für eine Tierwohlabgabe

          Klöckner setzt sich nun auch für eine Tierwohlabgabe ein, die auf Fleisch und andere tierische Produkte aufgeschlagen werden könnte. Dies empfiehlt auch eine Expertenkommission des Ministeriums, um Bauern beim Finanzieren von Stallumbauten zu unterstützen. Denkbar wären offenbar über eine Verbrauchsteuer Aufschläge von 40 Cent pro Kilogramm Fleisch und Wurst und 2 Cent pro Kilo für Milch und Frischmilchprodukte.

          FDP-Fraktionsvize Frank Sitta forderte, der Umbau der Tierhaltung müsse vorangehen. „Eine Art Tierwohl-Soli würde Landwirte jedoch nur noch abhängiger vom Staat machen“, sagte er. Statt fruchtloser runder Tische und müßiger Preisdiskussionen müsse die Koalition schnell marktwirtschaftliche Erleichterungen für Tierwohlställe im Bau- und Emissionsrecht schaffen. Nötig sei auch ein verbindliches und EU-weit einheitliches Tierwohllabel, das Verbrauchern verlässlich zeige, wie ein Tier gehalten wurde.

          Um problematische Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen zu unterbinden, hatte das Kabinett Ende Mai Eckpunkte für Neuregelungen beschlossen. Kern ist ein weitgehendes Verbot von Werkverträgen zum 1. Januar 2021, also dass die komplette Ausführung von Arbeiten von Subunternehmern eingekauft wird. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will im Sommer einen Gesetzentwurf vorlegen.

          Klöckner wiederum kritisierte die Konzentration in der Schlachtbranche. „Ich bin der Auffassung, dass wir künftig wieder mehr dezentrale Betriebe brauchen, und es sie auch geben wird“, sagte sie der „Saarbrücker Zeitung“.

          Weitere Themen

          Curevac plant Kapitalerhöhung

          Impfstoffentwickler : Curevac plant Kapitalerhöhung

          Der Tübinger Impfstoffentwickler testet seinen Impfstoff derzeit noch. Zum ersten Mal seit seinem Börsengang im August will das Unternehmen jetzt frisches Geld von Aktionären einsammeln.

          Topmeldungen

          Verschiedene Geldanlagen zu verwalten kann manchem vorkommen wie Jonglage.

          Bilanz ziehen : Neuer Glanz auf altem Vermögen

          So eine Vermögensbilanz kann Überraschungen bergen, Sie aber vor ebensolchen bösen bewahren. Unser Autor hat Tipps zur Aufstellung und zur Umschichtung von Hab und Gut.
          Bitte kein soziales Elend zu später Stunde: Moderator Jan Plasberg und Gäste sprachen in der ARD-Sendung "Hart aber fair" über die Coronakrise.

          TV-Kritik: Hart aber fair : Maximal empathielos

          Wut, Ohnmacht, Verschwörungstheorien: Bei „Hart aber fair“ arbeiten sich Frank Plasberg und seine Gäste an den Nebenwirkungen der Corona-Krise ab. Gefährlich ist, was ungesagt bleibt.
          Wie umgehen mit der AfD? Haldenwang und Seehofer 2019

          AfD als Prüffall : Die Gefahr verbrannter Finger

          Der Verfassungsschutz will die AfD beobachten. Doch die Sache ist schwierig. Ein Leck in einer Behörde kommt der Partei gerade recht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.