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Kriselnder Autobauer : Opel: Wollen Werk in Bochum erhalten

  • -Aktualisiert am

Das Werk in Bochum soll nach Möglichkeit zumindest so lange erhalten bleiben, bis die Produktion des Familienwagens Zafira dort Ende 2016 ausläuft. Bild: dapd

Opel hat sich mit dem Betriebsrat und der IG Metall auf die wichtigsten Eckpunkte für einen neuen Sanierungsplan verständigt. Demnach will der kriselnde Autohersteller seine Sanierung in den nächsten Jahren möglichst ohne Werksschließungen in Deutschland vorantreiben.

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          Die Unternehmensführung von Opel hat sich mit dem Betriebsrat und der IG Metall auf die wichtigsten Eckpunkte für einen neuen Sanierungsplan geeinigt. Der Autohersteller will die Neuordnung zunächst ohne Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland vorantreiben. Allerdings sind die genauen Konditionen der Sanierung noch Gegenstand von Verhandlungen. Auch das Werk in Bochum solle nach Möglichkeit zumindest so lange erhalten bleiben, bis die Produktion des Familienwagens Zafira dort Ende 2016 ausläuft, teilten die Verhandlungsparteien am Mittwoch gemeinsam in Rüsselsheim mit. Zuletzt war spekuliert worden, das Opel-Werk in Bochum könnte geschlossen werden, wenn der Standortsicherungsvertrag Ende 2014 ausläuft.

          Weiterer Lohnverzicht gegen Kündigungsschutz?

          Opel-Chef Klaus-Friedrich Stracke will nun mit dem Betriebsrat und der IG Metall darüber verhandeln, ob nicht nur bis 2014, sondern sogar bis 2016 auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet wird. Laut einer Mitteilung der IG Metall wird dazu die Tariferhöhung bis Oktober ausgesetzt. An dem Kompromiss war dem Vernehmen nach auch IG-Metall-Chef Berthold Huber beteiligt.

          Der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug signalisierte Zustimmung zu dem Plan: „Die Opel-Betriebsräte sind bereit, an der Stärkung der Marke Opel mitzuarbeiten. Die Eckpunkte des vorgeschlagenen Geschäftsplans gehen in die richtige Richtung, doch zu vielen Punkten müssen wir noch Gespräche führen.“ Hintergrund für diese Ankündigung ist eine Spaltung innerhalb der Arbeitnehmerschaft: So will der Bochumer Betriebsrat für den Standort in jedem Fall eine Garantie auch über 2016 hinaus aushandeln. Die anderen Betriebsräte halten diese Forderung jedoch für überzogen.

          Zugespitzte Lage

          Nach Angaben des Unternehmens ist eine volle Auslastung der europäischen Werke im Dreischichtbetrieb geplant. Geprüft werde dafür, Modelle anderer Marken in den Opel-Werken zu produzieren. Hintergrund dafür sind die Überkapazitäten des Unternehmens, dessen Werke nur zu zwei Dritteln ausgelastet sind. Der Betriebsrat hatte als Lösung verlangt, dass künftig Modelle der amerikanischen Schwestermarke Chevrolet vom Mutterkonzern General Motors (GM) in die Opel-Werke verlegt werden. Darüber hinaus könnten ab 2015 auch Autos des französischen GM-Partners PSA Peugeot Citroen bei Opel vom Band laufen.

          Die Lage bei Opel hatte sich in den vergangenen Monaten wegen der Staatsschuldenkrise in Westeuropa wieder zugespitzt. Insbesondere in Südeuropa kaufen aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit immer weniger Menschen einen Neuwagen, so dass der Markt so schwach ist wie seit 1996 nicht mehr. Der Absatz der Marke Opel schrumpfte in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres sogar noch stärker als der Markt um 16 Prozent auf knapp 300.000 Autos. Dadurch droht in diesem Jahr der sechste Milliardenverlust hintereinander – obwohl das Unternehmen schon eine umfassende Sanierung hinter sich hat. 2009 wurde das Werk-Werk im belgischen Antwerpen geschlossen und 8000 von 48.000 Stellen gestrichen. Die Belegschaft verzichtete zudem auf jährlich eine Viertelmilliarde Euro Lohn.

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