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Kriselnde Tochtergesellschaft : Commerzbank plant Abwicklung der Eurohypo

Die Ratingagentur Moody’s hat die Commerzbank und ihre Tochtergesellschaft Eurohypo weiter heruntergestuft. Bild: dpa

Die teilverstaatlichte Commerzbank versucht, um einen Verkauf ihrer schwer angeschlagenen Tochterbank Eurohypo herumzukommen. Der Dax-Konzern will einen kleinen Teil des größten deutschen Staats- und Immobilienfinanzierers eingliedern - und den Rest abwickeln.

          Die Commerzbank will nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen kleinen Teil ihrer Tochterbank Eurohypo eingliedern und den Rest abwickeln. Für die weit gehende Abwicklung des mit rund 200 Milliarden Euro Bilanzsumme größten deutschen Staats- und Immobilienfinanzierers plant die Commerzbank keinen Rückgriff auf Staatshilfe. Dennoch muss die EU-Kommission zustimmen. Mit ihr hat die Bank - vermutlich noch langwierige - Verhandlungen aufgenommen.

          Nahezu unverkäuflich

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Da die Commerzbank im Winter 2008/2009 insgesamt 18 Milliarden Euro Staatshilfe benötigte, erhielt sie damals als EU-Auflage, die Eurohypo bis Ende 2014 zu verkaufen. Wegen ihrer großen Bilanz aber hält Commerzbank-Finanzvorstand Eric Strutz die Eurohypo für nahezu unverkäuflich. Strutz, lange Aufsichtsrat der Eurohypo, machte den Staatsfinanzierer zuletzt dafür verantwortlich, dass der Commerzbank von der Europäischen Bankenaufsicht ein Kapitalbedarf von 5,3 Milliarden Euro bescheinigt wird. Seither darf die Eurohypo kein Neugeschäft mehr machen.

          2005 hatte die Commerzbank unter der Leitung des damaligen Commerzbank-Vorstandssprechers Klaus-Peter Müller die Eurohypo für 4,5 Milliarden Euro erworben. Die Größe der Eurohypo steigerte sie 2008 noch durch die Zusammenlegung mit der Essen Hyp.

          Moody’s straft Commerzbank und Eurohypo ab

          Wie gravierend die Lage der Eurohypo und die Folgen für die Commerzbank sind, zeigt sich erneut am Dienstag: Die Ratingagentur Moody's hält die Eurohypo alleine für kaum überlebensfähig und stufte deshalb auch die Finanzstärke des Mutterkonzerns herunter. Die Note für die Finanzkraft der Eurohypo wurde von "D-" auf "E+" gesenkt. Aus diesem Grund wurde auch die Einschätzung für die Commerzbank von "C-" auf "D+" herabgestuft. Finanzinstitute mit der Note „E“ haben nach Einschätzung Moody’s eine sehr schwach ausgeprägte eigene Finanzkraft, die regelmäßige externe Unterstützung erforderlich macht oder erwarten lässt. Banken mit der Note „D“, wie sie die Commerzbank jetzt hat, attestiert Moody’s eine schwach ausgeprägte Finanzkraft. Hier sei es eventuell erforderlich, gelegentlich externe Unterstützung in Anspruch zu machen.

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